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Spanischer Bürgerkrieg

Kampf um Kontrolle

Vor 90 Jahren putschte das spanische Militär gegen die Republik. In den ersten Tagen entschied sich, welche Stadt unter wessen Herrschaft fiel. In der besonders umkämpften Hauptstadt Kataloniens siegte die Linke. Über Barcelona im Juli 1936

Foto: Scherl/SZ Photo/picture alliance
Spontan errichteten die anarchistische Organisation FAI und die Gewerkschaft CNT im Zentrum von Barcelona Barrikaden, um die Putschisten aufzuhalten – mit Erfolg (18.7.1936)

Oft sind es Bilder, die einen Zeitabschnitt, ein historisches Geschehnis oder gar eine ganze Epoche am besten widerspiegeln. Als Konterrevolutionäre 1960 im Hafen von Havanna den belgischen Dampfer »La Coubre« sprengten, der Waffen für den jungen Staat geladen hatte, lichtete der kubanische Fotograf Alberto Korda die Mitglieder der kubanischen Führung ab, die an der Trauerfeier für die Opfer des Sabotageaktes teilnahmen. Darunter war auch Ernesto Che Guevara. Die Aufnahmen von ihm blieben zunächst unbekannt – bis sie der italienische Kommunist und Verleger Giangiacomo ­Feltrinelli entdeckte und verbreitete. Er machte aus dem Bild des »Guerrillero Heroico« die bisher meistreproduzierte Fotographie der Welt. Guevara wurde damit zum Symbolbild der 68er Bewegung und des antiimperialistischen Kampfes weltweit.

Vierundzwanzig Jahre zuvor war in Barcelona eine Fotografie entstanden, die – ebenso wie die Aufnahme Robert Capas, die einen fallenden, von einer Kugel getroffenen Milizionär zeigt – zu einer Ikone des Spanischen Krieges wurde. Der Deutsche Hans Gutmann, der als Kommunist und Jude aus Nazideutschland emigrieren musste und seinen Namen zu »Juan Guzmán« hispanisiert hatte, fotografierte am 21. Juli 1936 die 17jährige Marina Ginestá auf dem Dach des Hotels »Colón«. Gekleidet war sie in den »mono azul«, der typischen Kleidung der Milizionärinnen und Milizionäre, und bewaffnet mit einem uralten Mauser-Gewehr von 1893. Später wurde, das gleiche Gewehr tragend, auch der deutsche Schriftsteller und Offizier Ludwig Renn von Gutmann aufgenommen. Renn machte damit allerdings keinen besonders kriegerischen Eindruck.

Das Hotel »Colón«, das heute nicht mehr existiert, gehörte 1936 zu den besten und luxuriösesten Hotels Barcelonas und war vollständig belegt durch Gäste, die wegen der geplanten »Volksolympiade«, die am 19. Juli beginnen sollte, nach Barcelona gekommen waren. Die Volksolympiade war als gezielte Gegenveranstaltung geplant worden zu der in Berlin stattfindenden offiziellen Olympiade (1. bis 16. August 1936), die von den Nazis für ihre Propaganda missbraucht wurde. Die Organisation hatte das Katalanische Komitee für Volkssport (Comitè Català pro Esport ­Popular) übernommen, in dem sich verschiedene Arbeiter- und Volkssportverbände zusammengeschlossen hatten. Die »Olimpiada Popular« sollte ein entschiedener Protest gegen den Faschismus werden und zugleich den Amateur- und den Breitensport fördern. Es hatten sich rund 6.000 Athleten aus 23 Ländern angemeldet, unter ihnen waren auch Exilanten und politische Flüchtlinge aus Deutschland und Italien. Neu war, dass auch Wettkämpfe in Schach, Volkstanz, Musik und Theater ins Programm aufgenommen worden waren. Angesichts des Ausbruchs des Bürgerkriegs mussten die Volksolympiade allerdings abgesagt und die Hotelgäste evakuiert werden. Etwa 200 Athleten, vor allem aus Deutschland und Italien, blieben, um die Republik und die rasch entstehenden Milizen zu unterstützen.

