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Wohnungs- und Mietenpolitik

WG-Zimmer in München für 850 Euro

Wohnkosten für Studierende verharren auf obszön hohem Niveau. Die BAföG-Reform liegt weiterhin auf Eis

Foto: Christian Offenberg/IMAGO
Schöner Wohnen mit der Frauenkirche: Teures Pflaster bayerische Landeshauptstadt – nicht nur für Personen aus dem Hörsaal

Wo liegt eigentlich die versprochene BAföG-Reform? Ach ja: auf Eis. Planmäßig hätte es sie laut Koalitionsvertrag schon zum kurz bevorstehenden Wintersemester geben sollen, angefangen mit einer Erhöhung der Wohnkostenpauschale von monatlich 380 Euro auf 440 Euro. Wegen Streitigkeiten haben Union und SPD das Vorhaben allerdings vertagt, auf April 2027. Die Entlastung für Studierende kommt damit noch einmal später als viel zu spät. Einer aktuellen Erhebung zufolge bewegen sich die Preise auf dem studentischen Wohnungsmarkt stabil auf höchstem Niveau. Für ein Zimmer in einer Wohngemeinschaft (WG) werden im Bundesdurchschnitt 510 Euro fällig, also 130 Euro mehr als außerhalb der elterlichen Wohnung lebenden BAföG-Empfängern zusteht. Für München, das im Mittel mit 850 Euro pro Bleibe teuerste Pflaster, beträgt die Differenz sogar 470 Euro.

»Die Mietkostenbelastung für Studierende, die auf dem freien Wohnungsmarkt unterkommen müssen, bleibt enorm. Das zeigten erst jüngst die Daten des Statistischen Bundesamts und nun auch das neue Hochschulstädtescoring des Moses-Mendelssohn-Instituts, MMI«, ordnete am Wochenende Matthias Anbuhl vom Deutschen Studierendenwerk (DSW) die Zahlen ein. Das MMI hat gemeinsam mit dem Vermittlungsportal WG-Gesucht.de die Situation in 90 Hochschulstandorten mit mehr als 5.000 Studierenden analysiert. Das machen die Forscher seit Jahren und stets ermittelten sie einen Preisschub nach oben. Diesmal nicht: Im Sommersemester lag das Mittel der Ausgaben bei 512 Euro, zwei Euro über dem aktuellen Wert. Dagegen wurde es im Vorjahresvergleich um fünf Euro oder ein Prozent teurer. Auch das ist ein moderater Anstieg, verglichen mit den Jahren davor.

Die relative Stabilität täuscht jedoch laut MMI über einen bedenklichen Trend hinweg. Unter den untersuchten Städten zeigt sich demnach eine zunehmende Spreizung in vergleichsweise günstige und extrem hochpreisige Angebote. 2016/17 waren noch über 35 Prozent der Studierenden an Orten mit Wohnkosten im mittleren Bereich eingeschrieben, heute sind es nur noch 20,7 Prozent. Dagegen ballt sich immer mehr Nachfrage vor allem im oberen Preissegment. Obwohl dieses lediglich 13,3 Prozent der Standorte umfasst, ist dort ein Drittel der von der Studie berücksichtigten Studierenden wohnhaft. Die Ausschläge seien »weit mehr als eine statistische Größe«, gab MMI-Geschäftsführer Stefan Brauckmann am Sonnabend in einer Medienmitteilung zu bedenken. »Für junge Menschen, die zum Studium in eine andere Stadt ziehen, macht es einen wesentlichen Unterschied, wo sie studieren. Ob ein WG-Zimmer 400, 500 oder 650 Euro kostet, kann erheblich darüber mitentscheiden, welcher Studienort überhaupt finanzierbar ist.«

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Die Entwicklung sei »besorgniserregend«, äußerte sich Rahel Schüssler vom »Freien Zusammenschluss von Student*innenschaften« (FZS) zu den Befunden. »Es braucht endlich Maßnahmen, die bezahlbares Wohnen für Studierende sicherstellen und verhindern, dass steigende Mieten den Zugang zu Hochschulbildung einschränken«, erklärte sie per Pressestatement. Von der Bundesregierung fordert der studentische Dachverband, den BAföG-Wohnzuschuss »endlich« an den realen Gegebenheiten der lokalen und regionalen Märkte zu orientieren. Wer in einer der Großstädte studiere, »kann mit dieser Pauschale nur einen Bruchteil der Miete finanzieren«. Ferner brauche es grundlegende Reformen wie einen bundesweit geltenden Mietendeckel, die Schaffung von öffentlich gefördertem Wohnraum, deutlich mehr Wohnheimplätze und eine bessere Finanzierung der Studierendenwerke.

Bei den Regierenden dürfte das kaum bis gar keinen Anklang finden. Absehbar werden auch die groß angekündigten »Strukturreformen« bei der Bundesausbildungsförderung verpuffen. Die versprochene »Gleichstellung« mit dem Bürgergeld (Grundsicherung) soll schrittweise ab April 2027 bis 2029 umgesetzt werden – noch so eine Hängepartie. Nach einer neueren Berechnung des Fraunhofer-Instituts für Angewandte Informationstechnik im Auftrag des Bundesforschungsministeriums wird die Zahl der BAföG-Empfänger 2027 auf den nächsten historischen Tiefstand von dann 278.000 Studierenden absinken.

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Erschienen in der Ausgabe vom 22.09.2026, Seite 5, Inland

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