Bericht aus Kuba: Kubanische Kultur in Zeiten Donald Trumps
Auf der Protestwache für Kuba vor der US-Botschaft in Berlin wurde am Freitag ein Bericht des Autors Ulrich Fausten über kubanische Kultur in Zeiten Donald Trumps verlesen:
Donald Trump schafft es, mit der Verschärfung der Strangulierungspolitik gegen Kuba durch die Seeblockade eine Menge Unheil anzurichten.
Keine Ölimporte, kein Strom? Das kann man so pauschal zwar nicht sagen, verfügt Kuba doch über alternative Energiequellen, doch die drastische Reduktion elektrischer Energie reicht aus, Dialysegeräte lahmzulegen, die für Nierenkranke lebenswichtig sind, Chirurgen zu zwingen, Operationen im Schein ihrer Handylichter durchzuführen, und die Quote der Totgeburten von Säuglingen, die über lange Zeit so niedrig wie in Erstweltländern war, innerhalb kurzer Zeit glatt zu verdoppeln.
Trumps Vorgehen ist mehr als bloß ein Hemmschuh für Kubas Wirtschaft. Es kostet Leben. Oder sagen wir es geradeheraus: Es tötet.
Trumps Feldzug – denn wenn auch noch ohne Bomben und Raketen, ist es doch einer – ist in einem brutal nüchternen Wortsinn erfolgreich. Dass Leute sterben oder entnervt emigrieren, funktioniert ja.
Aber neben all dem, was Donald Trump leider Gottes vermag, sollte man nicht außer Acht lassen, was ihm alles nicht gelingt.
Welche Auswirkungen haben die Segnungen der Trump-Administration auf die öffentliche Kultur in Kuba? Eines vorweg: Die Ergebnisse dürften den Herrn im Weißen Haus nicht zufriedenstellen … Als nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion in Kuba die Sonderperiode ausgerufen wurde, sagte Fidel, das Erste, was es zu retten gelte, sei die Kultur. Daran hat sich auch jetzt in diesen schwierigen Zeiten nichts geändert.
Der Event, der zunächst am gefährdetsten schien, war die alljährliche Internationale Buchmesse von Havanna – das größte kulturelle Ereignis in Kuba. Sie findet gewöhnlich im Februar statt. Dies erwies sich jedoch als nicht durchführbar. Also verlegte man sie in den Sommer. Eingedampft, alles eine Nummer kleiner und mit einigen aus der Not geborenen Veränderungen. (…)
Der dritte zuletzt fertiggestellte Film ist »Calle 232«. Darin geht es um die Fähigkeit, anderen zu helfen. Er wurde zu einem Aufruf an alle, sich auf die wahren Werte und Wünsche zurückzubesinnen und Menschen zu unterstützen, die in Not sind. Der Film ruft beim Publikum starke Emotionen hervor. Wie auch die beiden anderen wird er nach der Uraufführung in Havanna in allen Provinzen gezeigt.
Ebenso wichtig, wenn nicht gar noch wichtiger als das weitere Funktionieren der kubanischen Kultur im Großen, ist ihr Fortbestand im Kleinen. So wurde auch in diesem Jahr die traditionelle Theaterkarawane durchgeführt, die Gruppen von Schauspielern mit ausgesuchten Stücken zur ländlichen Bevölkerung, nicht zuletzt in schwer zugänglichen Gebieten, führt, auf dass auch dort keiner ohne Kultur bleibe. Ebenfalls gab es auch in diesem Jahr das beliebte kleine »Festival Internacional de Cine Pobre« (Kino der Armen, eigenfinanzierte Filme) in Gibara. (…)
Patriotismus angesichts des derzeit verordneten Elends ist denjenigen, die den Untergang Kubas betreiben, ein Dorn im Auge. Nicht zuletzt deshalb, weil sie ihn nicht begreifen. Wie kann man, so mögen sie sich fragen, immer noch Patriot sein, wenn es im ganzen Land buchstäblich an allem fehlt? Wie kann man sich noch mit einem Land identifizieren, in dem das Leben mehr ein Überleben ist?
Das ist die Haltung, die die US-Regierung öffentlich vertritt. Die Haltung, von der sie gerne hätte, dass die kubanische Bevölkerung sie sich zu eigen macht. Ihr Schwachpunkt ist der, dass sie davon ausgeht, die meisten Kubaner glauben machen zu können, das ganze Elend sei der sozialistischen Misswirtschaft geschuldet (…). Aber den weitaus meisten ist schon klar, dass die Misere Vor- und Nachnamen hat, und sie weiß auch welche. Und solange das so ist, kann Trump nur versuchen, Kuba immer weiter zu strangulieren. Die Menschen hier zu überzeugen, das wird ihm nicht gelingen.
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