Lang geplanter Putsch

Gerüchte, dass rechtsgerichtete Militärs gegen die Regierung, die von einem nach den Februarwahlen entstandenen Linksbündnis gestellt wurde, putschen würden, hatte es zuvor immer öfter gegeben. Die in der reaktionären Unión Militar Española organisierten reaktionären Generäle und Offiziere fürchteten nicht nur antikapitalistische, antifeudale und antiklerikale Maßnahmen der Linken, sondern auch eine Reform des Heeres. Das Militärjahrbuch von 1936 verzeichnete 24 Divisionsgeneräle, 27 Brigadegeneräle, 389 Generäle des Spezialkorps und 411 Generäle der Reserve. Offenbar war das aber nicht genug, daher wurden noch 319 Offiziere ehrenhalber zu Generälen befördert. Spanien hatte zu dieser Zeit ein stehendes Heer von 125.000 Mann. Somit kamen auf einen General 150 Soldaten. Bei einer möglichen Reduzierung der Stellen im Zuge einer Heeresreform gab es für das Offizierskorps also viel zu verlieren.

Die Putschpläne der Generäle José Sanjurjo, Emilio Mola, Gonzalo Queipo de Llano, Francisco Franco und Manuel Goded Llopis waren schon länger fertig ausgearbeitet. Laut dem rechten Narrativ sei der Putsch allerdings eine spontane Reaktion auf die Ermordung von José Calvo Sotelo, dem Führer der monarchistischen und antirepublikanischen Partei Renovación Española, am 13. Juli 1936 gewesen. Am 12. Juli hatten extrem rechte Falangisten in Madrid den jungen sozialistischen Polizeileutnant José Castillo erschossen. Noch in der gleichen Nacht schworen seine aufgebrachten Kameraden von der Guardia de Asalto (Sturmgarde) und einer sozialistischen Milizeinheit Rache. Sie fuhren zu Calvo Sotelo und erklärten, sie müssten ihn zur Generaldirektion für Sicherheit bringen. Nach kurzer Fahrt schoss ihm der sozialistische Milizionär Luis Cuenca Estevas zweimal in den Nacken. Die Leiche legten die Attentäter vor den Toren eines Friedhofs ab. Cuenca Estevas ging später mit einer Milizeinheit in die Sierra de Guadarrama und fiel dort bei der Verteidigung des Bergpasses Somosierra. Er habe den Tod gesucht, meinten seine Genossen, da er seinen Mord nicht hatte verarbeiten können.

Am 17. Juli begann der Militärputsch in Spanisch-Marokko, die Putschisten versuchten, den Süden des Landes unter ihre Kontrolle zu bringen. Ursprünglich war der von der Republik wegen seiner antirepublikanischen Absichten ins portugiesische Exil verbannte General José Sanjurjo als Führer des Aufstands und zukünftiges Staatsoberhaupt vorgesehen. Er starb allerdings am 20. Juli, als sein völlig überladenes Flugzeug kurz nach dem Start abstürzte. Durch seinen Tod wurde der Weg für Francisco Franco als zukünftigen »Caudillo« (Führer) frei.

In Barcelona hatte der lokale Befehlshaber der putschenden Truppen, General Álvaro Fernández Burriel, bei Beginn des Putsches den Befehl gegeben, dass die in den Kasernen der Stadt stationierten Soldaten um 4.30 Uhr ausrücken sollten, um in mehreren Kolonnen ins Zentrum der Stadt vorzustoßen und strategisch wichtige Orte wie das Telefonamt (Telefónica), den Gouverneurspalast, die Regierungsgebäude und die Plaça de Catalunya zu besetzen.

Eine Frage der Loyalität

Das Hotel »Colón« lag in der umkämpften Zone rund um den Plaça de Catalunya, und hier befand sich auch die strategisch wichtige Telefónica, das Herz des Kommunikationsnetzes der Stadt. Am 19. Juli wurde das Hotel »Colón« von der Außenwelt abgeschnitten, das Gebäude von Gewehrkugeln und Granaten getroffen. General Burriel hatte die Aufgabe, das Kommando bis zu dem Zeitpunkt zu übernehmen, an dem der ranghöhere Manuel Goded Llopis von Mallorca aus in Barcelona eintreffen sollte. Weil die republikanische Regierung dem General, der sich im Rifkrieg in Marokko ausgezeichnet hatte und über hohe Autorität in der Armee verfügte, schon früh misstraute, hatte sie ihn als Militärgouverneur auf die Balearen versetzt. Obwohl er dem dortigen Zivilgouverneur erklärt hatte, dass er für militärische Abenteuer zu alt sei, befahl er am 18. Juli den auf Mallorca stationierten Armeeeinheiten, der rechtmäßigen Regierung den Gehorsam zu verweigern, die Kontrolle über die Insel zu übernehmen und die Macht mit der mallorquinischen Falange zu teilen. Am Nachmittag des 19. Juli flog er mit einem Wasserflugzeug nach Barcelona, um dort das Oberkommando zu übernehmen.

