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Aus: Ausgabe vom 18.02.2026, Seite 8 / Kapital & Arbeit
US-Imperialismus

Habanos‑Festival abgesagt

Devisensektor: US-Blockade und Energiekrise legen Kubas Zigarrenindustrie lahm
Von Volker Hermsdorf
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Der gnadenlose Würgegriff der US‑Sanktionen treibt Kuba in eine der schwersten Krisen seiner jüngeren Geschichte. Die beabsichtigten Folgen sind allgegenwärtig: Tägliche Stromausfälle, Schul- und Betriebsschließungen, Krankenhäuser am Rand des Kollapses und ein weitgehend lahmgelegter öffentlicher Verkehr prägen den Alltag. Medikamente und Lebensmittel werden knapp, auf den Straßen türmen sich Müllberge, weil Treibstoff für die Abfuhr fehlt. Der Tourismus – zuletzt eine der wenigen Devisenquellen – kommt faktisch zum Erliegen. Die Regierung versucht, mit einem Notfallplan gegenzusteuern, der die verbliebenen Ressourcen auf das Nötigste konzentriert, doch die Energieblockade trifft auch Bereiche, die dringend Devisen generieren müssten. Nach der Internationalen Buchmesse muss nun auch das weltberühmte Festival del Habano »auf unbestimmte Zeit« verschoben werden.

Die Verschiebung zeigt erneut, wie tief die Maßnahmen der Trump‑Regierung in das wirtschaftliche und soziale Gefüge der Insel eingreifen. Wie jedes Jahr wollten Zigarrenkenner aus aller Welt vom 24. bis 27. Februar in Havanna zusammenkommen. Doch wenn Kerosin für Flugzeuge fehlt, bleibt selbst das Prestigeprojekt des Exportschlagers Tabak auf der Strecke. Habanos S.A., der weltweit führende Vermarkter kubanischer Premiumzigarren, erklärte, die Entscheidung solle »die höchsten Qualitäts-, Exzellenz- und Erfahrungsstandards« gewährleisten. Hinter der diplomatischen Formulierung steht jedoch eine Realität, die auf der Insel längst jeder spürt: Ohne Treibstoff gibt es weder funktionierende Logistik noch eine stabile Stromversorgung, um Gäste aus aller Welt zu empfangen und eine derart aufwendige Veranstaltung zu stemmen.

Das Habanos‑Festival gilt als Schaufenster der kubanischen Tabakindustrie. Jahr für Jahr reisen rund 1.300 Gäste aus 70 bis 80 Ländern an: Händler, Sammler, Journalisten und Liebhaber, die in Seminaren, Plantagenbesuchen und Galadinners die Marke »Habano« feiern. Höhepunkt ist traditionell eine Auktion von Zigarren und kunstvollen Humidoren. Allein 2025 brachte sie nach offiziellen Angaben rund 18 Millionen Euro ein – Geld, das normalerweise direkt dem staatlichen Gesundheitssystem zugutekommt. Dass diese Einnahmequelle nun wegbricht, trifft das Land in einem Moment äußerster Verwundbarkeit.

Die von der US‑Regierung bewusst herbeigeführte Krise hat längst die Krankenhäuser erreicht. Kubanische Medien berichten von dramatischen Folgen der Treibstoffknappheit. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums sind mehr als 32.880 Schwangere zusätzlichen Risiken ausgesetzt, weil Transport, Diagnostik und Versorgung eingeschränkt sind. Ultraschalluntersuchungen zur Überwachung der fetalen Entwicklung, Gentests zur Früherkennung von Fehlbildungen und die Mobilisierung spezialisierter Ärzteteams werden zunehmend erschwert. Gleichzeitig geraten Impfprogramme unter Druck. Betroffen sind auch mehr als 61.830 Kinder unter einem Jahr, die in dieser sensiblen Phase auf regelmäßige medizinische Betreuung angewiesen sind.

Besonders hart trifft die Energiekrise chronisch Kranke. Die Tageszeitung Granma beschreibt die Lage der Onkologie als kritisch: »Krebs kennt keine Blockade, aber die Krebsbehandlungen schon.« In Kuba werden täglich 140 bis 150 neue Krebsfälle diagnostiziert – über 50.000 pro Jahr. Doch fehlende Medikamente, nicht reparierbare Geräte und Stromausfälle zwingen Ärzte dazu, Therapien umzustellen und auf weniger wirksame Methoden zurückzugreifen. Selbst einfache Voraussetzungen wie der Betrieb eines Sauerstoffgeräts scheitern vielerorts am fehlenden Strom.

Während die Organisatoren des Habanos‑Festivals auf bessere Bedingungen hoffen, wächst auf der Insel die Sorge, dass die Krise sich weiter in den Alltag frisst. Das Festival ist nicht nur ein Symbol kubanischer Tradition und Handwerkskunst, sondern auch ein wichtiger Devisenbringer. Seine Verschiebung zeigt, dass die Blockade am Ende vor allem jene trifft, die am wenigsten ausweichen können.

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