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Jary, Quinn, Gottschild

Foto: IMAGO
Drei auf einen Streich: Michael Jary, Freddy Quinn, Martin Gottschild (v. l. n. r.)

Unmittelbar nach Kriegsende waren sowjetischen Kulturoffizieren in Berlin auch neue Filme wichtig. So konnte man noch vor Gründung der Defa 1946 »Dob, der Stallhase«, einen kurzen Zeichentrickfilm sehen, in dem eine gefräßige Hyäne stark an Hitler erinnerte und von Mitläufern unterstützt wurde. Die Musik schrieb Michael Jary, der vom Mitläufertum nicht wirklich frei war. 1931 erhielt er den Beethovenpreis für seine Kammermusik, 1977 einen Preis, der nach dem Operettenkomponisten Paul Lincke benannt war. Am Donnerstag vor 120 Jahren wurde der Schlesier Jarczyk bei Katowice geboren, leitete später u. a. einen Arbeiterchor und schrieb moderne Musik, die der Sender Gleiwitz ins Programm nahm und die von deutschnationaler Seite als »undeutsches Gestammel« disqualifiziert wurde. Er änderte seinen polnischen Familiennamen und konnte ab Mitte der 30er Jahre als Schlager- und Filmkomponist arbeiten. Viele seiner Melodien werden bis heute gern gespielt, andere wie »Ich weiß, es wird einmal ein Wunder gescheh’n« oder »Das kann doch einen Seemann nicht erschüttern« galten im Krieg als Durchhalteschlager. Jary liebte den damals verpönten Swing aus den USA, dessen musikalisches Material er vorsichtig kopierte, konnte nach dem Krieg zunächst im sowjetisch kontrollierten Berliner Rundfunk musizieren und betreute den frühen Defa-Film »Straßenbekanntschaft« (1948). Doch besonders im bundesdeutschen Film waren seine Rhythmen gefragt. Bis 1961 schrieb er wieder für seine alten Stars wie Zarah Leander und Evelyn Künneke neue Melodien. Erst dann begann er, sich wieder dem Sound seiner Anfänge zu nähern, und trat mit Musicals, aber auch mit sinfonischen Werken hervor. 1988 starb er in München.

Ob der nach propagiertem Image »ewige Seemann« Freddy Quinn auch Titel von Jary im Repertoire hatte? Tatsache ist, dass der Sänger, der am Sonntag 95 wird, Leben und Laufbahn über Jahrzehnte immer wieder anders darstellte. Was ist wahr, was Legende? Hatte er wirklich als Kind ein paar Jahre in den USA gelebt? Dass er mit 15 von zu Hause ausriss, darf man ihm glauben. Aber versuchte er es wirklich in der Fremdenlegion? Oder beim Zirkus? Das gilt als wahrscheinlich, denn sein artistisches Können hat er auf der Bühne immer wieder bewiesen. Seit seinen ersten Erfolgen in den Schlagerparaden gab er dem Wunsch seiner Plattenfirma Polydor nach, sich als »einsamer Cowboy« mit geheimnisvoller Vergangenheit vermarkten zu lassen – auch eine Art von Mitläufertum. Heute lebt er mit seiner Frau Rosi zurückgezogen in Schleswig-Holstein.

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Vor den »Ärzten« ist Gotti aufgetreten, sein sportliches Können als Rollbrettfahrer stellte er in einem Film unter Beweis, wurde auf Radio eins mit Sven van Thom in der Hörshow »Tiere streicheln Menschen« berühmt und hat dem bis dato stummen Sandmännchen im RBB eine freche Stimme gegeben. Bevor er am Donnerstag 50 wird, wollte Martin »Gotti« Gottschild einen eigenen Film machen. »Die Party« hatte im Frühjahr beim »achtung berlin«-Festival Premiere und handelt von einem absurden 50. Geburtstag. Herzlichen Glückwunsch!

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Erschienen in der Ausgabe vom 23.09.2026, Seite 10, Feuilleton

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