Łukaszewicz, Schönfeld, Küster, Heise, Raecke
Wer ahnt, warum der Warschauer Schauspielstar Olgierd Łukaszewicz 2005 im Wahlkampf für den PiS-Kandidaten Lech Kaczyński eintrat? Als Jugendlicher konnte er sich wohl mit den bösen Buben Jacek und Placek aus dem Film »Die zwei Monddiebe« (1962) identifizieren, gespielt von den Zwillingsbrüdern Lech und Jarosław Kaczyński. Denn auch Olgierd hat einen Zwillingsbruder. Er und Jerzy, der Kameramann und Produzent wurde, sind am Montag 80 geworden. Ausnahmsweise standen beide 1969 in »Das Salz der schwarzen Erde« gemeinsam vor der Kamera. Zu den vielen anspruchsvollen Filmen, in denen Olgierd Łukaszewicz bei Andrzej Wajda oder Krzysztof Kieslowski mitwirkte, zählen auch solche mit starker erotischer Konnotation, wie »Geschichte einer Sünde« (1975) und »Sexmission« (1984), die auch in der DDR Erfolg hatten. Hier trat Olgierd Łukaszewicz in den Defa-Filmen »Jörg Ratgeb, Maler« (1978) und »Sonjas Rapport« (1982) auf. Seither hat er noch ein paar Mal in österreichischen und deutschen Filmen mitgespielt, zuletzt 2022/23 in einem »Masurenkrimi« der ARD. Übrigens wurde Olgierd Łukaszewicz bald zu einem vehementen Kritiker der PiS, der er vorwarf, das Rad der Geschichte zurückdrehen zu wollen.
Ein ordentliches Stück Geschichte hat Swetlana Schönfeld miterlebt, die am Mittwoch 75 geworden wäre, aber leider im Mai gestorben ist. Ihre Mutter, eine deutsche Kommunistin, hatte in der Emigration kein Glück. Im Zuge der stalinistischen Säuberungen kam sie unverschuldet in das sibirische Straflager Kolyma im Oblast Magadan. Hier kam Swetlana auf die Welt. Sie war sechs, als Mutter und Tochter 1957 unter der Auflage, absolutes Stillschweigen über die Vergangenheit zu wahren, in die DDR entlassen wurden. Erst als Regisseur Bernd Böhlich, in dessen Filmen sie seit 1988 ein paar Mal mitspielte, 2019 den Film »Und der Zukunft zugewandt« über ihre Geschichte drehte, wurde die Öffentlichkeit darauf aufmerksam.
Swetlana Schönfeld konnte in Berlin Schauspiel studieren, spielte für zwei Jahrzehnte am Maxim-Gorki-Theater große Rollen, etwa die Irina in »Zwei Schwestern«, und trat daneben bei Film und Fernsehen auf, darunter in den Reihen »Polizeiruf 110« (1988–2005) und »Tatort« (1996–2021) in verschiedenen Rollen.
Mit zwanzig Jahren fiel Renate Küster in der Fühmann-Verfilmung »Betrogen bis zum jüngsten Tag« (1956/57) erstmals in einem Defa-Film auf. Als Hauptmannstochter wurde sie ein Opfer hinter der Front. Die aus dem heutigen Gdańsk stammende Westberlinerin spielte dort in Filmen und häufig im Kabarett, in München auch in der »Lach- und Schießgesellschaft«, wo sie mit Dieter Hildebrandt in den Bund der Ehe trat und am Sonnabend ihren 90. Geburtstag feiern kann.
Schlappe 70 wurde am Dienstag Reiner Heise, den man in den vergangenen Jahren auf dem Bildschirm vermisste. Das liegt wohl daran, dass er als Schauspiellehrer voll ausgelastet ist. Begonnen hatte der aus dem Salzlandkreis stammende Schauspieler diese Arbeit 1987, schon sechs Jahre nach dem Studienabschluss an der Hochschule für Schauspielkunst »Ernst Busch«. Er spielte am Theater im Palast und an der Volksbühne. Im Film trat er ab 1982 in kleinen und mittleren Rollen auf, gelegentlich auch in Hauptrollen. So übernahm er bei Bodo Fürneisen 1985 den Hans Geiz in der Fallada-Adaption »Die Geschichte vom goldenen Taler«. Wenige Jahre darauf spielte er einen Rollstuhlfahrer in »Fraktur«, dem Debütfilm von Matti Geschonneck. Im allerletzten Defa-Film, dem metaphernreichen »Novalis« von Herwig Kipping, gab er 1993 den Tod. Mehrfach stand Heise auch bei Frank Beyer vor der Kamera, etwa als Schieber Pinske neben Otto Sander in der Kriminalkomödie »Der Bruch« (1989).
Schließlich sei nicht vergessen, dass der Komponist Hans-Karsten Raecke, der Brücken zwischen moderner Klangkunst und Jazz schlägt, am Sonnabend 85 wird. Gemeinsam mit der Kabarettistin Jane Zahn hat er sich mit der »Musikbrennerei« in Rheinsberg ein Refugium geschaffen, in dem er auch durch eine Ausstellung seiner selbst entwickelten originellen Musikinstrumente führt.
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Das Verwaltungsgericht Berlin hat im Juli 2024 in der ersten Instanz entschieden und die Klage des Verlags 8. Mai abgewiesen. Die Bundesregierung darf die Tageszeitung junge Welt in ihren jährlichen Verfassungsschutzberichten erwähnen und beobachten. Nun muss eine höhere Instanz entscheiden. Seit vielen Monaten warten Verlag und Redaktion inzwischen auf eine Entscheidung des Gerichtes, ob eine Berufung möglich oder gleich ein Gang vor das oberste Gericht nötig ist.
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