Zum Inhalt der Seite

Aus Leserbriefen an die Redaktion

Foto: ZUMA Press/imago/Montage jW

Causa BSW I

→ Zu jW vom 12.10.: »Brücke in den Abgrund«

Auch ich sehe dieses Zusammentreffen bei Compact sehr kritisch. Aber was ich auch kritisch sehe, ist, dass »meine junge Welt« in das Getöse einstimmt, was sich da im Mainstreamblätterwald breitmacht. Ich hätte mir gewünscht, dass ihr aus der Redaktion als erstes mit Claudia Wittig und den anderen in Magdeburg das Gespräch sucht, um Erklärungen für das »Warum« zu finden. Es wurde nie in Abrede gestellt, dass die AfD unser politischer Gegner ist, wir zu keiner Koalition mit ihr bereit sind – aber in Sachfragen wird zusammengearbeitet – mit allen Parteien, die dazu willens sind. Und den Friedensantrag, der am kommenden Mittwoch im Magdeburger Landtag besprochen oder besser verhandelt werden soll, so abzuqualifizieren, ist falsch.

Es wird am Mittwoch das erste Mal in einem deutschen Landtag passieren, dass ein Antrag, so eng er auch gefasst ist, zum Thema Frieden zur Abstimmung steht. Frieden ist das, was die allermeisten Ostdeutschen wollen. Weil sie begriffen haben, dass der Kriegskurs von Merz und Co. nicht nur dieses Land, sondern auch sie persönlich in den Abgrund führt. Und dieser Antrag ist eindeutig BSW-Handschrift, da braucht es keine AfD – außer für die Mehrheit. Damit soll erreicht werden, dass es im Bundesrat eine Initiative aus Sachsen-Anhalt gibt, die die Waffen- und Geldgeschenke an Kiew beendet, die sich dafür einsetzt, dass wir endlich wieder bezahlbare Energie von dort beziehen, wo es ökonomisch am sinnvollsten ist.

Dass die PDL schäumt, dass wir einen AfD‑Landtagspräsidenten mitgewählt haben – geschenkt. Was dieser Partei abgeht, ist die selbstkritische Betrachtung ihres Kurses bei der Zustimmung zu den Kriegskrediten im Februar 2025 durch ihre Regierungsbeteiligungen in MV und Bremen im Bundesrat und bei der beschleunigten Wahl des Kriegskanzlers Merz im Mai darauf. Bitte, liebe junge Welt – springt von diesem Zug wieder ab. Kritik ist gut und wichtig, aber hört bitte auch die Kritisierten.

Andreas Eichner (Kreisvorsitzender des BSW Landkreis Dahme-Spreewald), Schönefeld

Causa BSW II

→ Zu jW vom 12.10.: »Brücke in den Abgrund«

Das BSW hat sich nun vollständig selbst entlarvt. Gut so. Die Friedensbewegung sollte erkennen, dass eine Partei, die mit der AfD kooperiert, kein Bündnispartner gegen die deutsche Kriegstüchtigkeit ist.

Marion Fink, per E-Mail

Causa BSW III

Anzeige

→ Zu jW vom 12.10.: »Brücke in den Abgrund«

(…) Ob man über das BSW noch groß diskutieren muss, bezweifle ich – es hat sich inzwischen völlig demontiert. Dass es sich nur um »Polit-Amateure« handelt, die sich von der AfD durch den Ring ziehen lassen, verharmlost meiner Ansicht nach ihr Verhalten. Ich fürchte, das BSW hat sich nun tatsächlich als das herausgestellt, was Nick Brauns als Brücke zur AfD bezeichnet. Dass die AfD faschistisch ist, kann man diskutieren, meiner Ansicht nach ist sie es nicht; dass sie einen einflussreichen faschistischen Flügel hat ist wohl unstrittig – und mit einer solchen Partei verbietet sich jede Zusammenarbeit.

Norbert Heckl, Stuttgart

KI und Frieden

→ Zu jW vom 2.10.: »Um keinen Preis Frieden«

Auf makellos weißem Grund die scharfen Konturen der NATO-Kompassrose. Aus ihrer Mitte steigt eine Friedenstaube mit ausgebreiteten Flügeln, den Olivenzweig im Schnabel. Rechts unter ihr das rote Westfalenross, die Vorderhufe erhoben. Um die Szene winden sich olivgrüne Zweige zum Ehrenkranz. Darunter steht: »Westfälischer Friedenspreis«.

