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Indigene Kämpfe in Honduras

»Die Angriffe auf uns häufen sich«

Honduras: Anführer der Garífuna werden entführt und ermordet. Die Justiz verfolgt Aktivisten. Ein Gespräch mit Mabel Robledo

Foto: Gustavo Amador/Agencia EFE/imago
Protestmarsch der Organización Fraternal Negra Hondureña zum Sitz des staatlichen Chefanklägers, dem Ministerio Publico de Honduras (Tegucigalpa, 20.7.2021)

Mit der Organización Fraternal Negra Hondureña, kurz OFRANEH, stellen Sie sich gegen die Vertreibung indigener Gemeinden in Honduras und damit auch gegen den Tourismus. Weshalb stellt dieser ein so großes Problem dar?

Das Problem ist der profitorientierte Massentourismus. Im Zuge dessen werden riesige Hotelanlagen auf unseren Territorien errichtet. Dadurch werden viele Gemeinden vertrieben. Wir versuchen jedoch, einen nachhaltigen Tourismus zu fördern, von dem wir tatsächlich wirtschaftlich profitieren können. Ein großes Problem bleibt aber die Gewalt derjenigen, die sich als neue Besitzer unserer Territorien betrachten.

Welche Formen nimmt diese Gewalt an?

Die Angriffe auf unsere Gemeinden häufen sich. Zu den bekannteren Fällen zählen die Ermordung des Garífuna-Anführers Antonio Bernardez in Punta Piedra 2020 sowie die Entführung von fünf Aktivisten in Triunfo de la Cruz im selben Jahr. Sie sind bis heute verschwunden. Zusätzlich investieren große Unternehmen viel Geld in Onlinekampagnen, die den Rassismus gegen uns befeuern. Durch eine stärkere Spaltung zwischen den Garífuna und der übrigen Bevölkerung erwarten sie weniger Gegenwehr. Wir sind mittlerweile dazu übergegangen, einen Völkermord gegen uns anzuklagen.

Der Interamerikanische Gerichtshof für Menschenrechte hat zwar mehrfach Urteile zu unseren Gunsten gefällt. Allerdings zeigt der honduranische Staat wenig Interesse daran, konkrete Maßnahmen umzusetzen. Die Behörden ermitteln lieber gegen Garífuna, die versuchen, ihren juristischen Anspruch auf ihre Territorien geltend zu machen. Ganz aktuell stehen fünf OFRANEH‑Aktivisten wegen angeblich illegaler Aneignung von Land vor Gericht.

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Direkte Angriffe haben sich auch gegen Sie persönlich gerichtet.

Ich wurde mehrfach angeschossen und verhaftet. 2025 hatten wir eine Autopanne, und plötzlich hielt ein Wagen neben uns an. Mehrere Männer sprangen heraus und schossen zweimal auf uns. Erst anschließend gaben sie sich als Polizisten zu erkennen. Obwohl ich ihnen erklärte, dass ich eine legal geführte Waffe bei mir trug und eine schusssichere Weste anhatte, nahmen sie mich fest. Sie behaupteten, ich hätte keine Genehmigung für die Waffe. Sie schlugen mich mit ihren Gewehren und brachten mich zu einer Polizeistation. Dort wurden weder meine Personalien aufgenommen noch wurde ein Bericht über den Vorfall verfasst. Ich habe nie eine Begründung für die Festnahme erhalten.

Welche Bedeutung haben die autonomen Garífuna-Gemeinden in der Republik Honduras?

Unsere Gemeinden existieren länger als der honduranische Staat. Ihre Existenz beruht auf Vereinbarungen aus der Zeit des spanischen Kolonialismus. In den Gemeinden können wir unserer Verbundenheit mit der Natur und unserer Spiritualität nachgehen. Beides ist ein wesentlicher Bestandteil unseres Weltbildes als Garífuna. Die dazugehörigen Territorien verstehen wir als kollektiven Besitz. Wir bauen dort unsere Lebensmittel an und kümmern uns um unsere Tiere. Damit schaffen wir Lebensgrundlagen, die uns der Staat nicht zur Verfügung stellen kann. Neben Autonomie geht es also auch um Ernährungssouveränität. Die Situation ist derzeit zwar sehr angespannt, aber wir versuchen, den Gemeinden ein Leben in Ruhe und Sicherheit zu ermöglichen.

Wie weit reicht die Geschichte der Garífuna zurück?

Sie beginnt im Jahr 1635. Damals strandeten Menschen westafrikanischer Herkunft, die versklavt werden sollten, nach einem Schiffsunglück auf der Karibikinsel St. Vincent. Dort vermischten sie sich im Laufe der Zeit mit der indigenen Bevölkerung. Als die britischen Kolonialisten die Kontrolle über St. Vincent übernahmen, wurden die Garífuna im Jahr 1797 auf die Insel Roatán vor der honduranischen Küste deportiert. Von dort aus entstanden Gemeinden in Honduras, Belize, Guatemala und Nicaragua. Heute ist die Situation für uns sehr schwierig. Es gibt nur wenige Arbeitsplätze. Das liegt nicht daran, dass uns die Fähigkeiten fehlen, sondern am Rassismus, dem wir ausgesetzt sind. Deshalb arbeiten viele Männer und Frauen hauptsächlich in der Fischerei. Wir betreiben auch Landwirtschaft und verkaufen unsere Erzeugnisse. Viele Familien sind trotzdem auf Geld angewiesen, das ihre Angehörigen aus den USA schicken.

Honduras zählt zu den wichtigsten Palmölproduzenten Südamerikas. Was bedeutet das für die indigenen Gemeinden?

In den 1980er und 1990er Jahren verdrängte die industrielle Palmölproduktion unseren traditionellen Anbau von Kokospalmen. Dadurch wurden die Böden und Gewässer in unseren Territorien stark verschmutzt. Heute müssen wir in den Supermarkt gehen, um Kokosprodukte zu kaufen. Wir konnten einige juristische Erfolge erzielen, und einige Gemeinden haben ihre von den Unternehmen besetzten Ländereien zurückerhalten. Allerdings befinden sich die Böden dort meist in einem schlechten Zustand, so dass ein erneuter Kokosanbau nicht mehr möglich ist.

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Erschienen in der Ausgabe vom 17.10.2026, Seite 2, Ausland

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