Wirtschaftskrieg gegen Kranke
Von Volker Hermsdorf
Die Folgen von Washingtons ökonomischen Würgegriff treffen in Kuba vor allem die Schwächsten. Die erzwungene Einstellung venezolanischer Erdölexporte und scharfe Zolldrohungen gegen etwaige alternative Lieferanten haben die Insel komplett von der Treibstoffzufuhr abgeschnitten. Am stärksten betroffen sind Kinder, Schwangere, Ältere und chronisch Erkrankte, denn insbesondere für das Gesundheitssystem sind die Folgen der von US-Präsident Donald Trump erzwungenen totalen Ölblockade verheerend. Krankenhäuser kämpfen mit täglichen Stromausfällen und unterbrochenen Lieferketten, medizinische Geräte stehen still, und die Beschäftigten gelangen oft nur unter großen Schwierigkeiten an ihren Arbeitsplatz.
Wie Gesundheitsminister José Ángel Portal am Montag laut Telesur mitteilte, warten inzwischen über 96.000 Menschen auf Operationen – darunter mehr als 11.000 Kinder. Viele Eingriffe müssen verschoben werden, damit lebensrettende Operationen etwa bei Krebs oder akuten Notfällen durchgeführt werden können. Auch Programme für Mütter und Neugeborene sind in Gefahr; die notwendigen diagnostischen Ultraschalluntersuchungen für rund 32.000 schwangere Frauen werden durch die instabile Energieversorgung erschwert.
Besonders dramatisch ist die Lage auch für jene, die auf kontinuierliche Behandlung angewiesen sind: Etwa 16.000 Menschen sind auf Strahlentherapie, weitere rund 2.900 auf regelmäßige Dialyse angewiesen – Prozeduren, die ohne zuverlässige Stromversorgung kaum machbar sind. Zudem können auch eigentlich vorhandene medizinische Ressourcen nicht immer eingesetzt werden: Obwohl zum Beispiel Impfstoffe in Lagern bereitstehen, konnten mehr als 30.000 Kinder nicht geimpft werden, weil der Treibstoff für gekühlte Transporte fehlt.
Trotz der sich dramatisch verschlechternden Lage spielt Havanna die Gefahr eines möglichen Zusammenbruchs des einst so vorbildhaften kubanischen Gesundheitssystems herunter. Das System befinde sich vielmehr in einer Phase der strategischen Neuorganisation, erklärte Portal. Der Staat setze verstärkt auf die Primärversorgung durch die sogenannten Familienärzte und Krankenpfleger in den einzelnen Regionen sowie medizinische Ferndiagnostik und -behandlung. Möglich sei dies nur durch das Engagement, das Berufsethos und die Professionalität des medizinischen Personals, das unter äußerst schwierigen Bedingungen arbeite, betonte der Minister.
Während man in Kuba darum kämpft, die Versorgung mit dem Nötigsten aufrechtzuerhalten, feiern die USA bereits den angeblich bevorstehenden Sturz der Regierung in Havanna. Auf einer Pressekonferenz in Miami wiederholte Donald Trump Anfang der Woche die Drohung, Kuba werde »sehr bald fallen«. Washington bereite eine »freundliche Übernahme« vor. »Vielleicht wird es auch keine freundliche Übernahme sein. Das wäre auch egal, denn sie sind wirklich am Ende«, so der US-Präsident. Nach dem Krieg gegen den Iran solle Außenminister Marco Rubio sich verstärkt um das »Kuba-Projekt« kümmern.
Untermauert wurden die Drohungen des US-Präsidenten durch Vorbereitungen auf eine weitere Eskalation durch das US-Justizministerium. Dort wurde laut Medienberichten eine Arbeitsgruppe eingerichtet, um Anklagen gegen führende kubanische Politiker und Mitglieder der Kommunistischen Partei vorzubereiten. Die Staatsanwaltschaft in Miami prüfe angebliche Straftaten wie Drogenhandel oder Gewalt. Diese könnten dann der Vorwand für weitere Sanktionen oder – wie zuletzt in Venezuela – für einen militärisch erzwungenen »Regime-Change« sein.
Immerhin ist Kuba nicht ganz allein. Gesundheitsminister Portal dankte ausdrücklich für die internationale Hilfe weltweiter Solidaritätsgruppen und insbesondere für die Unterstützung durch Mexiko. Wie der Nachrichtensender Sputnik am Dienstag berichtete, bekräftigte José Alfonso Suárez del Real, Mexikos Vertreter beim Europarat und Berater von Präsidentin Claudia Sheinbaum, auf einer Pressekonferenz, sein Land werde die Verbindungen zu der Insel ungeachtet der US-Drohungen aufrechterhalten.
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