Das Imperium schlägt zurück
Von Dusan Deak
Der Geduldsfaden ist gerissen, das Fass ist voll. Deutschland, die drittwichtigste Volkswirtschaft der Welt (wenn man China, Russland, Indien, Brasilien, Japan, Korea und Bangladesch nicht berücksichtigt) und der Exportweltmeister von 1968, schickt als Sofortmaßnahme 13 Soldaten nach Grönland auf eine Erkundungsmission. Die Zahl der Soldaten sollte in den nächsten zwei Jahren stufenweise auf 14 erhöht werden. Ihre Aufgabe ist es, die zwei Hundeschlitten zu finden, die Dänemark zur Abwehr der zu erwartenden russisch-chinesischen Invasion dort stationiert hat, und zu erkunden, ob sich Russe und Chinese dadurch abschrecken lassen. Damit wäre die Sicherheit der USA gewährleistet und der Amerikaner müsste Grönland nicht annektieren.
Denn Grönland gehört zu Dänemark, so wie die Falklandinseln zu Großbritannien gehören, und Deutsch-Südwestafrika zum Deutschen Reich. Es muss um jeden Preis verteidigt werden. Die territoriale Integrität und die Unverletzlichkeit seiner Grenzen sind für Europa so etwas wie der Heilige Gral. Das zeigen die Erfahrungen der Jugoslawien-Kriege 1991 bis 2001 und deren Folgen für die serbische Provinz Kosovo.
Falls also der Amerikaner Grönland annektiert – unter dem Vorwand das Land vor Zugriff der Russen und Chinesen zu schützen –, wäre die rote Linie überschritten. Die europäischen NATO-Länder sähen sich gezwungen, den »Beistandsparagraphen 5« zu aktivieren, also zum Schutze Dänemarks den USA den Krieg zu erklären. Dann müsste Deutschland reagieren und seine Hundeerkundungsmission außerplanmäßig auf mindestens 15 Mann/Frau aufstocken.
Der wahre Grund für das Interesse der USA an Grönland liegt allerdings tiefer. Grönland ist der weltgrößte Produzent von tief unter der Erdoberfläche befindlichen »seltenen Eiswürfeln«. Die werden in Florida und der Karibik zur Herstellung von Longdrinks und Cocktails benötigt und sind als Folge von Klimaerwärmung und Polkappeneisschmelze kaum lieferbar. Eine letzte Schiffsladung »seltener Eiswürfel« wurde kürzlich vor der venezolanischen Küste von den USA illegal aufgebracht und konfisziert.
Kreative Vorschläge kommen von Politrentner Jürgen Trittin. Der Exminister für Umwelt, Windmühlen und Reaktorsicherheit plädiert für ein entschlossenes und robustes Auftreten Europas und zieht eine präventive Invasion Amerikas in Erwägung. Trump verstehe nur Stärke. Alternativ könnte die Bundesregierung ein Sondervermögen von mehreren Billionen Quadrillionen Euro auflegen und Präsident Donald Trump vorschlagen, die USA zu kaufen, mit der Option auf Ratenzahlung. Was ein Deal: Angesichts der steigenden Baugrundstückspreise und unbezahlbaren Mieten geradezu ein Schnäppchen.
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