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Volkswagen in der Krise

Belegschaft fühlt Blume auf den Zahn

Volkswagen-Chef soll seine Pläne im Konzern auf Betriebsversammlungen in Wolfsburg und anderen Werken erklären

Von Mirko Knoche
Foto: Jennifer Kramer/dpa

Oliver Blume muss Rede und Antwort stehen. Auf Betriebsversammlungen soll sich der Konzernchef von Volkswagen am Dienstag der Belegschaft stellen. Mitte Juli hatte ihn die Konzernbetriebsratsvorsitzende Daniela Cavallo in einem Ultimatum dazu aufgefordert, sollte er sein Geraune um Kahlschlagpläne nicht konkretisieren. Im Stammwerk in Wolfsburg fängt die Tour durch den Konzern an, bis zum Monatsende sind in neun Werken des deutschen Autobauers Versammlungen angesetzt. Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies (SPD) besuchte zudem am Montag das VW-Werk in Hannover, das auf Blumes Abschussliste steht. Insgesamt stehen weitere 50.000 Stellen und die Schließung von vier Werken zur Disposition, geht es nach dem Willen des Konzernchefs.

In der Belegschaft machen sich nach jW-Informationen Befürchtungen breit, dass weitere Lohnkürzungen eine Dauerspirale nach unten lostreten könnten. Auch weiteren Stellenabbau solle die Gewerkschaft ablehnen. Die IG Metall hat für den 21. September einen branchenweiten Aktionstag in der Autoindustrie angekündigt, nur fünf Tage vor den Protesten des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB) gegen die Sozialkürzungen der CDU-SPD-Bundesregierung.

In einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung deutete die Chefin der Gewerkschaft IG Metall (IGM), Christiane Benner, vorsichtig Kompromisse an. Die Gewerkschaft und Betriebsräte übernähmen »selbstverständlich Verantwortung« bei den Arbeitskosten, erklärte sie. In einer Aufsichtsratssitzung hatte die IGM die Entlassungs- und Schließungspläne von Blume noch gemeinsam mit dem Land Niedersachsen blockiert. Das Volkswagen-Gesetz des Bundeslands räumt ihnen die Möglichkeit eines gemeinsamen Vetos ein. Einen »Jobkahlschlag« lehnte Benner nun weiterhin ab und warnte den Vorstand vor einer »knallharten Auseinandersetzung«. »Wer an der Existenz von Werken rüttelt, wird die entsprechende Antwort der Belegschaft ernten«, warnte auch der IG-Metall-Bezirk Niedersachsen und Sachsen-Anhalt. Beide erinnerten an das Kürzungspaket von 2024, das die Vernichtung von bereits 50.000 Stellen sowie Einkommenseinbußen vorsieht.

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In einer Umfrage des Betriebsrats im Intranet des Volkswagen-Konzerns hatten die Beschäftigten die »desaströse Kommunikation« des Vorstands bemängelt. Die Kürzungs- und Schließungspläne hatte Vorstandschef Blume zunächst an Medien durchgestochen und nach dem Ultimatum Cavallos im Intranet blumig von »intelligenten Lösungen« gesprochen, die besser seien als Werksschließungen. Dennoch hätten die VW-Werke in Emden, Zwickau und Hannover sowie das Audi-Werk in Neckarsulm »keine wettbewerbsgerechte Belegung«, hieß es. Auch in einem zweiten Interview, kurz vor Ende der Betriebsratsumfrage am Freitag, wurde der VW-Boss nicht deutlicher.

Die Belegschaft hat daher weiter »Angst um ihre Arbeitsplätze«, fasste der Betriebsrat das Ergebnis der Umfrage in einer Stellungnahme zusammen, die jW am Montag vorlag. Die Perspektive der vier Werke sowie der VW-Fabrik in Osnabrück sei weiter offen, heißt es darin. Für Osnabrück denkt der Vorstand über den Einstieg von Rüstungsproduzenten nach. Allerdings sperrt sich der Großaktionär Katar vom Persischen Golf nach Medienberichten gegen die avisierte Beteiligung des israelischen Raketensystemherstellers Rafael. Dagegen hatten sich Betriebsräte und Vertrauensleute aus verschiedenen Volkswagenwerken schon im Frühjahr mit einer Resolution gewendet. In einer Veröffentlichung ruft ein Kasseler Ableger des Bündnisses nun zu Protesten gegen Blumes Kürzungsprogramm auf und fordert einen »entschlossenen Arbeitskampf«.

Tatsächlich sei der »Frust der Kollegen riesig« über das von der Schließung bedrohte Werk in der Stadt, berichtete der Erste Bevollmächtigte der IG Metall Zwickau, Thomas Knabel, am Montag im jW-Gespräch. Die Betriebsversammlung mit Oliver Blume am Mittwoch sei bereits die dritte außerordentliche in diesem Jahr, so der Gewerkschafter. Die Verträge von 2024 würden Produktivität und Flexibilität in Zwickau im Gegenzug zur Standortsicherung verstärken, erklärte er. Mit der Aufsichtsratssitzung bei Volkswagen Anfang September und dem Aktionstag der Autoindustrie am 21. des Monats zeigten die Beschäftigten ihre Bereitschaft, diese Verträge einzuhalten.

Hinweis: In einer ersten Fassung des Artikels hieß es, Christiane Benner habe sich gegenüber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom Freitag geäußert. Es war aber gegenüber der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. (jW)

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Erschienen in der Ausgabe vom 25.08.2026, Seite 5, Inland

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