Land der Loser
Es ist ja immer noch so, dass in diesem Land Zustand und Qualität der deutschen Nationalmannschaft im Herrenfußball zum Gradmesser von Zustand und Qualität der gesamten Nation erhoben werden. Mit materialistischem Ansatz würde man wahrscheinlich sagen, es verhält sich genau andersherum, aber zu philosophisch möchte man am Tag nach der Schande von Boston ja auch nicht werden. Deutschland ist gegen den Fußballzwerg Paraguay ausgeschieden, was bei hiesigen Medien die bange Frage aufwirft, ob nicht das Land und seine Fußballmannschaft gerade im Begriff sind, sich selbst zu verzwergen.
Vorab aber ein wenig internationale Presseschau: »Aus, aus, aus, aus, die WM ist aus – zumindest für den Champion von 2014.« (Blick, Schweiz) »In einem der bislang schockierendsten Ergebnisse der WM 2026 hat Paraguay Deutschland aus dem Turnier geworfen.« (USA Today, USA) »Flop Germania!« (Gazzetta dello Sport, Italien) »Von Deutschland ist nichts mehr übrig. Nicht einmal im Elfmeterschießen.« (Marca, Spanien)
Das schmerzt. Zum Beispiel die Süddeutsche Zeitung. »Elfmeterschießen können wir jetzt also auch nicht mehr. Deutschland, ehemaliger Exportweltmeister, ehemaliger Automobilriese, wird jetzt auch im Weltfußball rausgekickt.« Nicht anders im Sound – da spielen zwei in einer Liga – die Chefredakteurin von Bild: »Die brutale WM-Niederlage gegen Paraguay (4:5 n. E.), der Trainer, die Haltung und der Auftritt der deutschen Spieler stehen symptomatisch für den Zustand des ganzen Landes. Wir sind höchstens noch zweitklassig: Unsere Wirtschaft erlebt eine in jeder Hinsicht beispiellose Abwärtsspirale, täglich Pleiten, Deindustrialisierung. Und der Fußball in Deutschland lebt nur noch vom Ruf der Vergangenheit. (…) Unsere Kinder kennen Deutschland nur noch als Verlierer!«
Ein Land der Loser, an dessen Spitze ein Kanzler steht, der nach der Partie per Tweet seine vollständige Realitätsverweigerung dokumentiert: »Mit eurem Einsatz und Teamgeist bei dieser WM habt ihr unser Land begeistert. Wir sind stolz auf euch.«
Bild empört folgerichtig diese maximale Distanz zum gesunden Volksempfinden. »Die Mannschaft hat nicht gekämpft. Der Auftritt des Trainers war arrogant und überheblich. Kein Feuer. Die sind alle so satt. Ein Abbild unserer Gesellschaft. (…) Der Bundestrainer ist genauso überfordert und erfolglos wie der Bundeskanzler. Der eine wollte uns zum Weltmeister machen, der andere ist angetreten mit ›Links ist vorbei‹. Ersteren kann man direkt feuern. Und das sollte schnellstens passieren.« Ein drohendes Orakel: Links ist noch lange nicht vorbei, und wenn der Kanzler das nicht endlich gebacken kriegt, dann machen wir ihn fertig. Nagelsmann muss sowieso weg – fordern eh auch Spiegel, Tagesschau, FAZ e tutti quanti. (brat)
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Das Verwaltungsgericht Berlin hat im Juli 2024 in der ersten Instanz entschieden und die Klage des Verlags 8. Mai abgewiesen. Die Bundesregierung darf die Tageszeitung junge Welt in ihren jährlichen Verfassungsschutzberichten erwähnen und beobachten. Nun muss eine höhere Instanz entscheiden. Seit vielen Monaten warten Verlag und Redaktion inzwischen auf eine Entscheidung des Gerichtes, ob eine Revision möglich oder gleich ein Gang vor das oberste Gericht nötig ist.
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