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07.05.2026
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Später Sieg vor Gericht
Spanien: Exkommissar wegen Schmutzkampagne gegen Podemos verurteilt
Es ist das erste Urteil in der Geschichte Spaniens, bei dem es um die Verflechtung von Politik und Medien bei Angriffen auf politische Gegner geht. Am Dienstag wurde der ehemalige Polizeikommissar José Manuel Villarejo vom Nationalen Gerichtshof in Madrid zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass Villarejo im November 2015 auf dem Handy gespeicherte Informationen der Assistentin von Pablo Iglesias, damals EU-Abgeordneter und Chef der linken Partei Podemos, an die Onlinemedien Ok Diario und El Confidencial lanciert hatte, um dessen Ansehen zu schädigen. 2015 war Iglesias Kandidat für das Ministerpräsidentenamt. Die veröffentlichten Chats, in denen er sich etwa abfällig über Journalisten äußerte, dienten als Grundlage einer großangelegten Kampagne gegen ihn. An Iglesias muss Villarejo nun 1.000 Euro, an dessen Assistentin Dina Bousselham 5.000 Euro Strafe zahlen.
»In diesem Prozess ging es nie darum, etwas zu finden, denn auf meinem Handy gab es damals lediglich Arbeitsdokumente, persönliche Fotos etc. Es ging vielmehr darum, politische Gegner zu schwächen«, erklärte Bousselham nach der Urteilsverkündung gegenüber dem Sender Canal Red. »Noch nie wurde in unserem Land in einem Prozess so klar dargestellt, wie die Verflechtung zwischen politischer Macht und Medien funktioniert, wie in diesem.« Während des Verfahrens hatte die ultrarechte Partei Vox versucht, Iglesias und Bousselham vor Gericht zu bringen, weil sie angeblich Villarejos Taten erfunden hätten.
Bis zur Urteilsverkündung verbreiteten die Medien in Spanien noch immer private Details über Bousselham und Details der Gespräche und Chats, die damals auf ihrem Handy zu finden waren. Damit wie auch mit dem Vorwurf, dass Podemos angeblich Geld aus Venezuela erhalten habe, füllten die großen Zeitungen ihre Titelseiten. Letztere Behauptung stammte bezeichnenderweise aus einem Bericht der Polizeiabteilung, in der Villajeros tätig war. Jetzt, da Podemos aufgrund niedriger Zustimmungswerte keine Bedrohung mehr für die herrschende Klasse im Land darstellt, widmeten jene Medienhäuser der Verurteilung lediglich eine Randnotiz.
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