Inzwischen aber hatte sich die Situation in Barcelona völlig geändert. Etwa 5.000 Soldaten der nationalistischen Putschisten hatten ihre Kasernen am Stadtrand verlassen und versucht, ins Stadtzentrum zu gelangen. Die putschenden Truppen waren jedoch sofort auf den erbitterten Widerstand von bewaffneten Arbeitermilizen, vor allem der Milizen der anarchosyndikalistischen CNT (Confederación Nacional de ­Trabajo), aber auch von loyal gebliebenen Sicherheitskräften wie der Guardia de Asalto, der Guardia Civil (circa 1.500 Personen) und der katalanischen Regionalpolizei Mossos d’Esquadra (circa 2.000 Personen), gestoßen. Die Guardia de Asalto war erst in der Zweiten Spanischen Republik geschaffen worden und vor allem im Stadtgebiet tätig. Sie blieb in der Regel der Republik treu. Von der mehr in ländlichen Gebieten tätigen Guardia Civil hatten die Putschisten allerdings erwartet, dass sie sich dem Aufstand anschließen würde. Dass der Kommandant der Guardia Civil der Republik loyal blieb, wirkte sich entscheidend auf die Kämpfe in Barcelona aus.

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Auf den Hauptstraßen der Stadt wie der Avinguda del Parallel und den Ramblas wurde den aufständischen Soldaten ein erbitterter Widerstand entgegengesetzt, Barrikaden wurden errichtet. Die anarchistische Gewerkschaft CNT und die sozialistische UGT (Unión General de Trabajadores) waren schon vor dem 19. Juli in Alarmbereitschaft gewesen und hatten von der katalanischen Regierung, der »Generalitat«, Waffen gefordert. Dies wurde zwar zunächst abgelehnt, doch verfügten die Gewerkschaften bereits über milizartige Verbände und heimlich angelegte eigene Waffenvorräte. So konnten sie rasch Barrikaden errichten und strategisch wichtige Punkte besetzen. Überall in der Stadt heulten Sirenen, Tausende Arbeiter, Angestellte und antifaschistische Intellektuelle versperrten die Straßen und plünderten Waffenläden, um sich auszurüsten.

»Es ist zu spät«

Entscheidend war nun, wie sich die spanische Regierung verhielt: Bis zum 18. Juli 1936 war die Regierung von Ministerpräsident Santiago Casares Quiroga im Amt. Er trat aber zurück, als die Nachrichten aus Marokko eintrafen, weil er – aus Angst vor sozialen Veränderungen – keine Waffen an die Arbeitermilizen übergeben wollte. Am 19. Juli ernannte Staatspräsident Manuel Azaña dann Diego Martínez Barrio zum Ministerpräsidenten. Dieser versuchte sofort, sich mit den putschenden Generälen zu verständigen. In den Morgenstunden des 19. Juli rief Martínez Barrio persönlich General Emilio Mola, den Hauptorganisator des Putsches, in Pamplona an und bot ihm weitgehende Zugeständnisse an – zum Beispiel die Beteiligung des Militärs an der Regierung und sogar das Verbot bestimmter linker Organisationen. Molas Antwort war entschieden und ablehnend: »Es ist zu spät, Señor Martínez Barrio. Sie haben Ihre Basis und ich die meine. Wenn wir einen Kompromiss schließen würden, hätten wir beide unsere eigenen Leute verraten. Ein Abkommen ist unmöglich.«

