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Und der Arme sagte bleich …
… wär’ ich nicht arm, wärst du nicht reich. 9,9 Billionen Euro. Neue Studie belegt Rekordgeldvermögen privater Haushalte in Deutschland. Dieser Reichtum allerdings ist extrem ungleich verteilt
Durchschnittlich besitzt jeder Bundesbürger 91.780 Euro Geldvermögen. Das besagt die Statistik. Dabei wäre mancher froh, sich endlich einmal aus der Dispofalle zu befreien, während andere wohl einen Riesenschrecken bekämen, wenn der Vermögensstand ihnen bloß diesen in ihren Augen kümmerlichen Betrag auswiese.
So oder so, die Summe der Geldvermögen aller deutschen Haushalte ist im vergangenen Jahr um 4,9 Prozent auf 9,9 Billionen Euro gewachsen. Das geht aus dem »Global Wealth Report« des Versicherungskonzerns Allianz hervor, der am Dienstag veröffentlicht wurde. Im Jahr zuvor habe der Zuwachs sogar 7,4 Prozent betragen, hieß es in der Mitteilung. Im Unterschied zu globalen Trends, Geld vor allem an den Kapitalmärkten zu investieren, sei die Vermögensvermehrung der Deutschen »überwiegend spargetrieben«, teilt der Versicherer mit.
In allen 193 Staaten weltweit zusammengenommen wuchs 2025 das Geldvermögen nach dem Allianz-Bericht um 8,6 Prozent auf unvorstellbare 268,4 Billionen Euro. Das Plus gehe dabei vorwiegend auf das Konto von Kapitalmarktanlagen, auf denen etwa vier von fünf Euro der zusätzlichen Renditen erzielt worden seien. Mit dem wenig aussagekräftigen Durchschnittswert von 91.780 Euro Nettogeldvermögen pro Bundesbürger liege das Land im weltweiten Ranking auf dem 13. Platz. Spitzenreiter blieben weiter die USA.
Dabei bleibt der im »Global Wealth Report« ermittelte Reichtum extrem ungleich verteilt. Danach besitzen die reichsten zehn Prozent in Deutschland 53,7 Prozent des Nettogeldvermögens. Der Sozialverband SoVD fordert deshalb in einer Mitteilung von Dienstag eine Sozialstaatsgarantie und eine gerechtere Finanzierung der sozialen Sicherung. Die Verbandsvorsitzende Michaela Engelmeier erklärte: »Wenn private Vermögen Rekordwerte erreichen, darf nicht gleichzeitig am Sozialstaat gekürzt werden.« Es dürfe nicht sein, »dass bei Familien, Kranken, Menschen mit Behinderungen sowie Menschen mit kleinen und mittleren Einkommen gespart wird, während der private Reichtum weiter wächst. Wir brauchen eine gerechtere Besteuerung großer Vermögen, hoher Erbschaften, Kapitalerträge und großer Konzerngewinne sowie die Wiedereinführung der Vermögensteuer.«
Denn am entgegengesetzten Ende der Vermögensskala steht ein mehr oder weniger großes Minus: Laut Pressemitteilung des Statistischen Bundesamtes (Destatis) von Mitte Juli lag die durchschnittliche Schuldenhöhe 2025 bei den Menschen, die sich an eine Schuldnerberatungsstelle gewandt hatten, bei 34.650 Euro. Der Durchschnittswert lag bei Männern mit 39.717 Euro signifikant über dem der Frauen mit 29.500 Euro. Als Hauptauslöser für ihre Misere nannten 18 Prozent der Betroffenen Erkrankung, Sucht oder Unfall und 17 Prozent Arbeitslosigkeit. Bei alleinerziehenden Frauen wie Männern war in rund 23 Prozent aller Fälle eine Trennung, eine Scheidung oder der Tod des Partners Hauptauslöser der Überschuldung. Alleinerziehende Mütter hatten im Durchschnitt 34.386 Euro Schulden, Männer sogar durchschnittlich 46.219 Euro.
