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Pelletwerk in Rüdersdorf

»Es wurden keine Alternativen geprüft«

Brandenburg: Holz zu verfeuern macht Zement nicht weniger klimaschädlich. Ein Gespräch mit Jana Ballenthien

Foto: Zavijava2/Wikimedia Commons
Cemex-Zementwerk Rüdersdorf

Gemeinsam mit weiteren Initiativen wenden Sie sich gegen den Genehmigungsantrag für den Bau eines Pelletwerks im brandenburgischen Rüdersdorf. Was ist das Problem?

Wir alle sind seit Jahren gegen das Verfeuern von Holz in Kraftwerken aktiv. Das Bauvorhaben in Rüdersdorf ist eins davon. Hauptgründe sind die klimaschädlichen CO₂‑Emissionen und die weitere Schwächung der Wälder. Nach wissenschaftlichen Erkenntnissen emittiert das Verfeuern von Holz je nach Holzart, Anlage und Wirtschaftsweise gleichviel oder sogar mehr CO₂ als Kohle und Gas. Altholz könnte alternativ für die Produktion von Spanplatten genutzt werden oder für Holzfaserdämmplatten zur Sanierung von Häusern.

Entsprechend den letzten Zahlen von 2020 der Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe (Verein mit Sitz in Gülzow, jW) werden 85 Prozent des Altholzes energetisch genutzt, also verbrannt. Da der Altholzmarkt sehr umkämpft und der vorhandene Rohstoff bereits komplett verplant ist, muss die Holzwerkstoffindustrie bei einem Mangel auf Frischholz aus dem Wald ausweichen, was auch der Verband der deutschen Holzwerkstoffindustrie betont. Den schlechten Waldzustand belegen auch die Ergebnisse des letzten Waldzustandberichtes, wonach nur jeder fünfte Baum gesund ist. Laut der letzten Bundeswaldinventur sind zwei Millionen Hektar geschädigt und laut dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt sind 900.000 Hektar komplett abgestorben.

Wer hat den Bauantrag gestellt, und was soll dort produziert werden?

Der Antrag wurde von der Firma Alce gestellt. Diese wurde vom Zementhersteller Cemex und vom Entsorgungsunternehmen Alba gegründet. Es sollen aus 110.000 Tonnen Altholz 60.000 Tonnen torrefizierte, also angekohlte Pellets produziert werden. Diese sollen im Cemex-Werk in Rüdersdorf verfeuert werden, als Ersatz für die Kohle.

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Sie bemängeln eine unzureichende Umweltverträglichkeitsprüfung. Was wurde versäumt?

Es wurden keine Alternativen zur Verbrennung von Holz geprüft. Unseres Wissens nach weder die Optionen zur Elektrifizierung noch zur Erhöhung des Anteils an Klärschlamm, der bereits jetzt von Cemex verbrannt wird. Auch fehlen Informationen, um die Auswirkungen der Einleitungen auf umliegende Gewässer einschätzen zu können.

Warum ist die Zementindustrie einer der größten Klimakiller?

Die Herstellung von Zement frisst sehr viel Energie. Allein die Zementindustrie war laut Umweltbundesamt 2018 für etwa 20 Millionen Tonnen CO₂‑Äquivalente in Deutschland verantwortlich. Hinzu kommen indirekte CO₂‑Emissionen, um den Strom zu erzeugen, der zum Beispiel für Mahl- und Förderprozesse in der Zementproduktion verbraucht wird, sowie durch Emissionsminderungstechniken und den Antrieb der Öfen. Der Ausstoß von CO₂ ist der größte und wichtigste Faktor für die menschengemachte Klimakrise.

Bislang wurde laut einer Mitteilung von Robin Wood noch keine solche Torrefizierungsanlage in Betrieb genommen. Welche möglichen Gefahren sehen Sie?

Es gibt unseres Wissens nach keinen einzigen Standort weltweit, an dem die Technologie der Torrefizierung in so einem großen Maßstab gelungen wäre. Der Prozess ist sehr anfällig für Störfälle. Im Juni dieses Jahres wurde eine wissenschaftliche Studie veröffentlicht, deren Autoren vor einer erhöhten Gefahr von Staubexplosionen und von Selbstentzündung der schwarzen Pellets – verglichen mit konventionellen Holzpellets – warnen. Schon bei Anlagen, die herkömmliche Pellets oder Holzhackschnitzel verbrennen, besteht ein beträchtliches Gefahrenpotential. Die Antragsteller behaupten im Bericht zur Umweltverträglichkeitsprüfung, es gäbe kein Risiko eines schweren Unfalls. Wir haben das Gefühl, dass Gefahren an dieser Stelle nicht ernst genug genommen werden.

Was wären umweltverträgliche Alternativen?

Von der Zementbranche fordern wir den Einsatz von emissionsfreien Schlüsseltechnologien, wie die Nutzung von »grünem« Wasserstoff für die Prozesswärme, die stärkere Elektrifizierung der Schmelzprozesse sowie eine konsequente Kreislaufwirtschaft im Bauwesen. Dazu gehören das Baustoffrecycling und der Ersatz von Zement durch nachhaltige, nichtfossile Baumaterialien. Der wertvolle Rohstoff Holz muss insgesamt achtsamer genutzt werden.

Jana Ballenthien ist Waldreferentin bei Robin Wood e. V.

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Erschienen in der Ausgabe vom 05.10.2026, Seite 3, Inland

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