-
18.05.20265 Leserbriefe
- → Inland
Wieder dick im Kriegsgeschäft
Ostdeutschland als Werkbank der Rüstungskonzerne: In Ludwigsfelde soll fürs Schlachtfeld produziert werden, in der Nazizeit schraubten hier KZ-Häftlinge Motoren
In der deutschen Automobilbranche ist der Lack ab. Besser gesagt setzen die Konzernbosse alles daran, die Fahrzeuge von Hochglanzpolitur auf Flecktarn umzustreichen. Ihr Heil suchen sie in der Milliardenprofite versprechenden Aufrüstung. Nachdem VW-Chef Oliver Blume entsprechende Pläne verlautbarte, ließ sich zuletzt Mercedes-Benz-CEO Ola Källenius zum Wochenende dazu einvernehmen, wohin die Reise des Stuttgarter Autobauers geht – vom Boulevard aufs Schlachtfeld. Europa müsse sein »Verteidigungsprofil« erweitern, sagte er dem Wall Street Journal. »Sollten wir dabei eine positive Rolle spielen können, sind wir bereit dazu.« Autobauer seien »außerordentlich gut« darin, »Präzisionsmaschinen in hoher Qualität« herzustellen. Rüstung »könnte eine wachsende Nische sein, die zu unserem Konzernergebnis beiträgt«, so Källenius weiter. Auf Anfrage von AFP untermauerte Mercedes-Benz die Heuchelei: »Frieden, Sicherheit und Freiheit« seien »die Grundlagen unserer Gesellschaft«. Sie zu schützen sei eine gemeinsame Aufgabe. »Wir leisten als Unternehmen unseren Beitrag dazu.«
In Ludwigsfelde, südlich von Berlin, produziert der Konzern seit den 90er Jahren Nutzfahrzeuge, unter anderem Fahrgestelle für den »Sprinter«. Allerdings soll der Transporter voraussichtlich von 2030 an im polnischen Jawor produziert werden. KNDS hat schon Interesse am Werk in Brandenburg angemeldet, wie der Spiegel in der vergangenen Woche verlautete. Es soll Gespräche zur Übernahme geben, ein Teil der Belegschaft könnte künftig für den Rüstungskonzern, hervorgegangen aus einer Fusion zwischen Krauss-Maffei Wegmann und der französischen Nexter, malochen. KNDS muss mit Rheinmetall einen Großauftrag der Bundeswehr von bis zu 3000 Exemplaren des Radpanzers »Boxer« erfüllen und benötigt Fertigungskapazitäten. Der Einstieg des Ludwigsfelder Werks ins Kriegsgeschäft scheint da logische Konsequenz zu sein. »Wir werden noch zusätzliche industrielle Kapazität für die Produktion des Boxers benötigen«, hatte Florian Hohenwarter gegenüber dem Handelsblatt Ende April angedeutet. Ein neues Werk wolle er dafür nicht bauen. »Das geht mit einem bestehenden industriellen Standort viel schneller«, so Hohenwarter weiter. »Eine eingespielte Mannschaft, etwa aus der Autoindustrie, wäre ideal.«
Für Ludwigsfelde wäre es ein Wiedereinstieg ins Kriegsgeschäft. Die Fahrzeugfabrik hieß zur Zeit des deutschen Faschismus Daimler-Benz-Motoren-GmbH, besaß ein eigenes KZ-Außenlager und trug den zweifelhaften Titel »Nationalsozialistischer Musterbetrieb«. Tausende Häftlinge, Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene mussten hier unter extrem lebensfeindlichen Bedingungen Flugmotoren für Hitlers Luftwaffe zusammenschrauben. Nach der Befreiung wurde 1952 der VEB Industriewerke Ludwigsfelde gegründet. Es liefen Krafträder wie der schicke »Berlin«-Roller oder der robuste Lkw »IFA W50« vom Band, der heute noch von Vietnam bis Kuba auf holprigen Pisten im Einsatz ist.
Die Zeiten der friedlichen Völkerverständigung sind allerdings vorbei. Deutsche Rüstungsfirmen haben enormen Rückenwind. Die Zahl der Waffenschmieden hierzulande hat sich seit der Eskalation des Krieges zwischen Russland und der Ukraine 2022 mehr als verdoppelt, wie die Lobbyisten des Bundesverbands der Deutschen Sicherheits- und Verteidigungsindustrie (BDSV) bereits Ende April frohlockt hatten. Dieser Trend zeige sich besonders auch in verbliebenen Industriebetrieben Ostdeutschlands, wo die Rüstungsindustrie zuvor weniger stark vertreten war. Aber: »Mit insgesamt weniger Beschäftigten als in den westlichen Bundesländern«, so BDSV-Chef Hans Christoph Atzpodien gegenüber dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Und KNDS ist ein Vorreiter dieser Entwicklung, hat schon dem traditionsreichen Waggonbau in Görlitz den Todesstoß versetzt. Als der Rüstungskonzern das dortige Alstom-Werk Anfang 2025 übernommen hatte, wurden erst einmal 120 Menschen entlassen. Baugruppen für den Kampfpanzer »Leopard 2« und den Schützenpanzer »Puma« sind nun das erfolgversprechende Produktportfolio.
Unabhängiger Journalismus braucht deine Unterstützung.
Wie hat Ihnen dieser Artikel gefallen?
