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Aus: Ausgabe vom 21.04.2026, Seite 6 / Ausland
Südkorea

Raketen auf der Friedensinsel

Südkorea: Auf Jeju protestieren Bürgerrechtsorganisationen gegen eine zunehmende Militarisierung der Region
Von Rainer Werning
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Auch in der Hauptstadt Seoul gibt es Widerstand gegen gemeinsame Militärmanöver mit den USA (6.3.2026)

Auf der südkoreanischen Insel Jeju regt sich Widerstand gegen einen bis Ende April geplanten Raketentest. »Stoppt den gemeinsamen Seestart des südkoreanischen Militärs, von Hanwha Systems und der Provinzregierung von Jeju«, lautet eine Petition, mit der Bürger- und Menschenrechtsorganisationen den Starttest einer Feststoffträgerrakete vor der Küste von Seogwipo im Süden der Insel verhindern wollen. Organisiert wird die Kampagne von der Grünen Partei der Insel, dem Ortsverband der Gerechtigkeitspartei und der Organisation »People Opposing Space Militarization and Rocket Launches«.

Die Organisationen befürchten, dass die Militarisierung der Insel verstärkt, das lokale Ökosystem und die Umwelt zerstört sowie die Demokratie bedroht werde. Laut einem Exklusivbericht von CBS Nocut News vom Februar plant das südkoreanische Militär, bis Ende nächsten Jahres etwa zehn solcher Raketenstarttests durchzuführen. Als Reaktion darauf gaben 19 Bürgerinitiativen auf Jeju bereits am 23. Februar eine gemeinsame Erklärung ab, in der sie die Provinzregierung zu einer Stellungnahme aufforderten. Bislang blieb diese sowohl von seiten der Regierung der Insel als auch von Militärsprechern aus. Vage hieß es lediglich, der Start stehe »im Zusammenhang mit militärischen Fähigkeiten«.

Die Provinzregierung der Insel fördert die Raumfahrtindustrie als »zukünftigen Wachstumsmotor«. Nachdem sie 2025 zum »ersten Jahr einer Raumfahrtindustrie, die die Einwohner konkret erleben können« erklärt hatte, positionierte sie die Raumfahrt neben der Energiebranche und der künstlichen Intelligenz als Kernsektor. Das Unternehmen, das in vollem Umfang von Jejus entsprechenden Investitionen profitiert hat, ist Hanwha Systems, ein Hersteller von Kriegswaffen. Hanwha, so heißt es in der oben genannten Petition, sei Geschäftsbeziehungen mit israelischen Unternehmen eingegangen und habe zum Massaker an den Palästinensern beigetragen.

Hanwha Systems ist ein zentraler Akteur innerhalb der südkoreanischen Hanwha Group und maßgeblich an der Aufrüstung und Digitalisierung der Militärfähigkeiten des Landes beteiligt. Das Unternehmen konzentriert sich auf Defense Electronics (Verteidigungselektronik), C5I-Systeme (Command, Control, Communications, Computers, and Intelligence) und Raumfahrttechnologien. Die Vision ist es, Jeju als eine der vier tragenden Säulen der koreanischen Raumfahrtindustrie zu etablieren, neben der Provinz Süd-Jeolla (Trägerraketen), der Provinz Süd-Gyeongsang (Satelliten) und Daejeon (Forschung), die bereits als Raumfahrtindustriecluster ausgewiesen wurden.

Die von Touristen geschätzte Ferieninsel, die sich auch mit dem Beinamen »Friedensinsel« schmückt, gerät somit erneut ins Visier innen- wie regionalpolitischer Auseinandersetzungen. Die dort 2016 fertiggestellte Marinebasis Gangjeong (Jeju Civilian-Military Complex Port) war bereits Anlass für Proteste, die von den staatlichen Kräften niedergeknüppelt wurden. Der Stützpunkt dient der südkoreanischen Marine zur Sicherung der Gewässer und beherbergt Kriegsschiffe sowie zivile Kreuzfahrtschiffe.

Die Marinebasis dient überdies den US-Streitkräften als Stützpunkt gegen die Volksrepublik China – zusammen mit Militärbasen in Japan, auf Okinawa sowie auf den Philippinen, wo US-Soldaten permanent neun Militäreinrichtungen der philippinischen Streitkräfte nutzen können. Dort starteten am Montag 19tägige gemeinsame Militärübungen der Philippinen mit den USA und weiteren Ländern mit insgesamt mehr als 17.000 Soldaten – das größte solche Manöver jemals. In Südkorea sind aktuell 28.500 Soldaten der Vereinigten Staaten stationiert – mit Camp Humphreys (rund 70 Kilometer südlich von Seoul), dem Hauptquartier der US-Streitkräfte Korea, als größtem US-Militärstützpunkt in Asien.

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