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Dusan Deak

Abstand und Anatomie

Eine überparteiliche Gruppe von 16 Bundestagsabgeordneten, angeführt vom SPD-Gesundheitsexperten Karl Lauterbach, fordert ein Verbot bezahlter Sexarbeit. Statt dessen könnten Prostituierte zu Busfahrer*innen oder Soziologieprofessor*innen umgeschult werden, heißt es. Hintergrund: Sexarbeit ist mit den Coronavorschriften kaum vereinbar. Allein der geforderte Mindestabstand von 1,5 Meter ist aus rein anatomischen Gründen ungünstig. Nur einer geringen Anzahl von Männern gelingt es, aus dieser Distanz Sexarbeit zu verrichten. Ein Abstand von 14,52 Zentimetern würde der Anatomie eines Durchschnittsmannes eher entsprechen. Das allerdings könnte für die bayerische Biergartentischordnung Konsequenzen haben und dort zu unerwünschtem Gedränge bzw. Gewusel an Stammtischen führen.

Für »völlig sinnlos« hält der familienpolitische Sprecher der Unionsfraktion im Bundestag, Marcus Weinberg, den Vorstoß der strikten 16. Mit einem Verbot würde man »die Frauen in dunkle Keller und in die Illegalität drängen«, so der CDU-Politiker. Ähnliches befürchten auch die Gewerkschaften der Polizei und der Sexarbeiter*innen. Als eine Alternative ist ein erweiterter Mund-Nasen-Schutz im Gespräch, der den gesamten Körper umhüllen soll.

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Erschienen in der Ausgabe vom 28.05.2020, Seite 10, Feuilleton

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