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Wendejahre

»Sie hatten einen politischen Auftrag«

Über die Abwicklung der Hochschullehrer der Humboldt-Universität nach 1990, den Kampf um ein Pachtgrundstück in Prieros und andere »merkwürdige Begebenheiten« der Vor- und Nachwendezeit. Ein Gespräch mit Dieter Klein

Foto: Rolf Zöllner/IMAGO
Durfte nicht im Amt bleiben: Heinrich Fink bei einer Kundgebung gegen den US-Angriff auf den Irak (Berlin, 16.1.1991)

Sichern die Wirtschaftswissenschaften ein langes Leben?

Wie kommen Sie darauf?

Nun, Jürgen Kuczynski – Nestor der Wirtschaftswissenschaften der DDR genannt – wurde fast 93, Sie feiern in der kommenden Woche Ihren 95. Geburtstag.

Nach meiner Kenntnis ist noch unerkundet, ob und wenn ja welche unmittelbaren Beziehungen zwischen akademischer Profession und dem Alterungsprozess bestehen. Den Kopf zu bewegen, kann allerdings nicht schaden.

Sie gehörten zu den 16,4 Prozent der Hochschullehrer der Humboldt-Universität, die nach 1990 bleiben durften. 644 von 782 verloren ihre Anstellung. Ich komme darauf, weil vor einer Woche mal wieder das Hohelied auf die angeblich gelungene Vereinigung gesungen wurde.

Ich sage mal ganz sachlich: Unter den westdeutschen Professorinnen und Professoren, die damals vom Berliner Wissenschaftssenator berufen wurden, um im Rahmen des sogenannten Elitenwechsels die Evaluierung der Humboldt-Universität vorzunehmen, befanden sich auch etliche, die sich mit Ernst und Verantwortung um eine individuelle und faire Prüfung der zu Evaluierenden bemühten. Doch sie hatten einen politischen Auftrag: weitgehende Abwicklung einer Universität, die in vielen Disziplinen internationalen Ruf besaß.

Soll heißen?

Nicht wenige sahen sich als Retter des Lichtes der Wissenschaft vor östlicher Dunkelheit. Und löschten darum manches Licht, um die eigene Kerze aufzustellen.

Pardon, ich sage nur: Professor Wilhelm Krelle, berufen von eben jenem (West-)Berliner Wissenschaftssenator, um die Wirtschaftswissenschaften an der Humboldt-Universität »neu zu ordnen«. Der erklärte in seiner Antrittsrede: »Kein Marxist wird seinen Fuß über die Schwelle dieses Hauses setzen, solange ich hier das Sagen habe.« Und warf umgehend 90 Prozent der an Ihrer Fakultät Beschäftigten raus. Einer der 170 so Gemaßregelten, Professor Hans Schmidt, nahm sich durch einen Sprung aus dem 13. Stock seines Wohnhauses das Leben. Da hatte einer mehr als nur eine »eigene Kerze« aufgestellt.

Wohl wahr: Der später mit der Ehrendoktorwürde der HUB geehrte Krelle, das haben unsere Studenten wasserdicht recherchiert und einer meiner Kollegen hat es publiziert*, war im Stab eines SS-Armeekorps für die militärischen Nachrichtendienste und mit der Geheimen Feldpolizei für Mordaktionen bei der »Partisanenbekämpfung« zuständig. Aus der »Führer-Reserve« rückte er zum Stabsoffizier der 17. SS-Panzergrenadier-Division »Götz von Berlichingen« auf. Noch am 26. März 1945 lobte er in einem Tagesbefehl seinen Vorgänger. Er sei ein »glühender, fanatischer Vertreter der Idee unseres Führers und des Gedankens der SS« gewesen. Krelle beschwor und unterzeichnete als SS-Sturmbannführer: »Wir wollen in seinem Sinne weiterkämpfen und arbeiten und das vollenden, für das er starb: unser Großdeutsches, Großgermanisches Reich und unsere 17. Panzergrenadier-Division ›Götz von Berlichingen‹.«

Und solch ein Mann wurde also Neugründungsdekan der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät und entschied über die Integrität der ostdeutschen Ökonomen und damit über deren Schicksal. Bezeichnend die nachfolgenden Rechtfertigungs- und Rehabilitierungsversuche. Bei Wikipedia heißt es denunziatorisch, dass die Forderungen zur Aberkennung der Ehrendoktorwürde »vor allem von Medien des linken Spektrums« aufgegriffen worden seien. Das geht auch an Ihre Adresse: Sie hatten über den Fall Krelle, über den sechsfachen Ehrendoktor und Träger des Großen Bundesverdienstkreuzes, im ND geschrieben.

