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27.05.2026
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Militäroffensive in Myanmar
Junta verzeichnet Geländegewinne; Widerstand der Minderheiten unter Druck
Von Frieden konnte in Myanmar seit dem Putsch im Jahr 2021 keine Rede sein. Im Mittelpunkt der ausländischen Berichterstattung stand seit dem Jahreswechsel aber die politische Bühne. Auf der versuchte sich das Militärregime mit dem Urnengang, von dem oppositionelle Kräfte weitgehend ausgeschlossen waren und der deswegen als »Scheinwahl« eingestuft wurde, eine gewisse Legitimität zu verschaffen. Juntaoberbefehlshaber Min Aung Hlaing stieg wie erwartet zum neuen Präsidenten auf.
Auf seinen Posten rückte Ende März General Ye Win Oo nach. Seitdem leitet der berüchtigte frühere Geheimdienstchef der Junta eine Militäroffensive an, mit der im Bürgerkrieg eingebüßte Gebiete zurückerobert werden sollen. In den Grenzregionen zu China will der Tatmadaw (einheimische Bezeichnung der Armee) strategisch wichtige Lagerstätten seltener Erden wieder unter seine Kontrolle bringen.
Bis vor kurzem sprach vieles für ein Patt zwischen den regimetreuen Streitkräften und ihren vielen Gegnern. Nun steht vor allem die Kachin Independence Army (KIA) stark unter Druck. Die Truppen des Regimes eroberten bereits den größten Teil der wichtigen Straßenverbindung zwischen Mandalay, der im Zentrum gelegenen zweitgrößten Stadt Myanmars, und der im Norden gelegenen Regionalhauptstadt Myitkina des Kachin-Teilstaates. Offiziell gilt die Handelsroute schon als wiedereröffnet. In einem längeren Abschnitt in der Region Sagaing, die an Kachin grenzt, halten die erbitterten Kämpfe allerdings an. Etwa 600 Regierungssoldaten seien dort auf dem Vormarsch, es gebe von beiden Seiten heftige Drohnenangriffe und Artilleriefeuer, wurde Oberst Naw Bu von der KIA am Dienstag vom unabhängigen Newsportal The Irrawaddy zitiert.
Noch halten die Widerstandskräfte, die zwischen dem 5. April und Anfang Mai etliche von ihr seit zwei Jahren gehaltene Stellungen verloren haben, die Kleinstadt Mabein. Sie war von der KIA Ende Januar 2024 eingenommen worden. Es handelt sich um die wichtigste verbliebene Bastion des Widerstands in diesem Teil Myanmars. Zumal im Umfeld von Mabein lokale Einheiten der People’s Defence Forces (PDF) und der alternativen Streitkräfte der demokratischen Untergrundregierung der Nationalen Einheit (NUG) die Truppen der Militärjunta in kleinere Gefechte verwickeln, um ihr Vorrücken auf dem Highway zu stoppen oder mindestens zu verlangsamen.
Im Teilstaat Chin mussten sich die Regimegegner zuletzt weit zurückziehen. Bereits am 26. April hatte die staatstragende Zeitung Global New Light of Myanmar die angeblich »vollständige Einnahme« der regional zweitgrößten Stadt Falam gemeldet. Vergangene Woche brüstete sich Ye Win Oo offiziell mit diesem Erfolg. Gleichsam bestätigte die Chin Democratic Front (CDF), die an der Grenze zu Indien den militärischen Widerstand gegen die Regimetreuen anführt, gegenüber unabhängigen Medien, dass ihre Lage angespannt und Geländeverluste zu verzeichnen seien.
»Wir sehen, dass das Militär verzweifelt versucht, Städte zurückzuerobern, die Grenzposten haben«, sagte Analyst Sai Kyi Zin Soe gegenüber der malaysischen Daily Sabah. Vermehrten Angriffen ist deshalb auch die Karen National Union (KNU), die älteste Rebellenbewegung der Minderheiten, ausgesetzt. Sie hatte 2024 an der Grenze zu Thailand die Stadt Myawaddy eingenommen. Der Aufruf von Min Aung Hlaing, den er in seiner neuen Rolle als Präsident an den bewaffneten Widerstand der Minderheiten gerichtet hatte, sich bis Ende Juli an neuen Friedensgesprächen mit seiner Regierung zu beteiligen, hatte die KNU explizit auch genannt. Solche Appelle dürften spätestens mit der neuen Offensive kein Gehör mehr finden und verpuffen.
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