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22.05.2026
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Thüringen-Derby
Zu einer lebendigen Fankultur gehört die Unterstützung des eigenen Vereins, ob an guten oder schlechten Tagen. Der Fan steht in der Heimkurve und fährt für die Auswärtsspiele stundenlang seinem Team hinterher, egal, ob er ewig im Neuner sitzt oder das Deutschlandticket nutzt und erst nach fünfmaligem Umsteigen ankommt. All das erträgt er um so mehr, wenn es auswärts zum Derby geht. Eins der traditionsreichsten Duelle ist das Thüringen-Derby zwischen dem FC Carl Zeiss Jena und dem FC Rot-Weiß Erfurt. Selbst in der vierten Liga sorgt es für fünfstellige Zuschauerzahlen und ausverkaufte Stadien.
Nicht so allerdings vor einer Woche. Es stand der letzte Spieltag der Regionalliga Nordost an. Was kann es Schöneres geben als solch ein Derby zum Ende der Saison? Besonders dramatisch wurde es, weil der FC Carl Zeiss Jena noch Meister werden und sich damit für die Aufstiegsspiele für die dritte Liga qualifizieren konnte. Für einen schönen Rahmen war also gesorgt.
Aber einen Spielverderber gibt es bekanntlich immer. Grundsätzlich sind immer zehn Prozent des Kartenkontingents für Gästefans reserviert. In Jena wären das ca. 1.600 Karten gewesen. Doch nur knapp die Hälfte davon sollte an die Erfurter gehen. Die Ursache: ein Dauerauflagenbescheid der Stadt Jena zur Stadionnutzung in der Saison 2025/26. Der verpflichtet den FC dazu, bei vier als »risikoreich« eingestuften Spielen den Gästebereich auf Stehplätze mit einer maximalen Kapazität von 800 Personen zu beschränken. Zu diesen Spielen zählt auch das Thüringen-Derby. Was für ein Armutszeugnis! Eine Stadt, die ein neues Stadion gebaut hat und mit dem FC Carl Zeiss Jena in die dritte Liga will, schafft es nicht, ein Regionalligaspiel auf vernünftigem Niveau zu organisieren. Wie wird die Stadt erst reagieren, wenn irgendwann die dritte Liga erreicht sein sollte und Fanmassen aus Rostock, Essen oder Mannheim nach Jena wollen?
Wer es nicht schafft oder schaffen will, ein solches Derby mit allem, was dazu gehört, zu stemmen, sollte es ganz lassen. Und so war die Entscheidung völlig richtig, auf die angebotenen 700 Karten zu verzichten und damit ein Zeichen zu setzen. Statt ins Stadion zu gehen, demonstrierten die Erfurter Fans in Jena gegen diese Einschränkung. Die Fans der Gastgeber taten selbiges auf einer eigenen Demonstration und sagten aus Protest ihre geplante Choreo ab.
Richtig so. Denn es gilt, was immer gilt: In den Farben getrennt, in der Sache vereint.
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