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Zentralamerika

Martialisches Theater

El Salvador: Bukele präsentiert sich als Erbe von Francisco Morazán

Von Adrian Müller Peña
Foto: Jose Cabezas/REUTERS
Zum neuen Mausoleum von Francisco Morazán gehören auch ein Museum und botanischer Garten (San Salvador, 24.9.2026)

Das Bestreben nach regionaler oder sogar subkontinentaler Einheit hat die lateinamerikanische Geschichte des 19. Jahrhunderts in Folge verschiedener Unabhängigkeitsbewegungen stark geprägt. Ein bedeutender Verfechter dieses Panamerikanismus, Francisco Morazán, ist vergangene Woche in El Salvador mit der Eröffnung eines neuen Mausoleums, in das seine sterblichen Überreste überführt wurden, geehrt worden. Das erneute Hervorheben von Morazán als Figur für nationalen Stolz und Einheit lässt sich hauptsächlich als Versuch des seit 2019 regierenden, rechtslibertären Präsidenten Nayib Bukeles werten, an dessen historisches Erbe anzuknüpfen und seine eigene Legitimität zu stärken. Passend dazu: sein Auftritt in militärisch stilisiertem Anzug und ein dramatisch inszeniertes Ablegen eines Säbels im Verlauf der Einweihungszeremonie.

Morazán ist vor allem als letzter Präsident der Bundesrepublik von Zentralamerika bekannt, ein Staat, der von 1823 bis zu seiner gewaltsamen Auflösung 1839 bestand. Wie die meisten der lateinamerikanischen Großreiche dieser Zeit führten innerpolitische Interessenskonflikte zu einer Reihe von Kriegen, aus denen 1841 letztendlich die heutigen Staaten Honduras, Guatemala, El Salvador, Costa Rica, und Nicaragua hervorgingen. Als General hatte sich Morazán schon vor seinem ersten Amtsantritt 1829 militärisch für die Einheit der Region eingesetzt. Politisch war er ein liberaler Reformer und Vertreter bürgerlicher Rechte. Vor seiner Hinrichtung 1842 in Costa Rica hatte der gebürtige Honduraner den Wunsch ausgedrückt, in El Salvador, wo er 1839/40 als Staatschef regiert hatte, beigesetzt zu werden. Heutzutage gilt er, trotz seiner teils autokratischen Herrschaft, nach Simón Bolívar als einer der großen Staatsmänner Lateinamerikas und wurde unter anderem vom kubanischen Volkshelden und Intellektuellen José Martí auch als solcher gelobt.

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Dass der sich selbst als »coolster Diktator der Welt« inszenierende Bukele damit ein ernsthaftes Wiederaufleben panamerikanischer Ambitionen ausdrücken will, ist unwahrscheinlich. Seit Anfang 2022 regiert er das Land in einem permanenten Ausnahmezustand, was ihm erlaubt hat, massenhaft Leute in menschenrechtswidrigen Megaknästen wegzusperren. Dabei genießt er freilich den politischen Schutz und die Unterstützung von US-Präsident Donald Trump.

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Erschienen in der Ausgabe vom 29.09.2026, Seite 7, Ausland

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