Insgesamt machen Singlehaushalte die größte Gruppe unter den Ratsuchenden aus: Laut Destatis lebten knapp 52 Prozent aller Beratenen allein. Viele derer, die eine Schuldnerberatung aufsuchten, hatten gleich mehrere Gläubiger wie Finanzamt, gesetzliche Renten- und Krankenversicherung oder Jobcenter, Telekom-Unternehmen, Banken und Versandhandel.
Zur gesamtgesellschaftlichen Ungleichheit kommt eine regionale hinzu. Wie das Statistische Bundesamt ebenfalls am Dienstag meldete, bestehen bei steuerpflichtigen Erbschaften und Schenkungen deutliche Unterschiede zwischen Ost und West. »Im Jahr 2025 entfielen 95 Prozent des Gesamtwerts der steuerlich berücksichtigten Vermögensübertragungen durch Erbschaften und Schenkungen auf die westlichen Bundesländer«, teilten die Statistiker in Wiesbaden mit. Das entspreche rund 143 Milliarden Euro, die die dortigen Finanzverwaltungen veranlagt haben. In den östlichen Ländern und Berlin seien es dagegen bloß acht Milliarden Euro gewesen. Die deutsche Einheit, die am 3. Oktober einmal mehr feierlich begangen werden soll – sie existiert nicht.
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Onlineabonnent*in Manfred G. aus H. 30. Sept. 2026 um 14:30 UhrEigentum ist nicht einfach das, was jemand besitzt. Es geht um das Privateigentum an Produktionsmitteln, das es ermöglicht, von der Arbeit anderer Menschen zu leben. Es geht nicht um das persönliche Eigentum, wie Zahnbürsten, Kleidung, Möbel, Auto, persönliche Gegenstände. Es geht darum, dass die Produktionsmittel nicht mehr ein Mittel der privaten Aneignung fremder Arbeit sein dürfen. Die Veränderung der Eigentumsverhältnisse allein garantiert noch keinen vollständigen Sozialismus. Der Klassenkampf wird auch nach einer Revolution weitergehen. Mao hat mit der Kulturrevolution versucht, den Klassenkampf weiterzuführen. Staatseigentum bedeutet nicht automatisch vollständige sozialistische Freiheit. Eine Klasse kann Produktionsmittel besitzen und gleichzeitig kulturelle Führung ausüben. Deshalb muss eine sozialistische Bewegung nicht nur Eigentumsverhältnisse verändern. Sie muss auch Bewusstsein verändern, eigene Kultur entwickeln, Organisationen schaffen. Ein Sozialismus ohne politische Freiheit und Demokratie wird bürokratisch erstarren. Manni Guerth
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Reinhold Schramm aus Berlin 30. Sept. 2026 um 11:26 UhrDie ungelöste Eigentumsfrage. Trotz alledem: Es braucht Klarheit über das private Eigentum aus der Wert- und Mehrwertschöpfung der Erwerbsbevölkerung. Dies gilt ungeachtet der ethnischen, territorialen oder kontinentalen Herkunft sowie der Hautfarbe und unabhängig vom jeweiligen Entwicklungsstand der Produktivkräfte im historischen Feudalismus und Kapitalismus oder dem modernen Finanz- und Monopolkapitalismus der globalen Wirtschaftszentren. Auch in diesem und unserem Zusammenhang wäre es weiterhin sinnvoll, wenn wir uns mit den gesellschaftswissenschaftlichen und gesellschaftspolitischen Erkenntnissen der vormaligen DDR – vor ihrer gesellschaftspolitischen Implosion und Auflösung 1989–1990 – beschäftigen und auseinandersetzen würden. So könnten wir uns beispielsweise auch mit der kurzen Zusammenfassung der Begriffserklärung(en) im »Kleinen Politischen Wörterbuch«, allgemeinverständlich erschienen im Dietz Verlag Berlin im Jahr 1973, beschäftigen. Da im heutigen Internet keine inhaltliche Wiedergabe des Textes zum »Eigentum« zu finden