Rollback stoppen
Hoch die Internationale Solidarität! Die Rosa-Luxemburg-Konferenz ist das Jahresauftakttreffen der politischen Linken in Deutschland. Im Januar 2027 steht die Verteidigung Kubas gegen die Aggression der USA im Mittelpunkt
Wenn sich am 9. Januar in den Berliner Wilhelm-Studios die Türen der 32. Internationalen Rosa-Luxemburg-Konferenz öffnen, werden sich wieder Tausende Linke aus Ost und West, Nord und Süd, aus dem Inland und Ausland beim Jahresauftakttreffen der politischen Linken versammeln. Hinzu kommen Zehntausende, die die Konferenz weltweit über den Livestream verfolgen werden, der in den Sprachen Deutsch, Englisch und Spanisch verfügbar sein wird.
Unter dem Titel »Kein Krieg gegen Kuba! Die Revolution verteidigen. Imperialistisches Rollback stoppen – in Kuba, Lateinamerika und weltweit« soll der Blick auf Lateinamerika und Kuba im Speziellen geschärft werden. Natürlich werden auch aktuelle Entwicklungen im Inland eine wichtige Rolle spielen.
Internationale Stimmen
Mit seinem Eingangsreferat wird der türkischstämmige Journalist Yusuf Karadaş die Verbindungen aufzeigen, die zwischen den akuten Konflikten und Kriegen von Kuba und Lateinamerika bis Iran beziehungsweise dem Nahen Osten insgesamt bestehen.
Manolo de los Santos, Gründer und Direktor des People’s Forum in New York, wird über die US-Strategie in Lateinamerika gestern und heute sprechen, aber auch über den Protest in den USA gegen diese Politik. Das People’s Forum ist ein wichtiges Zentrum im Widerstand gegen die imperialistischen Manöver der USA im Nahen Osten und gegen Kuba.
Frei Betto, Befreiungstheologe, erläutert die Bedeutung der progressiven und sozialen Auslegung des Christentums für den Kampf gegen Ungleichheit und Repression in Lateinamerika. Im Widerstand gegen die brasilianische Militärdiktatur (1964–1985) aktiv, war Betto mehrere Jahre inhaftiert. Der enge Begleiter Fidel Castros veröffentlichte in den achtziger Jahren das Standardwerk »Nachtgespräche mit Fidel«, in dem er mit dem kubanischen Revolutionär über Kuba, Sozialismus, Christentum und die Theologie der Befreiung sprach.
Gerade die Proteste gegen die US-Blockade gegen Kuba im September vor dem Brandenburger Tor haben gezeigt, wie schwierig es ist, junge Menschen für dieses Thema zu gewinnen. Dabei ist ein direkter Angriff der USA auf Kuba alles andere als ausgeschlossen – mit verheerenden Folgen für die dort lebenden Menschen. Vor diesem Hintergrund permanenter Bedrohung erläutert die kubanische Philosophin und Journalistin Marxlenin Pérez Valdés in ihrem Vortrag die Dringlichkeit der internationalen Solidarität und erklärt, warum die kubanische Revolution verteidigt werden muss.
Erstmals seit 2002 hat die Bundesregierung Ende Oktober in der UN-Generalversammlung nicht für die Verurteilung der US-Blockade gegen Kuba votiert, sondern sich der Stimme enthalten. Die meisten europäischen Staaten hingegen haben sich dem Votum zur Verurteilung angeschlossen. Bereits 1996 hatte die EU mit der sogenannten Blocking-Verordnung auf die extraterritoriale Wirkung von US-Sanktionen reagiert, um europäische Firmen vor den Folgen der US-Blockade zu schützen. Allerdings wurde diese Verordnung nie umgesetzt. Immer wieder werden europäische Unternehmen von den USA mit Strafen überzogen, wenn sie mit Kuba Handel treiben. Das hat zur Folge, dass zum Beispiel notwendiges medizinisches Gerät oder Ersatzteile nicht nach Kuba geliefert werden. Der Schweizer Arzt und Vorsitzende von Medicuba Europa, Franco Cavalli, wird in seinem Referat über die Komplizenschaft der europäischen Staaten sprechen.
Traditionell sprechen die Teilnehmer der abschließenden Podiumsdiskussion über Angelegenheiten, die für die Linke in Deutschland relevant sind. Unter dem Titel »Rechtsum: Autoritäre Formierung und Hochrüstung. Wo bleibt der Widerstand?« diskutieren die SDAJ-Vorsitzende Andrea Hornung, der von der EU sanktionierte Journalist Hüseyin Doğru, die Linke-Abgeordnete im EU-Parlament Özlem Alev Demirel und der Gewerkschafter Jörn Rieken vom Berliner Bezirksvorstand der IG BAU mit jW-Chefredakteur Nick Brauns.
