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05.06.2026
- → Feminismus
Trumps Vergeltungskampagne
Verurteilt wegen sexualisierter Gewalt: US-Präsident setzt Betroffene unter Druck und will Freispruch
Das US-Justizministerium hat strafrechtliche Ermittlungen gegen die Autorin E. Jean Carroll eingeleitet. Carroll wirft Präsident Donald Trump vor, sie 1996 im Luxuskaufhaus Bergdorf Goodman in New York vergewaltigt zu haben. In einer weiteren Klage beschuldigte sie Trump der Verleumdung, nachdem er die Vorwürfe 2019 erneut zurückgewiesen und erklärt hatte, sie sei nicht sein Typ. Trump hatte behauptet, sie habe die Geschichte erfunden, um den Verkauf eines Buchs anzukurbeln.
Carroll schilderte vor drei Jahren unter Eid vor einem New Yorker Bundesgericht, wie ein zunächst freundliches Treffen mit Trump in dem Kaufhaus in einen sexuellen Angriff umgeschlagen sei. »Ein guter Tag wurde auf einmal total dunkel«, sagte die heute 82jährige. In zwei Zivilverfahren wurde Trump schließlich 2023 wegen sexualisierter Gewalt und Verleumdung zur Zahlung von insgesamt 88,3 Millionen US-Dollar Schadenersatz verurteilt.
Wie die New York Times und CNN vor einigen Tagen berichteten, prüfen Staatsanwälte nun, ob Carroll 2022 unter Eid gelogen hat, als sie angab, keine finan-zielle Unterstützung für ihre Klagen erhalten zu haben. Während des Verfahrens wurde bekannt, dass der Milliardär und Linkedin-Mitbegründer Reid Hoffman über seine Organisation American Future Republic einen Teil ihrer Anwalts- und Verfahrenskosten finanzierte.
Carrolls Anwälte bestätigten die Verbindung damals, betonten jedoch, ihre Mandantin habe von der Unterstützung nichts gewusst. Ein dreiköpfiges Richtergremium des Bundesberufungsgerichts in New York wies die Behauptung, Carroll habe unter Eid gelogen, bereits 2024 zurück. Das hält das Justizministerium nun jedoch nicht davon ab, den Fall erneut aufzugreifen. Ob die Vorwürfe am Ende einer gerichtlichen Prüfung standhalten, scheint dabei zweitrangig. Denn es geht vor allem darum, Carroll weiter zu drangsalieren und ihr zusätzliche Prozesskosten aufzubürden.
Die aktuellen Ermittlungen sind nicht Trumps erster Versuch, das Urteil nachträglich aufzuheben. Im November 2025 bat er den Obersten Gerichtshof, das Zivilurteil zu kippen, in dem er wegen sexualisierter Gewalt verurteilt worden war. Zuvor hatte ein Bundesberufungsgericht sowohl den Schuldspruch als auch die Entschädigungssumme bestätigt und entschieden, dass dem Prozessrichter keine Fehler unterlaufen seien, die eine Neuverhandlung rechtfertigen würden. Auch der Versuch des US-Präsidenten, den Fall vom gesamten Richtergremium des Berufungsgerichts überprüfen zu lassen, scheiterte im Juni vergangenen Jahres. Die zugesprochenen Entschädigungen hat Trump bislang jedoch nicht gezahlt und setzt statt dessen auf eine Aufhebung durch den Obersten Gerichtshof in letzter Instanz.
Bezeichnenderweise steht das Justizministerium derzeit unter der Leitung von Todd Blanche, der Trump einst als Anwalt im Verfahren gegen Carroll verteidigt hatte. Nach der Entlassung von Pam Bondi, der Trump unter anderem vorwarf, seine politischen Gegner nicht entschlossen genug verfolgt zu haben, rückte Blanche als amtierender Justizminister an die Spitze der Behörde, die der US-Präsident zunehmend wie eine Anwaltskanzlei für eigene Zwecke instrumentalisiert. Die Fehler seiner Vorgängerin will Blanche vermeiden und treibt Trumps Vergeltungskampagne mit Nachdruck voran. Zu den Zielscheiben gehören unter anderem der ehemalige Sicherheitsberater John Bolton, der frühere FBI-Direktor James Comey, die New Yorker Generalstaatsanwältin Letitia James sowie Senator Adam Schiff, der im ersten Amtsenthebungsverfahren gegen den US-Präsidenten als Chefankläger auftrat.
Im Laufe der Jahre haben Dutzende Frauen Trump sexualisierte Gewalt bis hin zu Vergewaltigung vorgeworfen. Vor Gericht klagten jedoch nur zwei von ihnen: E. Jean Carroll und Summer Zervos, eine frühere Teilnehmerin der Realityshow »The Apprentice«. Der Fall Zervos endete mit einem Vergleich.
Die anhaltende Fixierung des US-Präsidenten auf Carroll dürfte auch damit zusammenhängen, dass sie sich wiederholt nicht einschüchtern ließ und sich erfolgreich vor Gericht gegen ihn durchsetzte. Ihre Erfahrungen verarbeitete sie in dem Buch »Not My Type«, eine Anspielung auf Trumps abfällige Bemerkung, sie sei »nicht sein Typ«, die ihm später auch juristisch zum Verhängnis wurde.
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