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06.05.2026
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Noch wach
Deutschlandfunk Kultur sendet fünf »Begegnungen mit dem Dichterkomponisten Gerhard Rühm« von Florian Neuner und Carolin Naujocks
Es war beim Sprachsalz-Festival 2016 in Pforzheim. Die Lesungen hatten ein Ende gefunden, da begaben sich die eher jungen Wortwerkerinnen und -werker lange vor Mitternacht in ihre Hotelbetten. Nur einer war noch lange nicht müde: Gerhard Rühm, damals schon weit über 80 Jahre alt, winkte mit Getränkebons und lud in die Bar ein. Das Angebot konnte natürlich nicht ausgeschlagen werden, das wäre unhöflich gewesen. Munter geredet und getrunken wurde bis drei in der Früh.
Zehn Jahre später, so der österreichische Schriftsteller, Rundfunk- und jW-Autor Florian Neuner, ist Rühm, der in allen Kunstgattungen zu Hause ist, in seinem Werk Literatur, Musik und bildende Kunst vernetzt und mit seinen Freunden von der Wiener Gruppe (Friedrich Achleitner, H. C. Artmann, Konrad Bayer und Oswald Wiener) maßgeblich die experimentelle Nachkriegsavantgarde prägte, noch immer hellwach. Neuner hat zusammen mit Carolin Naujocks, Redakteurin für Neue Musik, in Köln und Wien zwischen November 2023 und Februar 2026 fünf Gespräche mit dem heute 96jährigen Multiartisten geführt, um sich seinem Werk von der musikalisch-akustischen Seite her zu nähern.
Am 6. Mai beginnt der Deutschlandfunk Kultur in seiner »Konzert«-Reihe die Serie »Begegnungen mit dem Dichterkomponisten Gerhard Rühm«. Die jeweils zweistündigen Sendungen werden in fünf aufeinanderfolgenden Wochen mittwochs um 20 Uhr ausgestrahlt. Der Auftakt behandelt die »Anfänge in Wien«: Rühm begann seine künstlerische Laufbahn als Musiker, fand jedoch auch bald zum Zeichnen und zur Dichtung. Die restlichen vier Teile sind Facetten des Werks gewidmet. »Die Wiener Gruppe und der Berliner Kreis« (13.5.) stehen im Mittelpunkt der zweiten Sendung. Sie ist eine musikalisch-akustische Annäherung an diesen künstlerischen Freundeskreis und an spätere Kooperationen in Berlin. Mit seiner die medialen Grenzen überschreitenden Poesie war Gerhard Rühm ein wichtiger Exponent der internationalen Nachkriegsavantgarde und der konkreten Poesie. Das war in Österreich vielen zu radikal, weshalb er schließlich nach Berlin auswich. Die dritte Sendung behandelt den Komponisten Gerhard Rühm (20.5.). Dieser erhielt entscheidende Anregungen von Arnold Schönberg, Anton Webern und dem Zwölftonkomponisten Josef Matthias Hauer, bei dem Rühm 1953/54 Privatunterricht nahm. Aber auch sein spezifisch musikalisches Werk lebt von Übertragungen aus anderen Metiers, um neue Beziehungen zu stiften. »Der transdisziplinäre Künstler« (27.5.) Rühm bewegt sich nicht bloß im Grenzbereich zwischen den Künsten. Ein wesentlicher Motor seiner Arbeit ist die Übertragung von Prinzipien der einen Kunst in die jeweils andere, etwa von der Musik in die Literatur oder von der Literatur in die bildende Kunst. »Gerhard Rühm als Radiokünstler« (3.6.) schließlich trug einiges zur Entwicklung des »Neuen Hörspiels« bei.
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