Und auch die Jugend diskutiert. Nachdem in den vergangenen Jahren bereits ein deutlich jüngeres Publikum die Konferenz besucht hatte, wurde entschieden, das alljährliche Jugendpodium in das Hauptprogramm zu integrieren. Auf der kommenden Konferenz widmen sich Vertreter von SDAJ, DIDF-Jugend und anderen Jugendverbänden dem Thema »Reform oder Revolution? Jugend im Kampf gegen Krieg und Krise«.
Rap und Rezital
Da die Rosa-Luxemburg-Konferenz als sehr spezielle Ausgabe der jungen Welt gesehen werden kann, braucht sie natürlich einen Kulturteil, denn die politische Kunst darf auf die Bühne nicht fehlen. Den Auftakt macht der Berliner Politchor Morgenrot, der neben Arbeiter- und Friedensliedern auch Lieder der internationalen Befreiungskämpfe interpretieren wird.
Im Jahr 1970 fand im Rahmen der Berliner Festspiele die Uraufführung des Rezitals »El Cimarrón« des deutschen Komponisten Hans Werner Henze statt. Es entstand in den Jahren 1969 bis 1970, als Henze in Kuba lebte und auf die Geschichte des geflohenen Sklaven Esteban Montejo stieß. Dessen Biographie hatte der kubanische Schriftsteller, Ethnologe Miguel Barnet aufgeschrieben. Zum 80. Geburtstag dieser Zeitung, der 2027 begangen wird, interpretiert der Komponist und Jazz-Musiker Hannes Zerbe das Stück neu. Auf der Rosa-Luxemburg-Konferenz stellt er gemeinsam mit Musikern den aktuellen Stand der Bearbeitung als Werkstattbericht vor. Dieser kulturelle Höhepunkt der Konferenz wird ergänzt durch die Anwesenheit von Miguel Barnet, der im Rahmen des Kulturpodiums Fragen der M&R-Chefredakteurin Susann Witt-Stahl beantworten wird.
Im April 2026 veröffentlichte die Berliner Rapperin Siba einen Auszug aus ihrem zwei Jahre zuvor geschriebenen Song »Dounana«. Innerhalb kurzer Zeit erreichte der Post über eine halbe Million Likes und Millionen Aufrufe auf Instagram. Sie rappt aus der Perspektive des globalen Südens. Sie tritt gemeinsam mit Monkyman auf der Konferenz auf. Aber auch der Frankfurter Rapper Dahabflex kommt zur Konferenz. Sein Auftritt während des Wahlkampfs der Neuköllner Linken gab den Anlass für das politische wie mediale Kesseltreiben gegen die Berliner Linkspartei und die palästinasolidarische Bewegung. Zuletzt sei erwähnt, dass das Künstlerkollektiv Rotes Atelier erneut eine Ausstellung mit 100 Plakaten präsentieren wird, die im Rahmen des Wettbewerbs »Das politische Plakat« eingereicht wurden.
Geld her!
Die Rosa-Luxemburg-Konferenz ist eine bedeutende Veranstaltung, die allerdings Jahr für Jahr sehr kostspielig ist. Allein durch Ticketverkäufe, Standgebühren und Unterstützerbeiträge ist die Konferenz nicht zu finanzieren. Um das Defizit möglichst unter 80.000 Euro zu halten, sind Spenden unerlässlich. Neben den RLK-Ermöglicherspenden in Höhe von 100, 200 oder 500 Euro über den jW-Onlineshop sind auch direkte Überweisungen und Spenden über Paypal möglich. Weitere Informationen finden Sie in dieser Ausgabe auf Seite 16.
In den kommenden Wochen werden weitere Informationen zum Programm folgen. Kommen Sie zur Konferenz, kaufen Sie Tickets, spenden Sie.
→Die 32. Rosa-Luxemburg-Konferenz findet am 9. Januar 2027 erneut in den Wilhelm-Studios, 13407 Berlin, statt
→Tickets erhalten Sie unter jungewelt.de/rlk
→Die 32. Rosa-Luxemburg-Konferenz finanziell unterstützen? Spendenmöglichkeiten finden sich unter jungewelt.de/rlk-spenden
→ Aktionspakete zur Bewerbung der RLK lassen sich bestellen unter: jungewelt.de/rlk-aktionspaket
→ Das Aktionsbüro freut sich auf helfende Hände und interessierte Aussteller: 030 53 63 55 10 oder aktionsbuero@jungewelt.de
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Das Verwaltungsgericht Berlin hat im Juli 2024 in der ersten Instanz entschieden und die Klage des Verlags 8. Mai abgewiesen. Die Bundesregierung darf die Tageszeitung junge Welt in ihren jährlichen Verfassungsschutzberichten erwähnen und beobachten. Nun muss eine höhere Instanz entscheiden. Seit vielen Monaten warten Verlag und Redaktion inzwischen auf eine Entscheidung des Gerichtes, ob eine Berufung möglich oder gleich ein Gang vor das oberste Gericht nötig ist.
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