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Wider das betreute Denken

Andreas Rebers präsentiert Franz J. Degenhardt
Gewohnt bissig gegen die eingeforderte Kriegstüchtigkeit: Andreas Rebers

Poesie ist das Gegenteil von Social Media: So formuliert es der Musiker und Kabarettist Andreas Rebers auf der Bühne. Er und die beiden Gitarristen André Matov und Samuel Halscheidt würdigen den »Poeten« Franz Josef Degenhardt im Programm »Rumpelkinder – Schmuddelstilzchen«. Und Rebers ist es ernst. Was, wenn der Kapitalismus mit dem Digitalismus die ultimative Waffe kreiert hat, die den Endsieg des Materialismus über den Humanismus besiegeln könnte? Aber: Wir stellen Fragen und lassen uns nicht mit betreutem Denken abspeisen.

Zwischen den Darbietungen der Texte Degenhardts teilt Rebers auch gewohnt bissig gegen die eingeforderte Kriegstüchtigkeit aus: Mit wem wollten die Herrschenden denn das erreichen? Mit »wohlstandsverwöhnten Kindern, die Jahrzehnte in handgeschnitzten Kinderwägen« verbracht haben? »Bei uns« dagegen »saß der Nationalsozialismus noch mit am Tisch« und mit Künstlern wie Degenhardt konnte man damals erkennen, »Moment, man kann diese Dinge überstehen«. Vom »großen Väterchen Franz« erklingt unter anderem »Das Lied vom Vorstadtfeierabend«.

Die »denkwürdigen Zeiten«, in denen wir leben, charakterisiert Rebers so: »Lügner nennen Lügner Lügner, Antisemiten beklagen Judenhass und jeder bedient das, was seinem Portofolio nützt. Der Egoismus ist nur eine Tugend des Kapitalismus. Was zurückgekommen ist, ist der Krieg.« Das einzige, was sich zum entsprechenden Titel »Ein schönes Lied« aus dem Jahr 1963 geändert habe, »sind die Fluchtrouten«. (jW)

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