Ja, dieses Bild hat eine KI generiert. Weil sie dazu aufgefordert wurde: »Stelle den Westfälischen Friedenspreis für die NATO dar.« Ihre Muster stammen aus Bildern unserer Zeit. So entstand eine Allegorie aus vertrauten Symbolen. Welche Geschichte verbirgt sich dahinter? Welche Absicht?

Nein, die KI weiß nicht, was sie damit getan hat. Nein, sie weiß auch nicht, welchen Kommunikationsstrategien ihr Bild dienen könnte. Nein, die KI – ohne Verstand und Vernunft – versteht die Botschaft nicht.

Joachim Fröhlich, per E-Mail

Jauchzet, frohlocket

Die NATO erhält den »Westfälischen Friedenspreis«, Peter Thiel erhält den Springer-Hauspreis, und die EU hat bereits vor 14 Jahren den Friedensnobelpreis erhalten. Das entspricht der Logik der internationalen Machteliten, und die Mehrheit (circa 43 Prozent) der Befragten von Civey finden das sehr gut bis gut. Die Beschreibung Gramscis, dass die Zeiten des Übergangs der alten kapitalistischen Weltordnung von Monstern beherrscht werden, wird ergänzt durch die Tendenz, dass nunmehr auch Kriegsbündnisse und Staatengemeinschaften, die alles andere als das Wohlergehen ihrer Bevölkerungen fördern, mit Lob bedacht werden.

Das alles interessiert die große Masse der Menschen wenig bis überhaupt nicht. Sollte sich im Ansatz aber doch etwas durchaus Vernünftiges wie die Forderung der Berliner Wählerinnen und Wähler nach Vergesellschaftung von Wohnraum ergeben, geraten sämtliche Gegner dieser Forderung in Panik. Zumeist selber in eigenen Behausungen lebend, ist ihnen völlig entgangen, dass die meisten Menschen in den städtischen Großräumen dringend auf bezahlbare Mieten angewiesen sind. Schlimm genug, dass Grund und Boden sowie Wohnraum zur Ware verkommen und damit der Spekulation und Profitmacherei Tür und Tor geöffnet sind. Bekanntlich sollte die Sozialverpflichtung des GG in Sachen Nutzung des Eigentums einem möglichen Missbrauch einen Riegel vorschieben. Wie auch bei anderen Grundrechten hat die Verfassungswirklichkeit längst ihre ursprüngliche Form verloren.

(…) »Eine Art Volkswahl abzuhalten, in der Repräsentanten bestimmt werden, ist relativ einfach. Aber einen Staat aufzubauen, der seinen Bürgern das gewährleistet, was sie wollen – nämlich Sicherheit, Infrastruktur, Gesundheit und Bildung, alles ohne größere Korruption –, ist weit schwieriger.« (F. Fukuyama, T-online, 09.10.26) Sollte Fukuyama da bei Brecht fündig geworden sein? Das Einfache, das schwer zu machen ist!

Manfred Pohlmann, per E-Mail

Die NATO erhält den »Westfälischen Friedenspreis«, Peter Thiel erhält den Springer-Hauspreis, und die EU hat bereits vor 14 Jahren den Friedensnobelpreis erhalten. Das entspricht der Logik der internationalen Machteliten.

→ Sie können uns auch mit einer Spende unterstützen
Erschienen in der Ausgabe vom 19.10.2026, Seite 14, Leserbriefe

Wie hat Ihnen dieser Artikel gefallen?

→ Teilen und weiterempfehlen
Pressefreiheit schützen, Solidarität jetzt!

Das Verwaltungsgericht Berlin hat im Juli 2024 in der ersten Instanz entschieden und die Klage des Verlags 8. Mai abgewiesen. Die Bundesregierung darf die Tageszeitung junge Welt in ihren jährlichen Verfassungsschutzberichten erwähnen und beobachten. Nun muss eine höhere Instanz entscheiden. Seit vielen Monaten warten Verlag und Redaktion inzwischen auf eine Entscheidung des Gerichtes, ob eine Berufung möglich oder gleich ein Gang vor das oberste Gericht nötig ist.

In unseren Augen ist das Urteil eine Einschränkung der Meinungs- und Pressefreiheit in der Bundesrepublik. Aber auch umgekehrt wird Bürgerinnen und Bürgern erschwert, sich aus verschiedenen Quellen frei zu informieren.

Genau das aber ist unser Ziel: Aufklärung mit gut gemachtem Journalismus. Sie können das unterstützen. Darum: junge Welt abonnieren für die Pressefreiheit!