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Kino

Ehrensache

Im Maschinenraum: Andreas Pichlers Doku »Elon Musk Uncovered: Das Tesla-Experiment«

Von Norman Philippen
Foto: Mike Segar /REUTERS
Der Musksche Gruß

Was Musk, Elon für ein miserabler Megaunhold ist, muss eigentlich kaum einem Menschen noch aufgedeckt werden, der die letzten Jahre bei (kritischem) Wachbewusstsein war. Dennoch dürfte der Film von Andreas Pichler (»Der sechste Kontinent«, »Das System Milch«, »Alkohol – Der globale Rausch«) auch jenen noch neue Details der Verderbtheit aufzeigen, die Musk bisher eher nicht als »Techmessias« verehrt haben. Der Blick in den »Maschinenraum seines Milliardenimperiums« bietet nämlich – um es einmal frech verharmlosend zu sagen – »einen spannenden Blick hinter die Kulissen eines Systems, das mit Autopilot, KI und autonomem Fahren die Zukunft bestimmen will – und dabei womöglich Grenzen überschreitet und Menschenleben riskiert« (Auto Bild).

Dass dies womöglich der Fall ist, liegt etwa für Anja Oldenburg nahe, deren Musk zu Lebzeiten bewundernder Ehemann bei eingeschaltetem Autopiloten auf gerader Strecke von seinem Tesla gegen einen Baum gesteuert und mittelbar getötet wurde. Spannend bleibt nicht nur für Oldenburg die Frage, warum Tesla zwar bei jeder Fahrt Unmengen auch personenbezogener Daten aufzeichnet, aber ausgerechnet zu dieser Todesfahrt nichts gesammelt haben will, das polizeilichen Ermittlungen dienen könnte.

An vielsagenden Daten mangelt es in der Unfallakte Tesla allerdings nicht. Die Dokumentation greift auf mehr als 3.000 Kundenbeschwerden, Unmengen an Meldungen zu Fehlfunktionen und eklatanten Systemausfällen zurück, die dem Handelsblatt-Investigativjournalisten Sönke Iwersen 2023 von einem Tesla-Whistleblower zugespielt worden waren. Zudem kommen frühere Tesla-Mitarbeiter zu Wort, die spannende Einsichten zu Entlassungen und mitunter lebensbedrohlichen Einschüchterungen zu bieten haben, mit denen der Konzern auf geäußerte Sicherheitsbedenken gerne zu reagieren scheint. »Unsere Aufgabe war es«, so Produzent Christian Beetz, »das System Elon Musk hinter den geleakten ›Tesla Files‹ aufzudecken und ehemals enge Vertraute von ihm zu finden, die bereit waren, an die Öffentlichkeit zu treten.« Das ist ganz gut gelungen. Dank der in den Tesla-Fahrzeugen verbauten Kameras kann das Tödliche dieses Systems reichlich mit mutmaßlich autopilotbedingten Crashs illustriert werden.

Konzentriert sich die Dokumentation zwar auf das Tun bei Tesla, lässt sie (mit Stand August 2025) auch Musks Wandlung zum milliardenschweren Politiker nicht unbeleuchtet. Die per 250 Millionen US-Dollar Wahlkampfhilfe unterstrichene Musksche Begeisterung für Donald Trump setzte just dann ein, als der Druck durch Untersuchungen der US-amerikanischen Verkehrssicherheitsbehörde National Highway Traffic Safety Administration (NHTSA) auf Tesla für den Konzern bedrohlicher wurde. Anstatt Tesla-Opfern wie den Angehörigen von Naibel Benavides Leon, die 2019 bei einem Unfall in einem Tesla Model S ums Leben kam, noch einmal 250 Millionen zahlen zu müssen, gab Musk sie lieber den Republikanern. Die dankten es Elon per Department of Government Efficiency (DOGE). Dass, wie ein texanischer Kongressabgeordneter zu Protokoll gibt, fünf leitende Ermittler der Autopilotunfallfälle entlassen wurden, mag Zufall gewesen sein. Wahrscheinlicher aber einfach nur Ehrensache unter Ehrenmännern.

»Elon Musk Uncovered: Das Tesla-Experiment«, Regie: Andreas Pichler, BRD 2025, 90 Min., bereits angelaufen, ab 2. Mai 2026 auch in der ARD-Mediathek

Themen:
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Erschienen in der Ausgabe vom 18.03.2026, Seite 11, Feuilleton

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