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29.04.2026
- → Antifaschismus
Bengalos, Türtritte und Hakenkreuze
Brandenburg: Häufung rechter Angriffe in Cottbus. Initiative reagiert mit Mobilisierung
Einmal mehr ist Cottbus überregional in den Schlagzeilen. Einmal mehr gibt die örtliche Neonaziszene den Anlass. Die Universitätsstadt im Süden Brandenburgs gilt als Hochburg rechter Umtriebe in dem Bundesland – was nicht heißt, dass es dort keine linksliberalen, antifaschistischen Inseln gibt. Eine davon, das Hausprojekt »WK51« im Stadtteil Mitte, war in der Nacht zum Montag Ziel eines Angriffs mit Pyrotechnik. »Ich lag in meinem Zimmer kurz vorm Einschlafen. Viertel vor zwölf höre ich meine Mitbewohner im Wohnungsflur rufen: ›Das Haus brennt!‹«, berichtete eine Bewohnerin gegenüber der Lausitzer Rundschau vom Montag.
»Da hat jemand ein bengalisches Feuer (Bengalo) in den Flur geworfen«, zitierte das Blatt einen Sprecher der Polizei. Diese sei am Sonntag gegen 23.50 Uhr alarmiert worden. Das Entzünden jener Starklicht-Handfackeln kann zu schwerwiegenden Verbrennungen auch bei Löschversuchen führen. Die zum Beispiel durch verbrennendes Magnesium entstehende Flamme kann Temperaturen von bis zu 2.500 Grad Celsius erreichen. In abgeschlossenen Räumen wie einem Hausflur kann der sehr dichte und starke Rauch nicht abziehen. Das grelle Licht der Bengalos kann extreme Blendwirkung entfalten. »Wieder trifft ein rechter Angriff private Wohnungen und die Menschen, die dort leben«, konstatierte der Sprecher der Initiative »Sichere Orte Südbrandenburg«, Lukas Pellio, gegenüber dem Blatt. Der Fall sei eine »weitere Eskalation rechter Gewalt«.
Im Wohnprojekt »WK51« leben nach Angaben der Bewohnerin Arbeiter, Studenten sowie »kulturell und zivilgesellschaftlich engagierte Menschen«. Der im Erdgeschoss eingerichtete Bereich des Nachbarschaftsprojekts »Rosa« war laut »Sichere Orte Südbrandenburg« in der Vergangenheit mehrfach Ziel von rechten Angriffen. Das bestätigte auch die in dem Haus lebende Frau gegenüber der Lausitzer Rundschau. Sie habe schon »mehrere Angriffe erlebt«. »Als Hausgemeinschaft fordern wir die Polizei, die Politik und die Hausverwaltung auf, unseren Schutz zu gewährleisten«, erklärte die anonym zitierte Bewohnerin. Erst im März waren im Erdgeschoss der Wilhelm-Külz-Straße 51 Glasschreiben großflächig beschädigt worden.
Wegen eines einzelnen Angriffs gegen ein alternatives Hausprojekt meldet sich für gewöhnlich niemand aus der Landesregierung zu Wort, schon gar nicht der Innenminister. Seit vergangener Woche allerdings häuften sich die Meldungen von Fällen rechter Umtriebe, was Minister Jan Redmann (CDU) dazu veranlasste, Oberbürgermeister Tobias Schick (SPD) seine Unterstützung zuzusagen, wie der Deutschlandfunk am Freitag berichtete. Am Montag dann die nächste Meldung: Eine Polizeistreife entdeckte ein schwarzes Hakenkreuz an der 2015 eingeweihten Synagoge, die sich unweit des Rathauses befindet. Die einen Meter mal 1,50 Meter große Schmiererei wurde von der Polizei abgeklebt. Die Staatsschutzabteilung ermittelte da bereits wegen einer kleineren rechten Schmiererei an der Fassade, die am Freitag bemerkt worden war.
Zuvor war auch ein Studentenpfarrer, der sich bei »Sichere Orte Südbrandenburg« engagiert, offen von Neonazis bedroht worden. Die Täter sollen laut Polizei in ein Wohnhaus eingedrungen sein, in dem der evangelische Pfarrer wohnt, und im Treppenhaus randaliert haben. Die Unbekannten traten demnach gegen die Wohnungstür und hinterließen an seinem Briefkasten Aufkleber. Diese seien unter anderem mit der Aufschrift »Piss Dich nach Berlin« versehen gewesen.
Die Initiative »Sichere Orte Südbrandenburg« reagiert mit Mobilisierung. Für Donnerstag ruft sie zu einer Demonstration auf, unter dem Motto »Ihr greift uns an – wir stehen noch näher zusammen!« Starten soll sie laut Mitteilung vom Dienstag um 19 Uhr. »Wir haben es hier mit organisierter rechter Bandenkriminalität zu tun. Wir brauchen Schutz für unsere Orte und Ermittlungsergebnisse, die rechte Gewalttäter entsprechend zur Verantwortung ziehen«, forderte Sprecherin Ricarda Budke.
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