Das Telefonat blieb natürlich nicht geheim. Noch am Morgen wurde es bekannt und löste heftige Proteste der Arbeiter und der Gewerkschaften aus, die den Rücktritt von Martínez Barrio forderten. Er war zu der Zeit weniger als zwölf Stunden im Amt. Es muss aber erwähnt werden, dass er in der Folgezeit zu den entschiedenen Verteidigern der Republik gehörte. Noch am Abend des 19. Juli ernannte Azaña jedoch seinen engen Vertrauten José Giral Pereira zum neuen Ministerpräsidenten. Dieser traf dann die folgenreichste Entscheidung dieser Zeit, vielleicht sogar des ganzen Krieges. Alle Vorgängerregierungen hatten sich aus Angst vor einer sozialen Revolution geweigert, an linke Zivilisten Waffen auszugeben. Da aber immer mehr Militärgarnisonen zu den Putschisten überliefen, hatte die Regierung kaum noch reguläre Truppen, um die Republik zu verteidigen. Deshalb erließ Giral am 20. Juli 1936 das Dekret zur Auflösung aller putschenden Armeeeinheiten und befahl die offizielle Ausgabe von Waffen an die Gewerkschaften UGT und CNT sowie an linke Parteien. In den Industriezentren Barcelona, Madrid, Valencia und im Baskenland wurde dies rasch umgesetzt. In Madrid wurden einige zehntausend Gewehre ohne die Schlagbolzen übergeben, die im Keller der Montaña-Kaserne gelagert waren. Die Arbeitermilizen mussten also erst diese Kaserne stürmen, um die Gewehre schussbereit machen zu können.

Foto: Agencia EFE/imago imago74508433.jpg
Ein Foto, das um die Welt ging: Marina Ginestá auf dem Dach des Hotels »Colón«

Die Lager sortieren sich

Dank der Bewaffnung konnte der Putsch – zumindest in den großen industriellen Zentren – innerhalb von 48 Stunden erfolgreich niedergeschlagen werden. Darunter litt aber auch die staatliche Autorität, da nunmehr die Macht bei den Milizen und den revolutionären Komitees lag.

In Barcelona war die im Norden der Stadt gelegene Kaserne San Andrés (Sant Andreu) der wichtigste Militärstützpunkt. Als sie gestürmt worden war, konnten die Milizionäre etwa 30.000 Gewehre erbeuten, was die Machtverhältnisse in Katalonien erheblich beeinflusste. Auf der Plaça de Catalunya war es zu blutigen Barrikadenkämpfen gekommen, bevor schließlich die Putschisten aus dem Hotel »Colón« und dem Militärkasino geworfen werden konnten. Die härtesten Kämpfe aber fanden rund um die Atarazanas-Kaserne statt, die am Ende der bekannten Promenade Las Ramblas lag. Die Kaserne, gegen die leichte Artillerie und sogar ein Flugzeug der Luftwaffe eingesetzt wurden, fiel nach härtesten Kämpfen erst am Nachmittag des 20. Juli. Auch prominente Führer der Anarchisten wie Buenaventura Durruti und Francisco Ascaso waren an diesem Erfolg beteiligt, doch Ascaso fiel beim Sturm auf die Kaserne durch einen Kopfschuss. Nach ihm wurde später eine CNT-nahe Milizeinheit benannt. Eine wichtige Rolle spielte auch der Militärarzt Federico Escofet, der als katalanischer Sicherheitskommissar die Verteidigung der Stadt plante und das Zusammenwirken der loyalen Guardia de Asalto mit den Arbeitermilizen koordinierte.

Der Kommandeur der regulären Truppen der IV. Division in Barcelona, der General Francisco Llano de Encomienda, hatte sich geweigert, sich den Putschisten anzuschließen, war aber von Unteroffizieren seiner Einheit in seinem Hauptquartier festgesetzt worden. Sowohl die republikanische Führung als auch die anarchistischen Milizen misstrauten ihm fortan und warfen ihm vor, er habe den Aufstand nicht energisch genug bekämpft. Im Mai 1937 wurde er daher nach schweren Niederlagen im Krieg, die er jedoch nicht allein verschuldet hatte, als Kommandeur abgesetzt. Gefahr drohte ihm aber in den Julitagen 1936 vor allem von den Putschgenerälen, die ihn zum Tode verurteilten. Das Urteil sollte von General Goded nach dessen Ankunft in Barcelona vollstreckt werden.

