Verdi und die »Parallelwelt«
Von Ulrich SchneiderVor kurzem lag »Menschen machen Medien«, das medienpolitische Magazin von Verdi, im Briefkasten. Natürlich schaut man sich die – oft interessanten – Beiträge der Kolleginnen und Kollegen gern an. Möchte man doch wissen, wie die eigene Gewerkschaft den Stand der Pressefreiheit und die Arbeitsbedingungen von Medienschaffenden beurteilt.
Diesmal blieb mein Blick hängen beim Artikel »Umstrittene Mitgliedschaft«, der sich mit der Bundespressekonferenz (BPK) und ihren Teilnehmern auseinandersetzt. Dazu muss man wissen, dass zu den Presseterminen von Ministerien oder vom Kanzler zumeist nicht die Regierung einlädt, sondern die hier als »Verein der Hauptstadtpresse« bezeichnete Organisation, die durch die Mitgliedschaft auch regierungskritischer Journalisten dafür Sorge tragen soll, dass nicht nur genehme Berichterstattung stattfindet, dass die Medien also ihre Kontrollfunktion ausüben können.
In dem Artikel beschwert sich Matthias Meisner, der zuvor beim Tagesspiegel und bei der Taz gearbeitet hat – beide Blätter sind nicht unbedingt für ihre besonders regierungskritische Berichterstattung bekannt – darüber, dass in der BPK auch Journalisten Anwesenheits- und Fragerecht haben, die er »Parallelmedien« zuordnet. Diese würden, so Meisners Pauschalurteil, »Autokraten verherrlichen, Verschwörungsideologien und Fake News verbreiten«, vor allem aber durch ihre Duldung in der BPK »normalisiert«.
Dass es rechte Medien gibt, die mit kritischer Berichterstattung nichts zu tun haben, ist unstrittig. Aber Meisner stieß bei seiner Suche – bei 920 akkreditierten Journalisten in der BPK – nur deshalb auf ein Dutzend solcher Vertreter, weil er glaubt, auch die junge Welt oder einen Mitarbeiter der Nachdenkseiten in diese Kategorie einordnen zu können. Eine inhaltliche Begründung für diese Zuordnung blieb er schuldig.
Bislang konnte man davon ausgehen, dass sich die Deutsche Journalistinnen- und Journalisten-Union in Verdi für die Ausweitung der Pressefreiheit und eine Stärkung auch kritischer Medien einsetzt. Meisners Artikel kann natürlich als Privatmeinung deklariert werden. Aber warum erscheint das dann mit dieser Ausrichtung im Mitgliedermagazin?
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