Stimmt. Die Diskussion machte sich damals an der Frage fest, ob Krelle nun in der SS gewesen sei oder nicht – dazu war extra eine Kommission an der Uni einberufen worden, die befand, »dass er mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht Mitglied der SS gewesen ist«, weshalb Krelle seine Ehrendoktorwürde behielt. Auch wenn Krelle eine Ausnahme war, von der sich andere wohltuend unterschieden: Sie alle hatten die gleiche Aufgabe – die Übernahme des Ostens durch den Westen. Angesichts dieses Umsturzes ringsum gründete ich mit Gleichgesinnten das »Institut für interdisziplinäre Zivilisationsforschung« an der HUB. Wir wollten die Transformation vom Staatssozialismus zur bürgerlich-kapitalistischen Gesellschaft untersuchen und über einen besseren, demokratischen Sozialismus nachdenken. Ich sage mal so: Wir wurden im Westen für interessant, aber keineswegs für tragbar gehalten. Unser wissenschaftlicher Ausbruch aus alten untauglichen Strukturen mündete in neue alte Strukturen, dafür war eben kein Platz. Auch im eigentlichen Sinne.

Sie konstatierten 1991 die Notwendigkeit einer »doppelten Modernisierung« im Osten wie im Westen Deutschlands. Beide Teile Deutschlands müssten sich zu einer »bisher nicht existierenden menschenwürdigen Gesellschaft entwickeln«.

Natürlich wussten wir, dass das reale Kräfteverhältnis dieser Vision entgegenstand, auch wenn das Licht der Hoffnung auf eine bessere Gesellschaft damals für einen verschwindend kurzen Augenblick aufflammte. Ich schrieb damals: »Es könnte das vielleicht gefährlichste Moment realsozialistischen Scheiterns sein, dass es den gesellschaftlichen Akteuren des Westens den Blick für die Veränderungsbedürftigkeit ihrer Ersten Welt verstellt, statt im Untergang der Zweiten Welt die Warnung vor zu spätem Umbruch der eigenen Zivilisation zu entdecken und alle Potenzen der Demokratie für notwendigen Wandel auszuschöpfen.« Mit dieser Diagnose behielt ich leider recht. Wir haben inzwischen Jahrzehnte für eine sozial-ökologische Transformation verloren, die Existenz der Menschheit war noch nie so bedroht wie gegenwärtig.

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In Ihrem aktuellen Buch** schildern Sie auch viele Begebenheiten aus Ihrem Leben, die nicht nur wegen der ironischen Erzählweise sehr unterhaltsam sind. Sie vermitteln auch viel über die Atmosphäre und den Zeitgeist. Es sind zeitgeschichtliche Zeugnisse. Oberflächlich vielleicht banal, aber dennoch sehr erhellend und grundsätzlich.

Woran denken Sie?

Beispielsweise an jenen SED-Parteitag, auf dem Sie von Müdigkeit übermannt wurden.

Ach so. Ich erwachte, als mein Sitznachbar mich anstieß und mir einen Zettel hinschob: »Bitte den Genossen Prorektor wecken! Der Genosse Erich Honecker spricht!« Am nächsten Tag wurde mir ein längerer Vortrag zuteil; diesmal die Ausführungen des 1. Sekretärs meiner SED-Kreisleitung. Ich hätte in schändlicher Weise alle Annahmen über die Arroganz von Intellektuellen der Universität bestätigt, tadelte er mich, ich hätte jeden Respekt vor dem Generalsekretär vermissen lassen und allen Grund, in mir nach den ideologischen Wurzeln meines Schlafes zu suchen und künftig größere Veranstaltungen im Wachzustand wahrzunehmen.

