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Bericht aus Kuba von Enrique Ubieta auf der Protestwache vor der US-Botschaft in Berlin

Foto: Christian-Ditsch.de
Großer Andrang beim Bericht des DKP-Vorsitzenden Patrik Köbele zur aktuellen Lage auf Kuba am Mittwoch bei der Protestwache

Auf der Kuba-Protestwache vor der US-Botschaft am Brandenburger Tor in Berlin wurde am Mittwoch ein Bericht aus Kuba von Enrique Ubieta, Chef der kubanischen Zeitschrift Revolución y Cultura, verlesen:

Liebe Brüder und Schwestern:

Ich lebe auf einer Insel, deren Regierung sich dem US-Imperialismus nicht unterwirft, auch, wenn sie nur 90 Meilen vor seiner Küste liegt. In der Welt von heute ist dies eher ungewöhnlich, wenn auch schon lange so, denn seit mehr als 67 Jahren ist es keinem imperialen Präsidenten gelungen, sie in die Knie zu zwingen.

Die Insel hat ihre gesamte Bevölkerung alphabetisiert, in allen Provinzen hat sie Universitäten, medizinische Fakultäten und Kunsthochschulen errichtet (1959 gab es nur drei, heute sind es 51 Hochschulen).

Sie hat ein leistungsfähiges, breit gefächertes System wissenschaftlicher Einrichtungen geschaffen, das wirksame Medikamente und Impfstoffe entwickelt, das die Säuglingssterblichkeit auf fünf pro 1.000 Lebendgeburten gesenkt hat und den ersten lateinamerikanischen Kosmonauten ins All schickte.(…) Diese Insel hat eine bedeutende und lebhafte Kultur- und Verlagsbewegung geschaffen, die die Klassengrenzen zwischen Hoch- und Alltagskultur überwunden hat. Der Breitensport wird gefördert – so ist Kuba mit 86 Goldmedaillen zur erfolgreichsten lateinamerikanischen Nation in der Geschichte der Olympischen Spiele geworden.

Gelebte Revolution einer kleinen Insel mit großen Träumen und sozialen Errungenschaften.

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Ein sozialistischer Staat, dessen Prinzipien auch die Solidarität beinhalten; ein Staat, der mit dem Blut Tausender seiner Söhne und Töchter die Unabhängigkeit Afrikas verteidigte und entscheidend zur Niederlage der Apartheid in Südafrika beitrug, der Tausende von Studierenden jenes Kontinents kostenlos in seinen Hörsälen aufnimmt. Ein Staat, der, trotzdem er heute eingekesselt ist, die Unabhängigkeit von Puerto Rico, Palästina, der Westsahara und jedem unterworfenen Volk – egal wie klein oder groß es ist – immer und bis heute verteidigt, denn er hat niemals in geopolitischen Kategorien gedacht und ordnet seine humanistischen Prinzipien niemals irgendeinem Sachzwang unter.

Es ist eine Revolution, die Hunderttausende Ärzte und Pflegekräfte in die unwirtlichsten Winkel von 165 Ländern entsandt hat, um Leben zu retten oder zu erhalten – von Menschen aus überwiegend armen Nationen, aber auch aus reichen Ländern, unabhängig davon, ob deren Regierungen befreundet sind oder nicht (…); Ärzte und Pflegekräfte, die 2016 bereit waren, ihr Leben zu riskieren angesichts der damals noch wenig bekannten Ebola-Erkrankung in Afrika; Menschen, die im Mai 2021 umgehend dem Aufruf gefolgt sind, den 40 von der Coronapandemie betroffene Länder sendeten. Diese Menschen waren in Italien, als die europäische Nation gerade das Weltepizentrum des Virus war.

Wenn eines Tages ein Einsiedler aus seiner Höhle treten und mich beim Anblick eines Plakats mit dem Gesicht von Fidel Castro fragen würde: »Wer war denn dieser Mann?« müsste ich antworten: Es ist das Antlitz von Kuba, dieser kleinen rebellischen Insel, die 1959 im Sturm den Himmel der Freiheit eroberte; aber es ist auch das Antlitz der Hoffnung für Millionen Menschen auf der ganzen Welt. Fidel verkörpert die Überzeugung, dass das Unmögliche zu erreichen ist – nicht mit Worten oder leeren Phrasen, sondern mit Taten wie den beschriebenen; er ist der Mann, der sagte, was zu tun ist, und es tat –, der erste, der in den Kampf zog, der sich den Kugeln, den Fehlern und den Stürmen stellte, den Träumen Flügel verlieh und den Hirngespinsten Beine machte.

Deshalb ist sein Volk ihm gefolgt und liebt ihn. Deshalb hasst ihn der Imperialismus.

Und genau deshalb will die neofaschistische Welle, die wie vulkanische Lava über den Planeten rollt, uns vernichten. (…)Kuba verfügt über einen großen natürlichen Reichtum: sein Volk, sein Vorbild. Die 1962 verhängte Wirtschafts-, Handels- und Finanzblockade, die 1992 (Torricelli-Gesetz), 1996 (Helms-Burton-Gesetz) und in der ersten Amtszeit von Trump durch die Anwendung von 240 neuen Maßnahmen verschärft wurde; sie hat der kubanischen Wirtschaft großen Schaden zugefügt und unserem Volk Leid gebracht, aber sie hat uns nicht aufgehalten. Deshalb hat Washington 2026 eine Seeblockade gegen die Insel angeordnet, die viele unserer historischen Errungenschaften zunichte macht – angesichts der feigen Haltung der meisten Regierungen weltweit, die es vorziehen, wegzuschauen. In den Häfen der Karibik stecken Hunderte Container fest, Container mit Lebensmitteln, mit Medikamenten, mit Ersatzteilen für Reparaturen der Wärmekraftwerke – darunter auch Container mit Spenden, die unter großem Einsatz durch die internationale Solidarität gesammelt wurden. Die Reedereien werden mit Drohungen unter Druck gesetzt, und ihre Herkunftsländer haben nicht das Rückgrat, diese Transporte zu begleiten oder zu verteidigen. In acht Monaten ist nur ein einziger Tanker in einem kubanischen Hafen angekommen. Die Stromausfälle in den Stadtteilen dauern zwischen 20 und 30 Stunden (manchmal auch länger); Trinkwasser oder Gas erreichen zahlreiche Gebiete nicht, die Menschen kochen mit Brennholz oder Kohle.

Erst verkündete Trump, dass Kuba in wenigen Wochen fallen würde; dann setzte er auf den heißen karibischen Sommer. Inzwischen sind acht Monate vergangen, und hier sind wir immer noch. Am 1. September begann das neue Schul- und Ausbildungsjahr – landesweit. Dafür wurden Anpassungen vorgenommen; Studierende, Lehrer und Familienangehörige leisten Unterstützung.

Echte Revolutionen vollbringen Wunder. Ebenso wie die solidarischen Männer und Frauen dieser Welt. Es ist dies das Jahr des 100. Geburtstages des »Großen Magiers« und zugleich das Jahr des heldenhaften Widerstands unseres/seines Volkes.

Kuba bringt Licht, und von euch bekommt es Licht. Dieses Licht wird eines Tages den ganzen Planeten erstrahlen lassen. Männer und Frauen aus dem Land Goethes, von Marx und Rosa Luxemburg, Erben des revolutionären Humanismus vergangener Jahrhunderte, die ihr seid, solidarische Brüder und Schwestern aus aller Welt, vereinigt euch! Danke für eure Solidarität. (…)Eine herzliche Umarmung.

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Erschienen in der Ausgabe vom 18.09.2026, Seite 3, Abgeschrieben

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