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Hurra, wir fahren zum Boykott! (Teil 4 und Schluss)

Foto: Agencia MexSport/IMAGO
Auf und davon (Japan gegen Brasilien, Atlanta, 26.7.1996)

Einen wunderschönen guten Morgen! So wie es verboten ist, zu verbieten, könnte man auch den Boykott boykottieren. Nicht jedermanns Sache. Zwei Egos sind mehr als ein Ego, und Minderheitenschutz wird selbst bei den depperten sogenannten Gutmenschen gerade mal wieder kleingeschrieben. Vom WM-Boykott eines ganzen Kontinents habe ich Ihnen bereits im ersten Teil dieser Abhandlung berichtet. Lange bevor Nigeria 1996 auf skurrile, geradezu absurde Weise im Finale von Atlanta gegen Argentinien Olympiagold gewann und zeitweilig zur Fastmacht im Weltfußball aufstieg, wurde Ghana 1966 der WM-Titel gestohlen. Böse FIFA.

Atlanta, das waren die 26. Olympischen Sommerspiele. Erstmals fand auch ein Fußballturnier der Frauen statt. Es gab keine eigenen Qualifikationsspiele dafür, man nahm die acht besten Teams der WM 1995. Afrikanerinnen waren nicht dabei, sie waren nicht vorgesehen. Nicht nur FIFA und Infantino sind scheiße. Die Brasilianerinnen waren eigentlich nicht qualifiziert, durften aber trotzdem. Dafür wurden die Engländerinnen mit fadenscheiniger Begründung rausgehalten. Während beim Männerturnier drei Spieler über 23 Jahre alt sein durften, hieß es bei den Frauen: mindestens 16. So geht Kommerz. Und hernach mandeln sich dann die Funktionäre mit Kussattacken auf? Erste Olympiasiegerinnen im Fußball wurden damals im Sanford Stadium von Athens/Georgia die gastgebenden USA von Mia Hamm (276 Länderspiele, 158 Tore) im Finale gegen China (2:1) vor der Rekordkulisse von knapp 77.000 Zuguckern und ‑innen. Die Japanerinnen verloren alle ihre Spiele.

Für das Männerturnier hatte sich Deutschland nicht qualifizieren können. Kommt vor. Erfolg ist kein Selbstläufer. Argentinien erreichte erstmals nach 1928 (Silber nach zwei historischen Finals gegen Uruguay inklusive Wiederholungsspiel) sensationell wieder das Endspiel. In dem standen erstmals seit eben 1928 nicht nur kein europäisches Team – Europa kam auch nicht aufs Podium. Bronze holte sich Brasilien mit einem 5:0 (ausgerechnet) gegen Portugal; den Torjägertitel teilten sich Bebeto, Brasiliens WM-Held von 1994, sowie der Argentinier Hernán Crespo mit jeweils sechs Einlochungen. Für das Brasilien von Legende Mário Zagallo kickten unter anderem auch Roberto Carlos, Dida, Rivaldo und Ronaldo. Dieses Starensemble verlor gleich zum Auftakt gegen Japan mit 0:1, besiegte jedoch Nigeria, jedenfalls in der Gruppe. Im Halbfinale verlor Brasilien dann gegen Nigeria mit 3:4 nach Verlängerung. Im Finale, gepfiffen von Pierluigi Collina, versetzte Emmanuel Amuneke den Gauchos in der letzten Minute mit seinem Treffer zum 3:2 den Todesstoß. Brachte ihm ein nicht von Erfolg gekröntes Engagement bei Barça ein.

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1973 kam es zu einer Farce in den WM-Playoffs zwischen der Sowjetunion und Chile. Das Hinspiel in Moskau endete 0:0. Die Sowjets weigerten sich, nach massenhaften Exekutionen von Regimegegnern durch die Pinochet-Putschisten im Estadio Nacional in Santiago de Chile eben dort zum Rückspiel anzutreten. Die FIFA weigerte sich, das Spiel zu verlegen. Die Sowjets reisten nicht an. Es kam zu einem Geisterspiel. Anpfiff, elf Chilenen gegen niemanden, Tor. Anstoß des Gegners unmöglich, Abpfiff, Chile qualifiziert. So geht FIFA.

1982 überschattete der Falklandkrieg die WM zu Spanien. Einen Tag nach der Niederlage von Titelverteidiger Argentinien gegen Vizeeuropameister Belgien im Eröffnungsspiel kapitulierte Argentinien vor dem Aggressor. Der Krieg war aus. Im Falle eines potentiellen Matches von England, Schottland oder Nordirland gegen die Elf von Diego Armando Maradona hätte Downing Street eingegriffen und das entsprechende Team nach Hause beordert. Margaret Thatcher, das große Idol von Javier Milei. Der damalige Sportminister Michael Heseltine: »Die Fußballautoritäten hatten uns versichert, eine Entscheidung unserer Regierung für einen Boykott mitzutragen.«

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Erschienen in der Ausgabe vom 09.09.2026, Seite 16, Sport

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