In Ihrer Zeit als Prorektor der HUB erfolgten, wie Sie berichten, etliche Ehrenpromotionen – es gab ja nicht nur die von Krelle, die erst in der neuen Zeit erfolgte. Ein Dr. h. c. hieß Ernesto Cardenal.

Ja, das war 1985. Der Direktor unserer Sektion Theologie, Professor Heinrich Fink, hatte vorgeschlagen, den Befreiungstheologen und Kulturminister des – damals – revolutionären Nicaragua auf diese Weise zu ehren. Der Kardinal in Berlin lehnte die Verleihung des Titels an Cardenal kategorisch ab. Der Papst hatte Cardenal mit Blick auf dessen befreiungstheologisches Wirken alle Befugnisse in der Ausübung seines Priesteramtes entzogen. Ihm nun als Theologen die Ehrendoktorwürde zu verleihen, war für den Heiligen Stuhl unannehmbar. Der Staatssekretär für Kirchenfragen, Klaus Gysi, wollte keinen Ärger mit der katholischen Kirche, aber er hatte große Sympathie für Cardenal. Wir fanden einen Kompromiss: Cardenal bekam den Titel eines Ehrendoktors nicht als Theologe, sondern als Dichter. Der Kardinal konnte seiner päpstlichen Obrigkeit mitteilen, dass eine Ehrenpromotion des seiner Amtsaufgaben enthobenen katholischen Priesters verhindert worden sei, und der Kirchenstaatssekretär wahrte die staatliche Neutralität, indem die Universität eine ehrenwerte Dichterpersönlichkeit ehrte. Dass Ernesto Cardenal seinen Vortrag in der Friedrichstadtkirche hielt, also doch nicht im weltlichen Ambiente, tat wiederum den Theologen gut.

Foto: privat 6-7 int.jpg
Dieter Klein

Heinrich Fink, Dekan der Theologischen Fakultät, überreichte Cardenal in der Kirche eine Grafik von Fritz Cremer, die für einigen Ärger sorgte.

Nicht bei uns. Cremer hatte das Oberhaupt der katholischen Kirche und den von ihm bestraften Priester gezeichnet. Dabei war Cardenal weitaus größer als der Papst, zudem beugte er sich vergebungsbereit über diesen. Ein schönes Blatt, aber nicht im Sinne der Kurie.

Professor Fink, Ihr Kollege, wurde im April 1990 mit 72 Prozent der Stimmen von Professoren, Studenten sowie wissenschaftlichen, administrativen und technischen Mitarbeitern unter vier Bewerbern demokratisch zum Rektor der HUB gewählt. Und bald begann die Kampagne.

Gauck, damals Chef der Stasi-Unterlagenbehörde und später Bundespräsident, behauptete im November 1991, Heiner Fink sei IM des MfS gewesen. Und das, obwohl die von Fink ein Dreivierteljahr zuvor selbst veranlasste Untersuchung keinerlei Hinweise auf eine solche Tätigkeit ergeben hatte. Noch am selben Tage wurde Fink fristlos vom Berliner Wissenschaftssenator der CDU entlassen.

Derselbe, der Krelle berufen hatte?

Ja. Fink klagte und bekam Recht: Seine Entlassung sei rechtswidrig, die HUB musste ihn wieder einstellen. In der nächsten Instanz wurde das Urteil revidiert, Fink legte daraufhin beim Bundesverfassungsgericht Beschwerde ein, Karlsruhe wies die Verfassungsbeschwerde ab. Als Parteiloser saß Heiner Fink von 1998 bis 2002 für die PDS im Bundestag, danach war er viele Jahre Vorsitzender der VVN-BdA.

Im zweiten Teil Ihrer Erinnerungen steigen Sie von der akademischen Ebene …

Ich finde es sympathisch, dass Sie nicht vom Elfenbeinturm sprechen.

Warum sollte ich? Ich habe bei der Lektüre Ihrer Memoiren nirgendwo den Eindruck gewonnen, dass Sie die Bodenhaftung verloren hätten. Apropos Boden: Sie kämpften, wie so viele Ostdeutsche auch, um Ihre Scholle in Prieros, die Sie gepachtet hatten. Dieses Kapitel gehört zu den »merkwürdigen Begebenheiten«, die Ihrem Buch den Titel gaben.

