Zglinicki, Gregorowicz, Fritzsch
Nur wirklich eingefleischte Marx-Kenner überrascht es nicht zu hören, dass Karl Marx auch Märchen erfunden hat. Für seine Tochter Eleanor entwarf er um 1856 eine Geschichte, die das schreibende DDR-Autorenpaar Ilse und Vilmos Korn zu einem Kinderbuch erweiterte, das Regisseur Hans Kratzert 1973/74 bei der Defa als »Hans Röckle und der Teufel« verfilmte. Neben den Titeldarstellern Rolf Hoppe und Peter Aust übernahm die Neuentdeckung Simone von Zglinicki eine der Hauptrollen. Der Film wurde im Vorfeld ihres 75. Geburtstags am Donnerstag schon am Wochenende im RBB gezeigt. Die Chemnitzerin hatte in Leipzig studiert, wurde noch auf der Schauspielschule für den Film »Für die Liebe noch zu mager?« (1973; kommenden Sonnabend im MDR) entdeckt und beeindruckte so stark, dass sie gleich ans ehrwürdige Deutsche Theater nach Berlin geholt wurde, wo sie unter Generationen von Regiekoryphäen wie Alexander Lang, Wolfgang Heinz, Thomas Langhoff, Konstanze Lauterbach und Michael Thalheimer agierte. Große Breitenwirkung erzielte sie vor Kamera und Mikrofon (über zwei Dutzend Hörspiele). Sie überraschte in ernsthaften wie komischen Rollen, spielte oft Lehrerinnen, stand aber nicht allzuoft im Mittelpunkt der Handlung. Als Staatsanwältin Mitterer stand sie von 2003 bis 2007 im »Tatort« den von Peter Sodann und Bernd Michael Lade gespielten Kriminalisten gegenüber.
Als Fernsehkriminalist ist inzwischen Lucas Gregorowicz bekannt. Von 2015 bis 2022 ermittelte er gelegentlich polnisch parlierend im »Polizeiruf 110« aus Brandenburg. Der Schauspieler hatte am 31. August Geburtstag und kam 1976 in London zur Welt, weil sein polnischer Vater dort lebte, aber danach mit der Familie nach Bydgoszcz zurückkehrte. Gregorowicz spielte in Bochum Theater, danach auch in Zürich, Berlin und Wien. Seit mehr als einem Vierteljahrhundert kennt man ihn aus dem Fernsehen. Er spielte in internationalen Serien wie »Vorstadtweiber« (2015/16), »Oderbruch« (2023) oder »Woodwalkers« (2024/26). In »Totenfrau« konnte man ihn 2025 neben seiner Frau Anna Maria Mühe sehen.
Unzählige Musiken für Filme, Reihen und Serien hat Arnold Fritzsch geliefert, aber sein Schaffen ist sehr vielfältig. Murmel, so sein Spitzname, wuchs im Erzgebirge auf, wo in der Familie die Heimatlieder von Anton Günther gepflegt wurden. Er begann mit Klavierspielen und blies Trompete, kam ans Konservatorium Zwickau, und in Berlin wurde der Filmkomponist Wolfram Heicking sein Lehrer. Als Student gründete Fritzsch die Popgruppe Kreis, die bis 1982 vier erfolgreiche Alben veröffentlichte, durch viele Länder reiste und auch in Westberlin auftreten konnte. In den 90er Jahren wurde Fritzsch Produzent, schrieb Revuen, Musicals und das szenische Oratorium »Hadubrandt« in Zusammenarbeit mit Gymnasien in Berlin-Pankow. Dort wohnt er und wird am Sonnabend seinen 75. Geburtstag feiern.
Wie hat Ihnen dieser Artikel gefallen?
Durchschnittliche Bewertung: 3,0
Das Verwaltungsgericht Berlin hat im Juli 2024 in der ersten Instanz entschieden und die Klage des Verlags 8. Mai abgewiesen. Die Bundesregierung darf die Tageszeitung junge Welt in ihren jährlichen Verfassungsschutzberichten erwähnen und beobachten. Nun muss eine höhere Instanz entscheiden. Seit vielen Monaten warten Verlag und Redaktion inzwischen auf eine Entscheidung des Gerichtes, ob eine Berufung möglich oder gleich ein Gang vor das oberste Gericht nötig ist.
In unseren Augen ist das Urteil eine Einschränkung der Meinungs- und Pressefreiheit in der Bundesrepublik. Aber auch umgekehrt wird Bürgerinnen und Bürgern erschwert, sich aus verschiedenen Quellen frei zu informieren.
Genau das aber ist unser Ziel: Aufklärung mit gut gemachtem Journalismus. Sie können das unterstützen. Darum: junge Welt abonnieren für die Pressefreiheit!
