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08.05.2026
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Sie wächst und gedeiht
Die WNBA-Saison geht los, Überfliegerin der zunehmend beliebten US-Basketballfrauenliga ist Caitlin Clark
Heute beginnt die 30. Saison der Women’s National Basketball Association (WNBA). Das Jubiläum markiert eine Erfolgsgeschichte. In ihrem 30jährigen Bestehen hat sich die WNBA zur populärsten Profiliga im US-Frauensport gemausert. Auch international erfährt sie immer mehr Aufmerksamkeit.
Zu einem rasanten Sprung kam es in den vergangenen beiden Jahren. Der Sprung wird so sehr mit einer Spielerin verbunden, dass man in den USA vom »Caitlin-Clark-Effekt« spricht.
Clark spielt seit 2024 als Guard für die Indiana Fever. In ihrem ersten WNBA-Jahr wurde sie zum Rookie of the Year gewählt. Zuvor hatte sie eine erfolgreiche vierjährige Collegekarriere bei den Iowa Hawkeyes hingelegt. Clark ist unter den weltweit am besten verdienenden Profisportlerinnen eine der wenigen, die nicht Tennis spielt. Ihr Einkommen im Jahr 2025 soll sich auf 16 Millionen US-Dollar belaufen haben. Das Gehalt als WNBA-Profi macht dabei nur einen Bruchteil aus. Fast das gesamte Geld stammt aus Werbeverträgen.
Warum Clark so populär ist, darüber streiten sich die Experten. Die sportliche Erklärung liegt in ihrem Spiel: Clark kombiniert Drei-Punkte-Würfe von großer Distanz mit einem vorzüglichen Auge für ihre Mitspielerinnen. Sowohl bei Punkten als auch Assists liegt sie in den Statistiken weit vorne. Doch auch soziokulturelle Gründe werden angeführt: Als weiße, heterosexuelle Frau aus dem Mittleren Westen diene Clark – ähnlich wie Taylor Swift im Pop – einem Teil der US-Bevölkerung als Projektionsfläche, um sich in Zeiten zurückversetzen zu können, in denen sie noch nicht um ihre Privilegien fürchteten. Weder Clark noch Swift unterstützen konservative Strömungen, doch es ist nicht immer leicht, sich gegen Projektionen zur Wehr zu setzen. Dass Clark sich entschied, für ein wenig glamouröses College in ihrem Bundesstaat Basketball zu spielen, anstatt an einer Eliteuni anzuheuern, ist ein sympathischer Zug, der allerdings leicht ideologisch ausgeschlachtet werden kann.
Allein an Clark liegt die bemerkenswerte Entwicklung der WNBA freilich nicht. Brittney Griner war ein Superstar, als sie 2022 zum Spielball internationaler Diplomatie wurde. Griner war im Februar 2022 nach Russland geflogen, um, wie viele Jahre zuvor, in der Spielpause der WNBA für UGMK Jekaterinburg aufzulaufen. Am Flughafen wurde sie mit einer geringen Menge Haschischöl im Gepäck verhaftet und daraufhin zu neun Jahren Haft verurteilt. Im November kam sie dann im Zuge eines Austauschs gegen den in den USA inhaftierten russischen Waffenhändler Wiktor But frei.
Griner wurde 2023 vom Time Magazine in die Liste der »100 einflussreichsten Menschen der Welt« aufgenommen. Sie steht für einen Aspekt, der die WNBA auszeichnet: gesellschaftliches Engagement. Im Jahr 2020 sprach sie sich in Anbetracht der Ermordung von George Floyd durch Polizeikräfte in Minneapolis dafür aus, vor WNBA-Spielen die US-amerikanische Hymne nicht mehr abzuspielen. Als die WNBA-Funktionäre ihrer Forderung nicht nachkamen, blieb sie während der Hymne in der Kabine. (Seit dem Ende ihrer Haftzeit in Russland lauscht sie der Hymne wieder auf dem Parkett.) Die Spielerinnengewerkschaft Women’s National Basketball Players Association (WNBPA) setzte damals durch, dass alle WNBA-Spielerinnen in Trainingsanzügen mit der Aufschrift »Black Lives Matter« aufwärmten.
Die WNBPA spielte bei den Vorbereitungen für die Saison 2026 eine bedeutende Rolle. Im Jahr 2020 hatte sie mit der Liga einen Tarifvertrag unterzeichnet, der eigentlich bis 2027 laufen sollte. Doch die Gewerkschaft hatte sich vertraglich das Recht gesichert, den Vertrag 2025 neu zu verhandeln, wenn sie das wolle. Davon machte sie dann auch Gebrauch, nicht zuletzt aufgrund des Caitlin-Clark-Effekts, der jede Menge neues Geld in die Liga spülte. Der jüngste TV-Vertrag belief sich auf über zwei Milliarden US-Dollar.
Die WNBPA stellte sicher, dass den Spielerinnen ein ordentliches Stück des Kuchens zukommt. Ab dieser Saison liegt der Mindestlohn der Liga bei 300.000, der Durchschnittslohn bei 600.000 US-Dollar. Das ist dreißig Mal so viel wie in der ersten Saison 1997, und zehnmal so viel wie in der NWSL, der US-Profiliga der Fußballerinnen. Auch was Elternzeit, Pensionen und Reisen angeht, wurden die Bedingungen erheblich verbessert.
Mit zwei neuen Vereinen wächst das Feld der WNBA in dieser Saison auf 15 Teams an. Ursprünglich waren es acht. Mit Toronto Tempo ist erstmals auch ein Team aus Kanada mit dabei. Das andere neue Outfit sind die Portland Fire.
Das Team Toronto Tempo steht gleich heute, am Eröffnungstag der Liga, auf dem Parkett. Es empfängt die Washington Mystics. Die anderen beiden Partien sind New York Liberty gegen Connecticut Sun und Seattle Storm gegen die Golden State Valkyries. Die Titelverteidigerinnen Las Vegas Aces steigen am 9. Mai gegen die Phoenix Mercury ein.
Bei beiden neuen Teams stehen deutsche Basketballerinnen unter Vertrag. Nyara Sabally wechselte von New York Liberty zu Toronto Tempo, Luisa Geiselsöder von den Dallas Wings zu Portland Fire. Das Team aus Oregon sicherte sich auch die Dienste der Osnabrückerin Friede Bühner, die im Draft als 17. Spielerin gewählt wurde. Bei New York Liberty wird Nyara Sabally von ihrer Schwester Satou ersetzt, die von Phoenix Mercury in den Big Apple wechselte. Auch Leonie Fiebich läuft für New York Liberty auf.
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