Goded war am Nachmittag des 19. Juli mit einem Wasserflugzeug nach Barcelona geflogen, wurde aber durch ein verabredetes Zeichen vorgewarnt, dass der Putsch in der katalanischen Stadt misslungen war. Er flüchtete sich nach der Landung in die Capitanía General, das militärische Hauptquartier im Hafen. Hier wäre er fast von einer aufgebrachten Menschenmenge gelyncht worden, hätten ihn nicht Caridad Mercader, eine bekannte Kommunistin, und der Anarchist ­Durruti in ihren Schutz genommen. Goded wurde zu Lluís Companys, dem Ministerpräsidenten der katalanischen Landesregierung, gebracht. Dieser brachte ihn dazu, eine Rundfunkrede zu halten, in der er dann sinngemäß sagte: »Das Schicksal war mir nicht günstig gestimmt, und ich bin gefangengenommen worden. Ich sage dies allen jenen, die mir gefolgt sind, damit sie sich nicht weiter im Kampf engagieren. Ich entbinde sie von jeder Verpflichtung, die sie mir gegenüber eingegangen sind.« Nach dieser Rede wurde Goded auf dem Gefängnisschiff »Uruguay« im Hafen von Barcelona inhaftiert. Am 11. August wurde ihm der Prozess gemacht, er übernahm die volle Verantwortung über den Aufstand in Barcelona. Das Gericht verurteilte ihn wegen Hochverrats und militärischer Rebellion zum Tode. Nur einen Tag später, am 12. August 1936, wurde er gemeinsam mit dem General Fernández Burriel im Graben der Festung Castell de Montjuïc hingerichtet. Durch seine Rundfunkansprache wurde Goded von den anderen Putschgenerälen als Verräter betrachtet, in der späteren franquistischen Erinnerungskultur kam er nicht mehr vor.

Wahrscheinlich wäre auch Caridad Mercader, die Frau, die Goded vor der Lynchjustiz gerettet hatte, vergessen worden, hätte nicht ihr Sohn Ramón Mercader 1940 in Mexiko den dort im Exil lebenden Leo Trotzki mit einem Eispickel erschlagen. Caridad war eng mit dem hohen Offizier des sowjetischen Volkskommissariats für Innere Angelegenheiten (NKWD), Naum Eitingon, befreundet, der sich in Spanien »General Kotow« nannte und bis 1938 der Stellvertreter des NKWD-Residenten Alexander Orlow war (der in Wirklichkeit Leiba Feldbin hieß). Es ist anzunehmen, dass Ramón über diese Verbindungen seiner Mutter von dem Geheimdienst entdeckt und für die Aktion in Mexiko ausgebildet wurde.

Ramón Mercader war mit der eingangs erwähnten Marina Ginestá liiert, sie wurde als seine »novia« bezeichnet, was so viel wie »Verlobte« bedeutet. Erhalten geblieben ist ein Bild, auf dem beide nebeneinander auf einer Demonstration im März 1936 zu sehen sind, mit der die Freilassung von Lluís Companys aus dem Gefängnis gefeiert wurde. Companys war im Oktober 1934 wegen des Ausrufens der katalanischen Unabhängigkeit zu einer Gefängnishaft verurteilt worden. Ginestá war Mitglied der Joventut Socialista Unificada de Catalunya, einer kommunistischen Jugendorganisation, die am 12. April 1936 gegründet worden war.

Hauptquartier im Hotel

Als sich am 23. Juli 1936 in Barcelona die Unió Socialista de Catalunya, der Partit Comunista de Catalunya, der Partit Catalá Proletari und die ­Federació Catalana del PSOE zum Partit Socialista Unificat de Catalunya (PSUC) zusammenschlossen, wurde Ginestá Mitglied der neuen Partei. Die Gründung des PSUC führte dazu, dass erstmals in einem Land zwei von der Kommunistischen Internationale anerkannte kommunistische Parteien existierten. Laut Statut der Komintern durfte es in einem Land eigentlich nur eine kommunistische Partei geben, doch da zugleich die katalanische Autonomie akzeptiert wurde, machte man hier eine Ausnahme.