war, hiermit meine nachfolgende Entnahme aus dem Wörterbuch: »Eigentum: historisch entstandene Form der Aneignung der materiellen Güter. Diese Aneignung charakterisiert das Verhältnis zwischen den Menschen im Prozess der Produktion der materiellen Güter. Das grundlegende Eigentumsverhältnis ist das Eigentum an den Produktionsmitteln, das sich vor allem in Abhängigkeit vom Niveau der Produktivkräfte und der gesellschaftlichen Arbeitsteilung entwickelt. Die Eigentumsverhältnisse sind das bestimmende Element der Produktionsverhältnisse einer Gesellschaftsformation. Sie bringen zum Ausdruck, in welchem Verhältnis sich Individuen, Gruppen, Klassen oder die ganze Gesellschaft zu den gegenständlichen Bedingungen der Produktion befinden. {...} Die Eigentumsverhältnisse unterscheiden »die verschiedenen ökonomischen Epochen der Gesellschaftsstruktur« (Marx), wobei Veränderungen der Eigentumsbeziehungen stets auf revolutionärem Wege gelöst werden müssen und Veränderungen der Klassen- und Machtverhältnisse bedingen. Innerhalb der verschiedenen Formen des Eigentums an den Produktionsmitteln, die sich im Verlaufe der Geschichte der Gesellschaft herausgebildet haben, können zwei Grundtypen unterschieden werden: das Privateigentum und das gesellschaftliche Eigentum. Die Existenz des Privateigentums an Produktionsmitteln ist die unmittelbare Ursache für die Spaltung der Gesellschaft in antagonistische Klassen und für die Ausbeutung und Unterdrückung der nichtbesitzenden Klassen durch die Klassen, die Eigentümer der entscheidenden Produktionsmittel sind. Der unversöhnliche Widerspruch zwischen dem gesellschaftlichen Charakter der Produktion und der privatkapitalistischen Form des Eigentums (Grundwiderspruch des Kapitalismus) bringt die Notwendigkeit zum Ausdruck, die alte Gesellschaftsordnung abzulösen und die von Ausbeutung freie sozialistische Gesellschaftsordnung zu erreichen. Das sozialistische Eigentum an den Produktionsmitteln schließt die Ausbeutung aus; es vereinigt die Menschen zur gemeinsamen Arbeit im Interesse der gesamten Gesellschaft. Das Wesen des sozialistischen Eigentums wird charakterisiert durch die sich entwickelnden Beziehungen der kameradschaftlichen Zusammenarbeit und gegenseitigen Hilfe: vor allem in der Produktion durch die sozialistische Gemeinschaftsarbeit, durch die demokratische Leitung, Planung und Organisation des gesellschaftlichen Reproduktionsprozesses sowie aller übrigen Bereiche des gesellschaftlichen Lebens; weiterhin durch die Festigung der sozialistischen Prinzipien der Verteilung nach Quantität und Qualität der geleisteten Arbeit und durch den Austausch der Produkte als Waren.« Vgl. «Kleines Politisches Wörterbuch», S. 178–179.
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Frank Lukaszewski aus Oberhausen 30. Sept. 2026 um 08:32 UhrSusanne Klatten unzufrieden: Wann wird die Ungleichverteilung der Vermögen endlich beschleunigt?
Das Verwaltungsgericht Berlin hat im Juli 2024 in der ersten Instanz entschieden und die Klage des Verlags 8. Mai abgewiesen. Die Bundesregierung darf die Tageszeitung junge Welt in ihren jährlichen Verfassungsschutzberichten erwähnen und beobachten. Nun muss eine höhere Instanz entscheiden. Seit vielen Monaten warten Verlag und Redaktion inzwischen auf eine Entscheidung des Gerichtes, ob eine Berufung möglich oder gleich ein Gang vor das oberste Gericht nötig ist.
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