Natürlich. Aber ich will, bevor ich auf Prieros zu sprechen komme, noch zwei Anekdoten erwähnen, die mich auf den Titel brachten. Honecker besichtigte die Baustelle des Marx-Engels-Forums. Ludwig Engelhardt, der Schöpfer der beiden Figuren, sprach geraume Zeit mit dem Generalsekretär, und als dieser gegangen war, stürzten die am Gesamtkunstwerk beteiligten Kulturprofis auf den Bildhauer zu. »Und, was hat er gesagt?« Engelhardt darauf: »Das ist doch tragisch: Da müht man sich jahrelang, und dann spricht der Mann so leise, dass man nichts versteht.« »Aber du hast ihm doch geantwortet«, widersprach man ihm. »Schon. Obwohl ich seine Fragen nicht verstanden habe, war er mit meinen Antworten zufrieden.« Für mich, der ich dabeistand, war dies symptomatisch für die gestörte Kommunikation, für die Sprachlosigkeit zwischen Führung, der Intelligenzia und großen Teilen der Bevölkerung.

Hat sich daran etwas geändert?

Ich erinnere mich an eine Einladung zu Beginn des Jahres 1990 nach Hamburg. Allerlei Persönlichkeiten nahmen an diesem Abendessen in einer Villa an der Elbchaussee teil, das zu Ehren des Philosophen Hans Georg Gadamer ausgerichtet wurde. Die Geladenen wurden aufgefordert, jeweils in fünf Minuten ihre persönlichen Tragiken zu berichten und diese mit ihrer Weltsicht zu verknüpfen. Es war schon merkwürdig: Während im Osten Deutschlands Millionen tatsächlich in tragische Situationen gerieten und eine Weltordnung umstürzte, wurde von westlichen Eliten weltenfern philosophiert. Ihre Tragik bestand darin, dass sie vom Sturm der Geschichte völlig unberührt blieben. Welche »eigene Tragik« konnte mir da einfallen, die diese gehobene Gesellschaft erreicht hätte?

Prieros zum Beispiel. Aber das stand ja erst noch bevor.

Ja, wir hatten ein Stückchen Boden von der Gemeinde gepachtet, das einst einem Fabrikanten gehörte, der sich 1949 in den Westen verzogen hatte. Nach der »Wende« meldeten sich dessen Witwe und etliche Erbinnen und Erben im fernen England, die davon erfuhren, dass ihnen irgendwo in den östlichen Weiten unerwarteter Reichtum zugefallen sei. Wir hatten davon ein Stück unerschlossene Erde eingezäunt, wie es der Sitte entspricht, hatten ihm Wasser und Licht verliehen, ein kleines Haus gebaut, einen Wirbelsäulenbruch bei Reparaturarbeiten erlitten, Kind und Kindeskinder daselbst in den Jahrzehnten großgezogen und vernahmen nun dankbar vom Advokaten der Eigentümerwitwe, dass unsere Vertreibung nicht vorgesehen sei. Jedoch: Ein östlicher Großneffe der westlichen Witwe fand sich an und ließ sich von ihr etliche ihrer Grundstücke, darunter auch das von uns genutzte, übereignen. Damit er aber nicht auf nacktem Grunde dastünde, hatte er der Großtante empfohlen, ihm der Vollständigkeit halber auch unser Haus zu schenken. Es mag sein, dass er die Witwe in einen Konflikt zwischen verwandtschaftlichen Gefühlen und ihrem voreiligen Vertreibungsverzicht stürzte. Jedenfalls gab sie den Familienbanden den Vorzug und uns das Nachsehen. Die Nachrichten über die Begegnungen mit der Bürokratie in diesem und in anderen Zusammenhängen kann man aber in meinem Buch nachlesen.

Wie eben auch die Geschichte über »Kater Bernie und die Würde der Schildkröte«. Sie leiden, wie ich darin las, an einem »Nachwendesyndrom«.

