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Tarifstreit an Seehäfen

Deutsche Häfen stehen 48 Stunden still

Warnstreik der Docker an der Küste. Verdi weist Angebot der Kapitalseite als unzureichend zurück

Von Mirko Knoche
Foto: BREUEL-BILD/IMAGO
Lassen alles stehen und liegen: Hafenarbeiter im Warnstreik (Hamburg, 18.8.2026)

Die Hafenarbeiter weisen das neue Tarifangebot des Zentralverbands der deutschen Seehafenbetriebe (ZDS) strikt zurück. Sie treten 48 Stunden lang in den Warnstreik: von Mittwoch abend bis Freitag abend wollen sie die Kaianlagen an der Nordseeküste lahmlegen. Mehr als 80 Prozent der befragten 6.100 Docker hatten bis Montag morgen 5,1 Prozent mehr Lohn bei 18 Monaten Laufzeit klar abgelehnt. Denn die Unternehmer hatten ihr Angebot für die 11.000 Beschäftigten nach einem 24stündigen Ausstand in den sechs Seehäfen Ende August nur minimal nachgebessert: Sie verkürzten lediglich die Laufzeit von 19 auf 18 Monate. Die Höhe von 5,1 Prozent blieb aber gleich.

Die Gewerkschaft hatte 8,2 Prozent mehr Geld für zwölf Monate gefordert sowie mindestens 2,50 Euro mehr pro Stunde. Verdi-Verhandlungsführerin ­Sylvi Krisch bezeichnete die einjährige Laufzeit am Mittwoch im jW-Gespräch als »entscheidendes« Element der Forderung. Die Rückmeldungen der Kolleginnen und Kollegen sind eindeutig: »Das Angebot reicht nicht aus«, hatte sie bereits am Dienstag mitgeteilt. Nun gibt es erneut Warnstreiks an den Kais in Hamburg, Bremen, Bremerhaven, Brake, Wilhelmshaven und Emden, den Flaschenhälsen der Lieferketten in Deutschland. Während des ersten Warnstreiks dieser Tarifrunde im August waren diese fast vollständig zugedreht worden.

Verdi-Tarifbotschafter besprachen die Ergebnisse der dritten Verhandlungsrunde von Anfang vergangener Woche mehrere Tage lang mit der Belegschaft in den Häfen. Die Vorschläge der Hafenbetreiber kamen dort nicht gut an. Zwar boten sie neben den umgerechnet 3,4 Prozent jährlich auch eine soziale Komponente von 1,20 Euro mehr pro Stunde für alle. Im Gegenzug halbierten sie jedoch ihre Offerte einer allgemeinen Urlaubsgelderhöhung von 300 Euro auf 150 Euro. Für Containerbetriebe erhöhten sie deren Sonderzulage um eben jene 150 Euro. Auch das rechnete sich für die Beschäftigten nicht. Am Montag abend hatte die Tarifkommission der Gewerkschaft das Votum der Belegschaft bestätigt.

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Krisch forderte die Hafenbetreiber auf, an den Verhandlungstisch zurückzukehren, »für ein Ergebnis, das den Interessen der Beschäftigten gerecht wird«. Der ZDS reagierte mit »großem Unverständnis«. Und erklärte erneut, man sei an die Grenze der »wirtschaftlichen Möglichkeiten« gegangen. Ein höherer Abschluss gefährde »letztlich auch Beschäftigung und sichere Arbeitsplätze in den deutschen Seehäfen«, munkelte ZDS-Verhandlungsführer Torsten Seebold. Er kennt die Gegenseite, war ab 2014 Verdi-Bundesfachgruppenleiter Häfen bevor er 2019 als Arbeitsdirektor zur Hamburger Hafen und Logistik AG (HHLA) wechselte. Neue Streiks findet er jetzt »unverhältnismäßig«.

»Wer einen Tarifkonflikt lösen will, muss miteinander verhandeln«, sagte André Kretschmar, Landesfachbereichsleiter von Verdi Hamburg, am Mittwoch zu jW. »Der ZDS ist jetzt am Zug, an den Verhandlungstisch zurückzukehren und ein verbessertes Angebot vorzulegen.« Die Kapitalseite will kein neues Datum für eine weitere Verhandlungsrunde nennen. Vielmehr habe man mit dem Angebot bereits die »absolute Grenze« erreicht, sagte ZDS-Sprecher Lennart Albrecht im jW-Gespräch. Gleichwohl erwarte man nun einen erneuten Warnstreik und befasse die zuständigen Gremien mit der Tarifauseinandersetzung. Das bisherige Angebot bewege sich im Branchenvergleich aber am oberen Ende, so Albrecht. Christian Warnke von der HHLA und gleichzeitig Mitglied der Verdi-Tarifkommission beklagte am Mittwoch die »Funkstille« und ergänzte, wer nicht an den Verhandlungstisch wolle, müsse »den Druck von der Straße spüren: Deshalb legen wir nun die Arbeit nieder.«

Allein in Hamburg sind die Beschäftigten in über einem Dutzend Betrieben zum Arbeitskampf aufgerufen. Am Mittwoch abend sollten sie sich bereits an den Streikposten einfinden. Am Freitag wollen sie dann wieder mit einer Demonstration durch den Hafen der Hansestadt ziehen. Ähnliche Aktionen sollten auch in den bremischen und niedersächsischen Häfen mit Beginn der Nachtschicht anlaufen.

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Erschienen in der Ausgabe vom 03.09.2026, Seite 15, Betrieb & Gewerkschaft

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