Durchschnittliche Bewertung: 3,0
-
Reinhold Schramm aus 12105 Berlin 18. Mai 2026 um 06:02 UhrEs gibt keine Alternative zur überfälligen deutschen und gesamteuropäischen Friedensdiplomatie! Das Verschleudern der Arbeitsergebnisse der deutschen Erwerbsbevölkerung durch die bürgerlichen Parteien, die Beamtenministerien, die Parlamentsmehrheit und Bundesregierung der politischen Administration und Lobbyisten für Rüstungsausgaben und Kriegsführung gegen die Russische Föderation muss beendet werden! Eine wirtschaftliche und soziale Zukunft für die Bevölkerung Deutschlands gibt es nur in der friedlichen ökonomischen Zusammenarbeit mit der Russischen Föderation und der Volksrepublik China! Die gegenwärtige Kriegspolitik Deutschlands führt in einen europäischen Krieg der Atommächte Frankreichs und Großbritanniens gegen die Nuklearmacht der Russischen Föderation und in eine nukleare Vernichtung der ganzen Bevölkerungen Deutschlands und Polens!
- Antworten
-
Onlineabonnent*in Joachim S. aus B. 18. Mai 2026 um 11:55 UhrAlles das ist zweifellos richtig und wichtig. Und wie machen wir's?
-
Reinhold Schramm aus 12105 Berlin 18. Mai 2026 um 12:30 UhrWenn die sozialdemokratische bürgerliche Arbeiterklasse in der deutschen Rüstungs- und Kriegsindustrie sich nicht gegen die Eigentümer, Vorstände und Aktionäre entscheidet und ihren doppelten Lohn in der Waffenproduktion bevorzugt: Dann gibt es kein Ende der Kriegspolitik und der Verschleuderung der materiellen Wertschöpfung für den kommenden gesamteuropäischen Krieg! Erinnerung: Beispielsweise erreichte die konventionelle Waffenproduktion der deutschen Arbeiterklasse im kapitalfaschistischen Zweiten Weltkrieg noch im April 1944 ihre Spitze, trotz der vorausgegangenen militärischen Niederlagen! Heute bleibt es nicht beim konventionellen Krieg zwischen den Nuklearmächten in Europa. Infolge der konventionellen militärischen Überlegenheit der westeuropäischen NATO-Staaten würde es zum atomaren Schlagabtausch zwangsläufig kommen! Auf die europäischen Territorien übergreifend wäre Deutschland das nukleare Hauptschlachtfeld. Einschließlich der deutschen politischen Administration und Bourgeoisie, ebenso wie der deutsch-europäischen Finanz- und Monopolbourgeoisie, wäre das die allumfassende physische Vernichtung der europäischen Bevölkerungen in Zentraleuropa! 18.05.2026, R.S.
-
Onlineabonnent*in Joachim S. aus B. 18. Mai 2026 um 14:58 UhrEs wird nicht reichen, wenn wir die Arbeiterklasse beschimpfen. Wir müssen sie erreichen. Hast du eine Idee wie?
-
Reinhold Schramm aus 12105 Berlin 18. Mai 2026 um 16:24 UhrAls Gewerkschafter, gelernter Möbeltischler und gelernter Betriebsschlosser, ebenso als Handwerksmeister und vormaliger Berufsausbilder und Lehrgangsleiter, bemühe ich mich hierfür seit 57 Jahren! Erinnern wir uns: Millionen Bürger und Bürgerinnen hatten einen Eid auf die Existenz der DDR geleistet; einschließlich der 2,4 Millionen Angehörige der SED, ebenso der zuletzt 92 000 des MfS. Von den mehr als 150 000 der NVA verblieben 42 000 im Oktober 1990 und wechselten ohne Widerspruch über Nacht die Uniform mit der imperialistischen Bundeswehr! Bei den Wahlen zur Volkskammer im März 1990 entschieden sich mehr als 80 Prozent der 92 Prozent an der Wahl beteiligten für das kapitalistisch-imperialistische Konsumparadies Westdeutschlands: geradezu analog wie heute Millionen Migranten und Asylanten davonlaufen, nach Westeuropa und Deutschland. Mit der deutschen Migrationspolitik entsorgt man in Entwicklungsländern den sozialrevolutionären Jugendwiderstand und schützt die heimischen Oligarchen und korrupten politischen Eliten bei deren Plünderung vorhandener Rohstoffe und Bodenschätze für internationale Konzerne! Fazit: Es braucht die Entwicklung von widerstandsfähigem Klassenbewusstsein auf marxistischer Grundlage! Ein eigenständiges und beharrliches Klassenbewusstsein, das sich nicht durch Wohlstands- und Konsumversprechungen korrumpieren lässt, wie es in allen vormaligen realsozialistischen Regionen und Ländern stets erfolgreich geschehen ist.
-
-
-
Das Verwaltungsgericht Berlin hat entschieden und die Klage des Verlags 8. Mai abgewiesen. Die Bundesregierung darf die Tageszeitung junge Welt in ihren jahrlichen Verfassungsschutzberichten erwahnen und beobachten. Nun muss eine höhere Instanz entscheiden.
In unseren Augen ist das Urteil eine Einschränkung der Meinungs- und Pressefreiheit in der Bundesrepublik. Aber auch umgekehrt wird Bürgerinnen und Bürgern erschwert, sich aus verschiedenen Quellen frei zu informieren.
Genau das aber ist unser Ziel: Aufklärung mit gut gemachtem Journalismus. Sie können das unterstützen. Darum: junge Welt abonnieren für die Pressefreiheit!