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Möchtegern-de-Gaulle

Foto: Eva Marie Uzcategui/REUTERS
Maulheld erweist sich als Feigling und wird von Washington in Sicherheit gebracht. Wer will ihm das Heldenpathos noch abnehmen? (Miami, 28.10.2026)

Sicher, dieser Vergleich hätte eigentlich jedem einfallen müssen, so nahe-, ja nächstliegend wie er ist: Flávio Bolsonaro ist wie Charles de Gaulle. Wem ist er letztlich eingefallen? Richtig: Flávio Bolsonaro. Der ist schließlich am nächsten dran, der muss es wissen. Nach seinem erfolgreichen Transit unter Lebensgefahr sagte er aus dem Exil in Florida unter Anspielung auf den General und späteren Staatschef der Franzosen: »Ich bin nicht der Erste, der fern von seiner Heimat für sein Land kämpfen muss.« Und so kämpft – wie einst de Gaulle – der Flávio als »Anführer« Brasiliens gegen die Faschisten in Brasília. Doch halt: Sind nicht er und sein Clan die Faschisten? Die Presse hat mal wieder eine Meinung.

Dass er das Land verlassen hat, steht ihm nicht gut zu Gesicht, findet die Washington Post. Er möge doch bitte sehr die letzten Anstandsregeln der zerbröselnden bürgerlich-parlamentarischen Ordnung beachten: »Er sollte sich darauf vorbereiten, die Opposition anzuführen, anstatt sich in Südflorida niederzulassen. Eine gesunde Demokratie braucht Verlierer, die ihre Niederlage akzeptieren, sowie ein Justizsystem, in dem sie dies gefahrlos tun können.« So aber, schreibt La Vanguardia aus Barcelona, nämlich »mit dieser Ohrfeige für seine Wähler und sein Land legitimiert der rechte Kandidat Lulas Wahlsieg noch mehr«.

Die Süddeutsche Zeitung hat ein paar – vermutlich zutreffende – Einschätzungen zu Bolsonaros Verhalten parat: »schamlos gelogen« hat er, als er vor seiner Flucht angekündigt hatte, »er werde selbstverständlich in Brasilien bleiben« – das sei eines Präsidentschaftskandidaten »unwürdig«; und er kennt auch »keine Skrupel«, die »Demokratie zum eigenen Vorteil auszuhöhlen«. Schlimm, schlimm, aber er ist er damit als Aspirant auf höchste Staatsämter nicht ein Kind seiner Zeit? Die Beweggründe für den Niedergang wird man in der Zeitung aus München nicht finden, denn man versteht sie dort nicht.

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Die Welt jedenfalls konstatiert eine »Implosion des Bolsonaro-Imperiums« und lediglich die ehemalige First Lady Michelle Bolsonaro, vor drei Wochen in den Senat gewählt, werde »nun versuchen, den kompletten Absturz der Familie zu verhindern«.

Die sitzt inzwischen zu erheblichen Teilen im sumpfigen Florida, was die FAZ ein wenig über Demokratie nachdenken lässt: »Es ist schon merkwürdig, wie eilfertig manche rechte Politiker ausländischen Gesinnungsgenossen Zuflucht gewähren, wenn die von der heimischen Justiz gesucht werden.« Für »Leute dieses Schlags scheint Demokratie nur dann zu gelten, wenn Wahlen in ihrem Sinne ausgehen, und Recht und Ordnung nur dann, wenn die Gesetzeshüter nicht gegen ihre Freunde ermitteln«. Politik gegen die Armen machen, das ist schon in Ordnung, aber bitte an die Spielregeln halten. (brat)

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Erschienen in der Ausgabe vom 30.10.2026, Seite 2, Ansichten

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