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Kino

Der böse Witz

»Resident Evil«: Manchmal benötigen Filmreihen eben 24 Jahre und neun Teile, bis was Gutes dabei herumkommt

Foto: Landmark Media/IMAGO
Blutigstbrutales Bodyhorror-Goregemetzel mit Humor: »Resident Evil«

Vom sonst sehr geschätzten Redakteur fälschlicherweise für einen Fan der Videospiel-/Film-Franchisereihe »Resident Evil« gehalten, wollte ich ihm die Bitte um diese Rezension doch nicht ausschlagen. Und bereue es nicht. Von den Videospielen habe ich vor vielen Jahren nur das erste gespielt, das auch gefiel. Den ersten Film »Resident Evil« von 2002 fand ich so lala. Was ich von den sieben Nachfolgern mit meist Milla Jovovich in der Hauptrolle noch mitbekam, war ganz grauslich. Was eine für Horrorfilme zwar gute Wertung sein könnte, hier aber das Gegenteil meint. Von den beiden Serien sah ich keine Folge. Nun aber also den neuesten Franchisestreich, auf den eigentlich kaum wer gewartet hatte.

Super grauslich im besten Sinne geriet der dem frischen R.-E.-Regisseur Zach Cregger (»Barbarian«, »Weapons«), da schließe ich mich der allgemein dollen Kritik gern an. Nicht zuletzt, weil der Film reichlich von dem zeigt, was so vielen schlechten Horrorfilmen abgeht – Witz. Der taiwanesische Superschocker »The Sadness« (2021) etwa, den Horrorgerneseher gesehen haben sollten, wäre ohne dessen wenigstens witzigen Schnipselchen kaum sehbar; hat allerdings auch nur wirklich widerwärtigen Witz zu bieten. Die Horrorreihe »Saw« hingegen ist völlig unwitzig und daher nur dämlich sadistisch.

»Resident Evil« aber ist derart bestens böswitzig, dass zwar nicht falsch wäre, von einer Horrorslapstickkomödie zu sprechen, dies aber auf falsche Fährten locken würde. Denn – ungeachtet der noch vor zehn Jahren undenkbaren FSK-Altersfreigabe ab 16 Jahre – inszenierte Cregger ein durchaus drastisch blutigstbrutales Bodyhorror-Goregemetzel. Aber eben ein so gewitztes, dass man immer wieder was zu Schmunzeln hat, bevor einem die Jump-­Scares in den Nacken springen. Das ergibt sich so durch die permanenten Selbstgespräche, die der Uber-Organkurier Bryan (Austin Abrams) auf der – so der ganze Plot – letzten Meile zum Racoon City Hospital der Angst vor den ihm begegnenden Kreaturen und Tentakeln wegen mit sich führt. Creccer, der auch das Drehbuch schrieb, dabei durchaus Gefahr laufend, es zu metamäßig weit zu treiben, schreckt nicht davor zurück, ihn in heikelster Situation Dinge sagen zu lassen wie: »Ich nutze Knarren nur in Videospielen. Im echten Leben ist das verwirrend.« Gegen Ende, als es ihm gelingt, mittels eines Schusses einen großen Haufen Höllenbrut heimzuschicken, schreit er gar: »Yeah, Videogames!« Und doch nervt so was nie und killt auch (fast) keine Spannung. Sondern erinnert zusätzlich an zur unpassendsten Zeit gemachte Kommentare (ill-timed commentaries), wie man sie aus Videospielen kennt. So auch die wenigen geführten Dialoge des Films.

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Die »Resident Evil«-Spiele scheint Bryan im gespielten echten Leben nicht gespielt zu haben, sonst hätte er die Kurierfahrt auch für den doppelten Lohn nicht angetreten. Sorgt doch die ominöse Umbrella Corporation und deren virale Hinterlassenschaft seit 1998 zuverlässig dafür, dass Racoon City ein Hotspot für Zombieausbrüche ist und bleibt. Und dieses Mal zum Guckerglücke nicht nur für schon viel zu oft verbratene tumbe Untote, sondern für allerlei fast konkurrenzlos gut geglückte Kreaturenkreationen, die Fangoria Chainsaw Awards in den Kategorien »Best Monster« und »Best Makeup/Best FX« mindestens verdient hätten. Wenn auch nicht für das beste Drehbuch, verliert das belustigende Blutbad nämlich in der zweiten Hälfte an Drive und Geschwindigkeit und ist dann so jäh vorbei, dass es etwas unnötig beschnitten erscheint.

Gar nicht stört mich die Entscheidung, statt gewohnter Figuren aus dem R.-E.-Universum einen netten Nobody einzusetzen und sich nicht so sehr an den Videospielvorlagen abzuarbeiten, wie es zuvor in der Reihe getan wurde. Bin ich weder Gamer noch nunmal ein Fan des Franchises. Könnte mir trotzdem vorstellen, dass Kritikerstimmen, die Creggers »Resident Evil« für die vielleicht beste Videospielfilmadaption halten, richtig liegen könnten. Sieht ganz so aus, als wäre der Name des Franchise auch für die Zukunft gut gewählt und bliebe das Böse auch im Kino also ein beständig Erfolgreiches.

→ »Resident Evil«, Regie: Zach ­Cregger, USA/BRD 2026, 97 Min., bereits ­angelaufen

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Erschienen in der Ausgabe vom 24.09.2026, Seite 11, Feuilleton

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