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Aus: Ausgabe vom 23.04.2026, Seite 3 / Ansichten

Propagandapartner des Tages: Ströer in Bremen

Von Marc Bebenroth
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Wie viele Augenpaare die flächendeckenden Botschaften während intensiven Auf-das-Handy-Starrens bemerken werden, bleibt abzuwarten

Augen auf im Chatverlauf! Hinterlistige Datendiebe liegen auf der Lauer. Sie haben es auf PIN-Daten und Passwörter abgesehen. Zum Beispiel per elektronischem Enkeltrick in der Messenger-App des Vertrauens. Gut, dass es noch Geheimdienste gibt, die uns schützen und uns aufklären. In Bremen setzt man seit Mittwoch dazu auf bewährte Methoden. Dort haben Senat und Geheimdienst mit dem Unternehmen Ströer einen verlässlichen Propagandapartner.

Auf dessen elektronischen Werbeflächen wurden in der Vergangenheit bereits Alarmbotschaften der Kommunen oder des Katastrophenschutzes sowie Fahndungsaufrufe in den öffentlichen Raum gestrahlt. Jetzt wird auch noch vor Phishersfritzen gewarnt. Und zwar »dort, wo Menschen sind, nicht nur im Internet oder in Fachmedien«, führte die einstige Bundeswehr-Lobbyistin Eva Högl (SPD) aus, die mittlerweile in Bremen die Innensenatorin gibt. Über den Inhalt entscheidet dabei nicht der Senat allein. Das soll in Absprache mit dem Inlandsgeheimdienst und der Polizei festgelegt werden. Weitere »Kampagnen zu Desinformation, hybriden Bedrohungen und aktuellen Entwicklungen im Extremismus« seien bereits in Planung, hieß es am Mittwoch.

»Wir freuen uns, mit dem Land Bremen nun einen weiteren wichtigen Anwendungsfall für Warnungen und Aufklärungen zu etablieren«, ließ sich Ströer-CEO Alexander Stotz zitieren. Mit freiheitlicher demokratischer Aufklärung der Bremer Bevölkerung kennt sich Ströer aus. Im Februar 2025 hatte das von der Privatisierung öffentlichen Raumes profitierende Unternehmen bekanntgegeben, bis zur damals anstehenden Bundestagswahl »auf die Gefahren gezielter – häufig aus dem Ausland gesteuerter – Desinformationskampagnen« hinzuweisen. Damals prangten »Esel, Hund, Katze, Hai« auf 57 Ströer-Bildschirmen. Die Anspielung auf die märchenhaften Stadtmusikanten sollte dem Publikum klarmachen, dass »Desinformation« Geschichte verändere.

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