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Fortpflanzug

Die Hoden der Männer: Spermageddon

Foto: IMAGO/Dreamstime
Auf dem Weg – aus dem Weg!

Gibt so Paare: Kinderwunsch, knick knack, schwanger mit einem Sohn und einer Tochter, Familienplanung abgehakt. Bei anderen will und will es jahrelang nicht klappen, so sehr sie sich auch mühen. Gut, es gibt schlimmere Mühsal. Und Fortpflanzung ist auch nicht immer empfohlen, geht doch einige Verantwortung damit einher. »Conny hat ’ne Katzenallergie, Hunde dürfen wir in der Wohnung nicht, also haben wir uns Kinder angeschafft.« So Paare gibt es ja auch. Der unerfüllte Kinderwunsch wird jedenfalls häufiger, weil sich die Zahl der Spermien in den Industrieländern, oder genauer in den Hoden der Männer dort, zwischen 1973 und 2022 halbiert hat, Taz-Stichwort Spermageddon. Man könnte auch Spermapokalypse sagen, denn es offenbart sich etwas, eine List der Vernunft, genauer der von Mutter Erde. Die denkt nämlich so: Wir Menschen sind zu viele. Also nicht Sie und ich, wir sind gerade genug, könnten gerne noch mehr werden, aber die Menschen vom Typ SUV, Ferienhaus mit Pool, zum Frühstück zwei Schweinehälften, nachmittags eine Fernreise und den ganzen Tag am Handy daddeln, die sind zu zahlreich.

Als Teil der Natur senken wir darum halbbewusst unsere Fruchtbarkeit, indem wir Weichmacher, Pestizide und andere indigene, nein, warten Sie, ich googel das … »endokrine Disruptoren« freisetzen, um das wieder in Ordnung zu bringen. Raffiniert! Aber warum werden die Fundis aller Eingottreligionen immer noch mit Kindern im Dutzend gesegnet? Oder ist das der auf sie abgestimmte Trick, dass sie sich auf Dauer das Karnickeln abgewöhnen, weil man ab dem fünften, sechsten eher von Fluch als von Segen sprechen sollte? Und könnte die listige Natur nicht auch machen, dass wir ohne Plastik und Ackergifte wirtschaften, und wenn wir einmal dabei sind, selbstbestimmt, ohne Hunger, Krieg und Unterdrückung, ohne Raubbau an unseren Lebensgrundlagen, mit klug gebauten langlebigen Maschinen, geteiltem Wissen ohne Patentschutz usw.? Die Ideen sind schon länger auf dem Tisch, aber die Natur kann halt auch grausam sein. Und manches muss man selber machen.

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Erschienen in der Ausgabe vom 22.05.2026, Seite 11, Feuilleton

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