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27.05.2026
- → Kapital & Arbeit
Stillstand bei Mahle
Autozulieferer will Werk in Neustadt schließen. Beschäftigte beginnen unbefristeten Streik
Die IG Metall hatte Konzepte vorgestellt, wie das Mahle-Werk in Neustadt an der Donau langfristig wettbewerbsfähig sein kann. Die Geschäftsführung wollte davon nichts wissen. Aber eigene Vorschläge machte sie auch nicht. Die Schließung stand intern anscheinend längst fest, vermutete die IG Metall. Hinnehmen will sie diese nicht. In einer Urabstimmung vor gut einer Woche stimmten 98,4 Prozent der Belegschaft für einen unbefristeten Streik. Am Dienstag nachmittag begann er. Mehr als 400 Beschäftigte und Unterstützer aus anderen Mahle-Werken sowie Kollegen von Krones, Siemens, Schaeffler und Audi waren vor Ort, wie Angelika Kahl von der IG Metall gegenüber jW mitteilte. Ziel ist der Erhalt aller Arbeitsplätze im Rahmen eines Zukunftstarifvertrags. Sollte das nicht gelingen, fordert die Gewerkschaft vorsorglich auch schon einen Sozialtarifvertrag. Zunächst aber heißt es: »Die Beschäftigten werden den Betrieb so lange stillegen, bis sich das Unternehmen endlich bewegt«, erklärte Rico Irmischer, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Regensburg.
Am 12. Mai hatte Mahle bekanntgegeben, das Werk, in dem mehr als 400 Beschäftigte Klimaanlagen für Autos aller Antriebsarten von BMW, Porsche, Volvo und Jaguar-Land Rover produzieren, im ersten Halbjahr 2027 zu schließen. Die Gründe: auslaufende Kundenaufträge, schwächere Marktentwicklungen, steigender Kostendruck, etwa durch die internationale Konkurrenz. Für die Gewerkschaft ist klar: Der Konzern will die Produktion von Neustadt in die Slowakei verlagern. Und das, obwohl das Werk profitabel ist. Damit nicht genug, weil die Fabrik in der Slowakei noch nicht steht, soll die Neustädter Fertigung für den Kunden Volvo vorübergehend nach China verlagert werden, von wo die Produkte dann zurück nach Deutschland und in die Volvo-Werke in Schweden und Belgien transportiert werden sollen, wie die IG Metall erklärte.
Die Auseinandersetzung in dem seit 1987 bestehenden Werk in Neustadt geht schon länger. Im Februar brach Mahle nach Angaben der IG Metall den »gemeinsamen Zukunftsprozess« mit Betriebsrat und Gewerkschaft ab, indem sich der Konzern im Alleingang um einen Verkauf des Betriebsgeländes und der Werkshallen bemühte. Darauf folgten Warnstreiks und drei ergebnislose Verhandlungen um Zukunftsperspektiven. Nach der Urabstimmung schaltete sich schließlich die Politik ein. Und Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) stattete vergangenen Donnerstag dem Betrieb einen Besuch ab. Gespräche mit Geschäftsleitung, Gewerkschaft und Betriebsrat über mögliche Alternativen zur Schließung blieben ohne Ergebnis. Vielleicht bewegt der unbefristete Ausstand den Konzern nun zu ernsthaften Verhandlungen, einen fünften Versuch soll es diesen Mittwoch geben. Denn noch sind Aufträge abzuarbeiten – auch in Neustadt. Und hier stehen die Bänder seit 14.15 Uhr still.
Der Druck auf Automobilzulieferer in Deutschland steigt insgesamt. In den vergangenen acht Jahren sind etwa 100.000 Arbeitsplätze in der Branche verlorengegangen, wie aus einer am Dienstag veröffentlichten Studie der Unternehmensberatung Alix Partners hervorgeht. Deutschland baue Standorte ab, die woanders neu entstünden. »Wir sprechen mittlerweile von einer Reduktion der Wertschöpfung in unserer Industrie um 20 bis 25 Prozent«, sagte Jan Dannenberg von Alix Partners. »Während China seine Produktion zweistellig ausbaute und inzwischen rund 30 Prozent der globalen Fahrzeugfertigung stellt, stagnierten oder schrumpften die Produktionsvolumina in Europa, den USA und Südkorea«, sagte Dannenberg.
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