Der PSUC besetzte das inzwischen leerstehende Hotel »Colón«, das bis zum Fall von Barcelona sein Hauptquartier bleiben sollte. Hier hatten dann auch die deutsche Vertretung sowie die KPD-Abwehr ihren Sitz. Als der sowjetische Journalist und Chefredakteur der Prawda, ­Michail Kolzow, der fließend Französisch, aber weder Spanisch noch Catalan sprach, dort einen Dolmetscher benötigte, wurde ihm seitens des PSUC Marina Ginestá empfohlen. Kolzow setzte ihr in seinem Bestseller »Spanisches Tagebuch« ein literarisches Denkmal und widerlegte darin auch die Legende, dass Marina bis zu der Episode mit Hans Gutmann und auch danach nie ein Gewehr in der Hand gehabt habe. Kolzow schrieb von einem alten Gewehr, von dem sie sich nie getrennt und das sie immer mit sich herumgeschleppt habe. Ihr Bruder Albert hatte an den Kämpfen auf der ­Plaça de Catalunya teilgenommen, ein enger Freund der Geschwister war dort gefallen. Auch Ginestás Sohn erzählte nach dem Tod seiner Mutter der niederländischen Historikerin Yvonne Scholten, dass sie durchaus an den Kämpfen teilgenommen habe.

Ginestá wurde auch als Dolmetscherin herangezogen, als Kolzow am 14. August 1936 in ­Bujaraloz sein legendäres Interview mit Durruti führte, in dem dieser erklärte, der Kampf gegen den Faschismus müsse mit der sozialen Revolution verbunden werden. Es stellte sich aber heraus, dass Durruti perfekt Französisch sprach, so dass keine Dolmetscherin notwendig war. Marina war das recht, sie hätte inhaltlich ohnehin zuwenig verstanden, erzählte sie später lachend.

Betriebe kollektiviert

Nachdem die Putschisten am 20. Juli besiegt und die Streitkräfte entwaffnet worden waren, lag die Macht vor allem in den Händen der Milizen der CNT und ihres politischen Arms, der Federación Anarquista Ibérica (FAI). Sie beherrschten faktisch die Stadt, die bürgerliche Regierung von Llouís Companys war praktisch machtlos. Aber die Anarchisten scheuten sich, die Macht auch formell zu übernehmen, und gründeten statt dessen das Zentralkomitee der antifaschistischen Milizen, das in der Folge die Verteidigung der Stadt übernahm, sich um die Versorgung der Bevölkerung mit Lebensmitteln kümmerte und den Justizapparat organisierte. Obwohl Companys das Staatsoberhaupt in Katalonien blieb, lag die reale Macht in den Händen des Komitees. Direkt nach dem Sieg lud Companys die anarchistischen Führer, unter ihnen Durruti und Joan Garcia Oliver, in den Palau de la Generalitat, den Regierungspalast, ein. Im Wissen darum, keine eigenen Truppen und damit keine eigene Machtbasis zu haben, hielt er eine sehr pragmatische Rede: »Ihr habt gesiegt, und alles liegt in eurer Hand. Wenn ihr mich nicht braucht oder mich als Präsidenten nicht wollt, sagt es mir jetzt, und ich werde ein einfacher Soldat im Kampf gegen den Faschismus sein. Wenn ihr aber glaubt, dass ich und meine Partei nützlich sein können, (…) dann könnt ihr auf mich zählen.«

Das Ergebnis war, dass Companys Präsident der Generalitat blieb und Katalonien vor allem nach außen vertrat, während die innere Sicherheit, die Versorgung der Bevölkerung und die Organisation der Milizkolonnen für die Front vom Zentralkomitee übernommen wurden. In dem Komitee waren auch Kommunisten, Sozialisten und linksbürgerliche Nationalisten vertreten. Aber es waren vor allem die Anarchisten, die in Barcelona innerhalb weniger Tage durchsetzen konnten, dass fast alle Fabriken, Transportmittel, Versorgungsbetriebe, Hotels usw. von Arbeiterkomitees beschlagnahmt und kollektiviert wurden. Der beginnende Krieg verhinderte, dass diese tiefgreifende, historisch fast einzigartige soziale Revolution fortgesetzt werden konnte.

