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Die Prorussen sind da

Foto: Stefan Boness
Druschba heißt Freundschaft: Friedensbewegte trotzen der anschwellenden Kriegshetze (Berlin, 3.10.2025)

Was dem israelischen Minister Itamar Ben-Gvir die Palästinenser, sind einigen deutschen Journalisten »die Russen«: nicht lebenswert. Am 5. November 2022 jubelte zum Beispiel der damalige Bild-Redakteur Julian Röpcke auf Twitter, die ukrainische Armee habe »Hunderte Russen zu Dünger« gemacht. Am 8. August erkundigte sich FAZ-Korrespondent Michael Martens bei Wolodimir Selenskij: »Können Sie uns Europäern sagen, was wir konkret tun können, um Ihnen zu helfen, mehr Russen zu töten … russische Soldaten natürlich?«

Die Ostdeutschen, wähnt das ZDF-Magazin »Frontal« am Dienstag, zählen zur Ethnie der »Prorussen«. Moderatorin Ilka Brecht leitete einen Beitrag über »Die Ostdeutschen und Russland – eine besondere Beziehung« mit der Bemerkung ein, an Gedenktagen versammelten sich in Magdeburg, Torgau oder Berlin »Menschen unter prorussischen Fahnen« – der Volksstamm hat einen eigenen Wimpel. Beim Ruf nach Frieden und »Druschba« bleibe es aber nicht, die Unterstützung werde »mitunter militant« und rufe sogar die Bundesanwaltschaft auf den Plan. Was Recherchen von Markus Thöß zeigten.

Die bestehen darin, dass Kundgebungen an den genannten Orten gezeigt werden und die Ermittlungen des Bundesanwalts gegen den Verein »Friedensbrücke« nachgeplaudert und als Schuldspruch gewertet werden. Journalistisch sauber verbindet Thöß dabei zwar die April-Demonstration im sächsischen Torgau mit Wahlkämpfen, »vergisst« dabei lediglich, dass es sich um die unabhängig von Wahlkämpfen jährlich stattfindende Erinnerung an das Treffen von Roter Armee und U. S. Army am 25. April 1945 an der Elbe handelt.

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Zumal es stromabwärts in Magdeburg »einige Tage später« – vermutlich am 8. oder 9. Mai – »schärfere Töne« gibt. In Torgau sagten die Interviewten etwas von Frieden, Diplomatie und Erkenntnis – schlimm genug. In Magdeburg bestand das Schärfere darin, dass ein Redner des Kanzlers Wort von der »Barbarei«, die in Russland herrsche, aufgriff und daran erinnerte, dass etwa Heinrich Himmler 1943 das auch schon gesagt hatte. Da Thöß den Redner nicht nach dessen Namen fragte, blendete er ein: »Wolfgang Dockhorn, stellv. Vorsitzender RotFuchs«. Der war es zwar nicht, aber wozu Ostdeutsche, die man zitieren will, nach ihren Namen fragen?

Der Rest ist aus einem Verfassungsschutzdossier: Zwei aus der »Friedensbrücke« sitzen seit Januar in U-Haft – rechtsstaatlich einwandfrei als Prorussen identifiziert, also schuldig. Hubertus Knabe, den Thöß für einen Historiker hält, darf kommentieren und Ähnliches mehr. Ein publizistischer Aufruf, mit den ostdeutschen Prorussen endlich Schluss zu machen. Aber einer mit Recherche. (as)

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Erschienen in der Ausgabe vom 20.08.2026, Seite 2, Ansichten

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