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Abstellgreis des Tages: Wolf Biermann
Ein Mann, der jahrzehntelang einen Pornobalken im Gesicht trägt, holprige Verse reimt, wirr denkt und das per Klampfe übertönt – je nach Zahlung mal für Frieden, mal gegen, mal für Che Guevara, mal für den »Krieg gegen Terror« oder für den neusten gegen Russland, hat es schwer, wenn er die 90 erreicht. Wolf Biermann, der laut Wiglaf Droste politisch stets in der Nähe einer Fernsehkamera stand, findet keine mehr, macht aber wie stets bei seinen runden oder halbrunden Geburtstagen in Redaktionen Rabatz, wenn es im November wieder soweit ist.
Am Dienstag schlug ihn ein fast gleichaltriger 88jähriger CDU-Berliner, Uwe Lehmann-Brauns, per dpa für den Literaturnobelpreis vor, weil Biermann dichte und singe, was »Millionen Menschen (…) heute in Ländern wie China oder Russland erleiden«. Das trifft es genau. Der Preis, den ein Brecht oder eine Anna Seghers nie erhielten, ist daher für die »rachsüchtige Kleinkunstrobbe« (Droste) fällig.
Andererseits: Zum Biermann-Jubiläum – zum Geburtstag kommen noch 50 Jahre Exilierung aus der DDR wegen mieser Reime hinzu – fährt das Kulturamt bereits viel Süßkram auf: neues Album »Unterm Haar nur Himmel« (Kommentar Biermann: »Weil ich für den Frieden in Freiheit bin, muss ich leider auch für den Krieg sein«), Tagebücher, Starauftritt auf der Frankfurter Buchmesse am 7. Oktober (DDR-Tag der Republik), Videoschalte am 8. Oktober zum Friedensgebet der AG »Friedliche Revolution« Dresden und der Kreuzkirche. Bis dahin sollte Biermanns Aufruf »Egon Krenz an die Laterne« im Spiegel 1992 für deren Orgel vertont sein. Großer Jubel kommt bei all dem aber nicht auf: Ein Nobelpreis ist für den Weltkünstler, den keiner kennt, einfach nicht genug. Mindestens die für Physik oder Frieden müssen folgen, auch wenn letzteren die EU vor Biermann erhielt. Falsche Reihenfolge.
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Ulrich Dronske aus Samobor 30. Sept. 2026 um 08:41 UhrNicht alles war bei der Kleinkunstrobbe schlecht, zumindest als er noch in der DDR weilte. »So oder so, die Erde wird rot Entweder lebendrot oder totrot.« Schade, dass er sich für totrot entschieden hat. Offensichtlich garantiert das ein langes Leben.
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Fred Buttkewitz aus Ulan - Ude 30. Sept. 2026 um 05:18 UhrDer Literaturnobelpreis für Wolf Biermann? Ich wäre dafür, weil auf diese Weise für eine breitere Öffentlichkeit sichtbar wäre, welch riesigen kulturellen Abstieg Westeuropa seit Veröffentlichung der Werke der Preisträger des 20. Jahrhunderts genommen hat. Die sind der Maßstab. Bisher schwappte die Schamlosigkeit der Verleihung der Friedensnobelpreise an die größten Kriegsuntersützer aus Gründen der Propaganda noch nicht allzu sehr auf das Gebiet der Literatur über. Das muss geändert werden. Wenn Obama oder die EU einen Friedensnobelpreis erhielten und Hitler oder Trump dafür vorgeschlagen wurden, erscheint das Schaffen eines Biermann doch in einem vergleichsweise positiven Licht. Das Schlimme ist, dass es nicht vollkommen unwahrscheinlich wäre, dass Biermann einen Nobelpreis bekommt, umjubelt von den Mainstreammedien in Deutschland, allen voran dem Feuilleton der FAZ oder von Die Zeit. Die wissen natürlich, dass die Texte von Biermann zwar agitatorisch sind, jedoch keinerlei literarischen Wert haben. Aber sie würden das Gegenteil behaupten. Leider gab es damals zu Lebzeiten von Hans Christian Andersen noch keinen Nobelpreis. Allein für das Märchen »Des Kaisers neue Kleider« hätte er ihn verdient gehabt. Es beschreibt in prophetischer Form den jetzigen Zustand der »Meinungsfreiheit« im Rahmen bestimmter allgemeiner Vorgaben eines Meinungskorridors. Die Mehrheit schweigt und behauptet das Gegenteil von dem, was sie weiß und sieht. Es gibt noch ein paar Nischen der Ehrlichkeit und Leute, die sich lieber alle Bankkonten sperren lassen als zu lügen. Aber die andere Seite setzt sich in der Regel durch. Das ist kein Märchen, sondern Realität.
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Formulierungsvorschlag, statt: »macht aber wie stets bei seinen runden oder halbrunden Geburtstagen in Redaktionen Rabatz« so: »macht aber wie stets bei seinen runden oder halbrunden Geburtstagen reaktionären Rabatz«
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Roland Weinert aus 65366 Geisenheim 29. Sept. 2026 um 20:33 UhrDen bewunderte ich einmal in grauer Vorzeit. Da lebte noch Heinrich Böll. Da waren Die Grünen noch meine Partei. Seit Jahren ist er zu einem staatstragenden Systembarden, ähm, soll ich sagen, verkommen? Ich bin sehr unsicher, ob ich damit Biermanns Opportunismus gerecht werde. Meine Güte, wie tief Künstler fallen können in Kunstangelegenheiten und politischen Dingen. Traurigst!
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