Ja, es ist der Drang, unter Beweis zu stellen, dass es eine Fehlleistung war, jene an den Rand zu drängen, die, wenngleich unfreiwillig, ihren westlichen Schwestern und Brüdern Wichtiges voraushaben. Die Erfahrung nämlich, in einer Gesellschaft gelebt zu haben, die schon seit langem dabei war, unterzugehen, während viele in ihr zwar ganze Kataloge schwerer Mängel aufzählen konnten, aber doch nicht erkannten, dass das ganze Gerüst nicht tragen konnte. Gar nicht so wenige der Oststämmigen haben aus ihrem Leben in einer untergehenden Gesellschaft gelernt, dass es sträflich ist, die Reibungen und das Knirschen in den tektonischen Tiefenstrukturen einer Gesellschaft zu überhören. Sie haben gelernt, dass es folgenschwer ist, auf unübliches Denken, hinausweisend über das Gewohnte, zu verzichten. Viele Ungläubige unter ihnen glauben seitdem, was schon in der Bibel steht: »Ohne eine prophetische Vision verwildert ein Volk.«

Womit wir in der Gegenwart sind.

Richtig. Wir leben in einem Interregnum voller Unsicherheiten. Die Gefahren sind übergroß. Es knirscht heftig im Gebälk. So sehr, dass reformerische Reparaturen am kapitalistischen System allein nicht mehr ausreichen. Der Horizont muss weiter gespannt werden. Eine realitätsnahe Vision von einer menschen- und naturgerechten solidarischen Gesellschaft steht aus Überlebensgründen auf der Tagesordnung. Verschwörungstheorien und das Propagieren von Feindbildern sind keine tauglichen Antworten. Erforderlich ist die Prüfung der Fundamente, auf denen die Gesellschaft gründet. Nicht zuletzt der Eigentums- und Machtverhältnisse, auf denen die Herrschaft des Profits in der Gesellschaft beruht. In Frage zu stellen sind die herrschenden Verhältnisse, die einerseits unglaubliche wissenschaftliche und technische Fortschritte, Wohlstandszuwachs für viele, zivilisatorische Gewinne hervorbringen, aber als Kehrseite einmünden in Klima- und andere Umweltkatastrophen, in Kriege, in gesteigerte Bedrohung durch Massenvernichtungswaffen, in anhaltende soziale Ungleichheit zwischen Reich und Arm, zwischen Entscheidungsmacht und Entscheidungsohnmacht.

Das sind doch Themen, die Sie seit Jahren im Willy-Brandt-Kreis und der Gruppe Neubeginn erörtern. Was sind das für Menschen, die dort diskutieren und streiten?

Die Gruppe Neubeginn entstand nach dem Scheitern von »Aufstehen«. Intellektuelle aus verschiedenen linken politischen und kulturellen Bereichen stecken bisweilen die Köpfe zusammen und versuchen, mit kritischen Analysen des Kapitalismus und seiner verhängnisvollen Wachstumslogik öffentliche Debatten anzustoßen oder zu unterstützen. Wir machen das, was Hermann Hesse auf die Frage antwortete, wer der chinesische Reformer und Moralphilosoph Konfuzius eigentlich war. »Ist das nicht der, der genau weiß, dass es nicht geht, und es trotzdem tut?« Das klingt wie Che Guevaras: »Seien wir realistisch, versuchen wir das Unmögliche.«

Dieter Klein, Jahrgang 1931, studierte in den 1950er Jahren an der Humboldt-Universität Wirtschaftswissenschaften, wurde dort Institutsleiter und war von 1977 bis 1990 Prorektor für Gesellschaftswissenschaften. Bis 1997 hatte er eine Professur am von ihm gegründeten Institut für Sozialwissenschaften inne.

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Jürgen Rambaum: Der Fall Wilhelm Krelle: Vom SS-Generalstabsoffizier zum Abwickler an der Humboldt-Universität zu Berlin. Verlag am Park, Berlin 2020

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Dieter Klein: Merkwürdige Begebenheiten in drei Systemen. Erinnerungen. Verlag am Park, Berlin 2026

Zur Person

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Erschienen in der Ausgabe vom 10.10.2026, Seite 6, Wochenendbeilage

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