→ In Kooperation mit dem Münzenberg-Forum und der Rosa-Luxemburg-Stiftung findet am 18. und 19. Juli im Salon am Franz-Mehring-Platz 1 in Berlin ein Symposium zum 90. Jahrestag des Beginns des Spanien-Kriegs statt.

→ Werner Abel schrieb an dieser Stelle zuletzt am 25. und am 26. März 2026 zusammen ­mit ­Hartmut Botsmann über den Kampf um Mallorca im Spanischen Bürgerkrieg: »Insel des Terrors« und »Bonaccorsis Blutspur«

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Erschienen in der Ausgabe vom 17.07.2026, Seite 12, Thema

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→ Leserbriefe
  • Doris Prato 17. Juli 2026 um 11:22 Uhr
    Der Staatsstreich der klerikalfaschistischen Reaktion brach jedoch auf dem Festland in den meisten Garnisonsstädten am Widerstand der Volkskräfte zusammen. Seine Niederschlagung wurde nur durch die sofortige bewaffnete Intervention Hitlerdeutschlands und Mussoliniitaliens verhindert. Mit 20 Militärtransportern Ju 52 wurden als erstes 15.000 Mann Elitetruppen der Putschisten von Marokko nach Cadiz eingeflogen. Franco, der sich am 29. September zum Chef des »Nationalen Spaniens« proklamierte, wurde unmittelbar danach von Deutschland und Italien als »Chef der einzigen legitimen Regierung Spaniens« anerkannt. Am 24. November schloss Italien mit der Putschistenregierung ein Abkommen über umfangreiche militärische Unterstützung. Franco honorierte das vier Tage später in einem Wirtschaftsabkommen mit ungewöhnlich weitreichenden Zusagen an Mussolini. Der »Duce« stellte vier Divisionen für Spanien auf, die ab Januar 1937 zum Einsatz kamen. Das nach offiziellen italienischen Angaben zunächst 35.000 Mann zählende Kontingent stieg in kurzer Zeit auf 60.000 an. Die motorisierten Truppen waren modern ausgerüstet. Sie verfügten über 800 Kampfflugzeuge sowie 8.000 Panzer und gepanzerte Fahrzeuge. 90 Kriegs- und Transportschiffe versorgten das eigene Korps und die Franco-Truppen. Sie blockierten republikanische Häfen und beschossen Küstenbefestigungen. Die Luftwaffe griff zusammen mit der Legion »Condor« die Stellungen der republikanischen Armee an und bombardierte Städte. Es sei an den Angriff der »Legion Condor« auf die nordspanische Stadt Guernica y Luno in der Provinz Biskaya nördlich von Bilbao erinnert, die am 26. April 1937 völlig vernichtet wurde. »Die ganze Stadt mit ihren 7.000 Einwohnern und den 3.000 Flüchtlingen ist langsam und systematisch in Stücke zerschlagen worden«, schrieb der Spanienkorrespondent der Londoner Times. Zum Kampf gegen die von Hitlerdeutschland und Mussoliniitalien unterstützten Franco-Faschisten kamen der Spanischen Republik bis Herbst 1938 etwa 40.000 bis 50.000 Antifaschisten aus 54 Ländern zu Hilfe, von denen die meisten in den Internationalen Brigaden kämpften. Darunter befanden sich etwa 10.000 Franzosen, 5.000 Deutsche und Österreicher, 3.354 Italiener und 2.800 Nordamerikaner und Kanadier. Mehr als die Hälfte der Interbrigadisten sind gefallen, darunter 3.000 Deutsche und Österreicher. Die Internationalen Brigaden fügten den Faschisten besonders in den Schlachten um Madrid, bei Teruel, Guadaljara und Brunete schwere Niederlagen zu. Außer Mexiko war die UdSSR das einzige Land, das der rechtmäßigen Spanischen Regierung bis zuletzt beistand. Ohne diese Hilfe wäre die Republik nie in der Lage gewesen, sich länger als einige Monate zu verteidigen. Ungeachtet faschistischer U-Boot-Sperren lieferte sie nicht nur Waffen und Munition, sondern Lebensmittel, Medikamente, Brennstoffe und viele andere Versorgungsgüter. Sowjetischen Angaben zufolge waren 2014 Militärspezialisten in Spanien.
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