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Bosnien-Krieg

Verdacht der »Menschenjagd«: Ermittlungen in Österreich

Foto: Michael Kappeler/dpa
Sarajevo in Bosnien-Herzegowina (17.11.2025)

Wien. In Österreich ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen zwei Verdächtige, die in sogenannte »Menschen-Safaris« während des Bosnien-Kriegs (1992 bis 1995) verwickelt gewesen sein sollen. Das bestätigte das Justizministerium in Wien am Mittwoch. Seit 25. April 2026 sei wegen dieses Verdachts ein Ermittlungsverfahren gegen »einen österreichischen Staatsbürger sowie einen weiteren bislang unbekannten Täter« anhängig. Aus ermittlungstaktischen Erwägungen gebe es derzeit keine weiteren Auskünfte, hieß es.

Im Bosnien-Krieg sollen wohlhabende Männer aus Europa jeweils umgerechnet Tausende US-Dollar bezahlt haben, um von serbischen Positionen aus Zivilisten in der damals belagerten Stadt Sarajevo zu erschießen. Erzählungen über solchen Abschuss-Tourismus kursieren in Sarajevo seit Jahren, handfeste Belege wurden bislang nicht veröffentlicht. Auch in Italien wird wegen Vorwürfen in dem Zusammenhang ermittelt. Nach einer Anzeige des Schriftstellers Ezio Gavazzeni hatte die Mailänder Staatsanwaltschaft Ermittlungen wegen des Verdachts des mehrfachen Mordes aus niedrigen Beweggründen gegen unbekannte Täter aufgenommen.

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Serbiens Staatspräsident Aleksandar Vucic hatte Ende 2025 Vorwürfe zurückgewiesen, damals an solchen Verbrechen beteiligt gewesen zu sein. »Ich habe noch nie von Safaris gehört, ich habe noch nie ein Scharfschützengewehr getragen«, sagte Vucic damals in einer Talkshow des Portals informer.rs auf eine entsprechende Frage zu den Vorwürfen, die bosnische Medien und Aktivisten erhoben hatten. Auf einer Videoaufnahme ist Vucic in einer serbischen Scharfschützenstellung über Sarajevo kurz zu sehen. Ob er bewaffnet war, ist in den Bildern nicht klar erkennbar. (dpa/jW)

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Erschienen am 21.05.2026, Ausland

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