Wir brauchen keine Geschenke des Imperiums
Im März 2016 hielt US-Präsident Barack Obama in Havanna eine Rede. Ein Auszug aus dem Kommentar, den Fidel Castro dazu schrieb
Keiner von uns ist für die Rolle geschaffen, die er in der revolutionären Gesellschaft einnehmen sollte. Teilweise hatten wir Kubaner das Privileg, auf das Beispiel José Martís zurückgreifen zu können. (…) Man weiß, dass es Meinungsunterschiede zwischen den Kommandeuren gab, aber von Undiszipliniertheiten ist nichts bekannt. »Wer versucht, sich Kuba anzueignen, erntet den Staub seiner in Blut getränkten Erde, falls er nicht im Kampf umkommt«, erklärte der ruhmreiche schwarze Anführer Antonio Maceo.
Lasst uns (…) einmal betrachten, wie unser berühmter Gast heute denkt: »Ich bin hierhergekommen, um die letzten Spuren des Kalten Krieges in den Amerikas hinter mir zu lassen. Ich bin hierhergekommen, um dem kubanischen Volk in Freundschaft meine Hand auszustrecken.« Darauf folgte sofort eine Flut von Konzepten, die für die Mehrheit von uns völlig neu waren: »Wir leben beide in einer von den Europäern kolonisierten neuen Welt«, fuhr der Präsident der Vereinigten Staaten fort. »Kuba wurde wie die Vereinigten Staaten zum Teil von aus Afrika geholten Sklaven aufgebaut. Genau wie die Vereinigten Staaten hat Kuba ein Erbe von Sklaven und Sklavenhaltern.« Die Ureinwohner kommen im Denken Obamas nicht vor. Er sagt auch nicht, dass die rassische Diskriminierung von der Revolution weggefegt wurde, dass die Rente und der Lohn aller Kubaner von dieser beschlossen wurden, als Obama gerade zehn Jahre alt war. Die verhasste und rassistische bürgerliche Gewohnheit, Handlanger zu beauftragen, die schwarzen Landleute aus den Erholungszentren zu werfen, wurde von der Revolution abgeschafft. Sie geht auch wegen der Schlachten in die Geschichte ein, die sie in Angola gegen die Apartheid schlug, wobei der Präsenz von Atomwaffen auf einem Kontinent mit mehr als einer Milliarde Bewohnern ein Ende gemacht wurde. Das war nicht das eigentliche Ziel unserer Solidarität, sondern das war, Angola, Mosambik, Guinea-Bissau und anderen unter der faschistischen Kolonialherrschaft Portugals stehenden Völkern zu helfen.
1961, kaum ein Jahr und drei Monate nach dem Sieg der Revolution, wurde eine mit Kanonen, gepanzerter Infanterie und Flugzeugen ausgerüstete Söldnerarmee ausgebildet und startete, begleitet von Kriegsschiffen und Flugzeugträgern der Vereinigten Staaten, einen Überraschungsangriff auf unser Land. Nichts kann diese heimtückische Attacke rechtfertigen, die unser Land Hunderte von Toten und Verletzten kostete. (…) In Afrika haben sie auch geglaubt, dass das revolutionäre Kuba leicht außer Gefecht zu setzen sei. Der Angriff motorisierter Brigaden des rassistischen Südafrikas auf den Süden Angolas brachte sie bis in die Nähe Luandas, der Hauptstadt des Landes. (…)
Ich war wirklich daran interessiert, mehr Einzelheiten darüber zu erfahren, wie die Südafrikaner an die Atomwaffen gekommen waren. Ich hatte nur die sehr präzise Information, dass es nicht mehr als zehn oder zwölf Bomben waren. Eine sichere Quelle wäre der Text des Professors und Forschers Piero Gleijeses »Missionen im Konflikt: Havanna, Washington und Afrika 1959–1976« gewesen. (…) Ich hatte schon Informationen zu dieser Waffe erhalten und über die Hilfe, die das rassistische Südafrika von Reagan und Israel erhalten hatte.
Ich weiß nicht, was Obama jetzt über diese Geschichte zu sagen hat. Ich weiß nicht, was er wusste oder nicht wusste, obwohl es sehr zweifelhaft ist, dass er absolut nichts weiß. Mein bescheidener Vorschlag ist, dass er nachdenkt und jetzt nicht versucht, Theorien über die kubanische Politik auszuarbeiten.
Eine wichtige Frage besteht darin: Obama hielt eine Rede, in der er süßliche Worte verwendete, um auszudrücken: »Es ist an der Zeit, die Vergangenheit zu vergessen, lassen wir die Vergangenheit hinter uns, blicken wir in die Zukunft, schauen wir gemeinsam in eine Zukunft der Hoffnung. Und es wird nicht einfach sein, es wird Herausforderungen geben, und ihnen werden wir Zeit geben; aber mein Aufenthalt hier gibt mir mehr Hoffnung für das, was wir gemeinsam als Freunde, als Familien, als Nachbarn zusammen tun können.«
Es ist anzunehmen, dass jeder von uns beim Hören dieser Worte des Präsidenten der Vereinigten Staaten in Infarktgefahr war. Nach einer erbarmungslosen Blockade, die fast 60 Jahre andauert. Und jene, die bei den Söldnerangriffen auf kubanische Schiffe und Häfen starben? Ein mitten im Flug gesprengtes Linienflugzeug voller Passagiere, Söldnerinvasionen, Gewalttaten jeder Art?
Niemand sollte sich der Illusion hingeben, dass das Volk dieses edlen und selbstlosen Landes auf den Ruhm und die Rechte oder auf den geistigen Reichtum verzichten wird, den es mit der Entwicklung von Bildung, Wissenschaft und Kultur gewonnen hat. Ich warne außerdem, dass wir fähig sind, dank der Anstrengungen und der Intelligenz unseres Volkes die Lebensmittel und die materiellen Reichtümer zu produzieren, die wir brauchen. Wir haben keine Geschenke des Imperiums nötig. Unsere Bemühungen werden rechtmäßig und friedlich sein, denn sie entsprechen unserer Verpflichtung gegenüber dem Frieden und der Brüderlichkeit aller Menschen, die auf diesem Planeten leben.
→ Fidel Castro: Bruder Obama. In: Granma, 27. März 2016. Hier zitiert nach: Freundschaftsgesellschaft BRD–Kuba e. V., Ausgewählte Reden von Fidel Castro. fgbrdkuba.de
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