Dem hippokratischen Eid verpflichtet
Von Volker Hermsdorf
Bei einer Reise nach Kuba lernte der Bochumer Internist vor mehr als 30 Jahren die außergewöhnliche Leistungsfähigkeit des kubanischen Gesundheitssystems kennen – eines der zentralen Projekte der Revolution. Klaus Piel war beeindruckt von den Ärztinnen und Ärzten, die 1986 mehr als 26.000 Strahlenopfer des Reaktorunfalls von Tschernobyl behandelten und weltweit unzählige Menschen retteten, ob in Haiti nach dem Choleraausbruch, in Westafrika während der Ebola-Epidemie oder in Italien während der Coronapandemie. Piel erlebte auch, wie seine kubanischen Kollegen unter den Folgen der seit Jahrzehnten von den USA verhängten Blockade litten, die es ihnen immer schwerer machte, ihre Patienten im eigenen Land zu versorgen.
Als die kleine Tochter kubanischer Freunde an einer Lungenentzündung starb, weil keine Medikamente mehr aufzutreiben waren, wurde dies zum Auslöser für sein späteres Engagement. »Das war der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte«, erinnerten sich Freunde. Der Mediziner, der seit 1981 eine eigene Praxis in Bochum führte, handelte im Sinne des hippokratischen Eids, der dazu verpflichtet, sich »zum Nutzen der Kranken« einzusetzen und »willkürlichem Unrecht« entgegenzutreten. 1996 gründete er gemeinsam mit anderen Ärzten und Bürgern aus dem Ruhrgebiet die »Humanitäre Cuba Hilfe« (HCH), um die medizinische Versorgung auf der Insel zu unterstützen.
Aus anfänglicher Betroffenheit entstand ein lebenslanges, unermüdliches Werk praktischer Solidarität. Klaus Piel nutzte jede Gelegenheit, innerhalb und außerhalb Deutschlands für die gemeinsame Sache zu wirken, und engagierte sich auch im Vorstand der europäischen Hilfsorganisation »Medi-Cuba Europa«. Unter seiner Leitung verschickte die HCH im Laufe der Jahre mehr als 100 große Überseecontainer mit Medikamenten und medizinischem Gerät – von Betten, Röntgen- und Dialysegeräten bis hin zu kompletten Krankenhausküchen. Zuletzt trieb Piel im Jahr 2024 die Aktion »Herzschrittmacher für Kuba« voran, die es ermöglichte, über 200 Menschen mit den lebenswichtigen Implantaten zu versorgen.
Doch sein Engagement reichte über die materielle Unterstützung hinaus. Als Vorstandsmitglied des »Netzwerks Cuba« setzte er sich unermüdlich gegen die völkerrechtswidrige US-Blockade ein. In Artikeln, Rundbriefen und Vorträgen informierte er über das kubanische Gesundheitswesen, das er für seine menschenorientierte, präventive Ausrichtung und die Professionalität und Hingabe seiner Ärzte schätzte. Zugleich kämpfte er gegen die Kommerzialisierung der Medizin und den »Raubtierkapitalismus«. Die Anerkennung, die er für seinen Einsatz erfuhr, war erheblich: Zu den Gratulanten an seinem 70. Geburtstag, den er 2019 auf der Internationalen Rosa-Luxemburg-Konferenz in Berlin feierte, gehörte unter anderem Kubas ehemaliger Kulturminister Abel Prieto. Anlässlich seines 75. Geburtstags wurde er am 12. Januar 2024 im Auftrag des kubanischen Präsidenten Miguel Díaz-Canel mit der »Medalla de la Amistad« geehrt.
Am 22. November ist der Arzt, Aktivist und Humanist Klaus Piel nach langer Krankheit im Alter von 76 Jahren gestorben. Die europäische Solidaritätsbewegung trauert um einen Menschen, dessen Engagement sie über Jahrzehnte prägte. Auch in Kuba löste die Nachricht tiefe Anteilnahme aus. Fernando González Llort, der Vorsitzende des Kubanischen Instituts für Völkerfreundschaft (ICAP), würdigte Piel in einem bewegenden Schreiben als »einen der Unverzichtbaren«. Sein Vermächtnis bleibt, dass die Unterstützung Kubas, für die er sein Leben lang kämpfte, in seinem Sinne weitergeführt wird.
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