Spiel mit dem Feuer
Von Jörg Kronauer
Auf den Philippinen hat am Montag eine der bislang größten gemeinsamen Kriegsübungen des Landes mit den Vereinigten Staaten begonnen. An dem Manöver der Serie »Balikatan«, das bis zum 8. Mai andauert, sind wie in den Vorjahren insgesamt über 17.000 Soldaten beteiligt, darunter rund 10.000 aus den USA. Erstmals nehmen rund 1.400 japanische Militärs daran teil, zudem Truppen aus Australien, Neuseeland, Kanada und Frankreich. Die Übung umfasst unter anderem einen Angriff auf See, gemeinsame Luftoperationen und scharfes Schießen. Sie richtet sich offen gegen China. Zugleich soll sie Befürchtungen in der Region zerstreuen, die Trump-Administration verfeuere ihre militärischen Kapazitäten allzu stark in Mittelost und sei nicht mehr in der Lage, verbündete Staaten in Ost- und Südostasien, die sie – wie die Philippinen – in den offenen Konflikt mit China gezogen hat, im Kriegsfall zu unterstützen. Der US-Beistand für Manila bleibe »eisern«, wurde am Montag ein US-General zitiert.
»Balikatan 2026« verschärft die Spannungen mit China gleich in mehrfacher Hinsicht. Ein Teil des Manövers findet auf den Batanes statt, kleinen Inseln, die der philippinischen Hauptinsel Luzon nördlich vorgelagert sind; sie sind keine 200 Kilometer von Taiwan entfernt. In der Bashistraße, dem Seegebiet zwischen den Batanes und Taiwan, waren Militärflugzeuge der Philippinen, der USA und Japans im Februar erstmals gemeinsam Patrouille geflogen. Hinzu kommt, dass im Rahmen von »Balikatan« auch das US-Raketensystem »Typhon« eingesetzt werden soll, das »Tomahawk«-Marschflugkörper abfeuern kann. Vom Norden Luzons bzw. von den Philippinen kann es Ziele nicht nur auf Taiwan, sondern auch auf dem chinesischen Festland treffen. Die USA hatten »Typhon«-Raketenwerfer 2024 im Rahmen einer Übung auf die Philippinen gebracht, sie aber nicht wieder abgezogen. Manövergebiete auf Luzon liegen außerdem in relativer Nähe zum Scarborough-Riff, einem Atoll im Südchinesischen Meer, um das sich China und die Philippinen streiten. Die Volksrepublik hat kürzlich ihre Kontrolle über den Zugang zu ihm verstärkt.
Folgenreich ist zudem, dass erstmals Japan mit größeren Einheiten an »Balikatan« teilnimmt. Laut der Verfassung des Landes sind seine Streitkräfte unverändert auf die Selbstverteidigung beschränkt. In der Praxis hat Tokio allerdings begonnen, diese Vorschrift ähnlich kreativ auszuhebeln wie einst Berlin. Die dortige Regierung hat außerdem den Militärhaushalt des Landes auf rund 66,5 Milliarden US-Dollar – 1,9 Prozent seines Bruttoinlandsprodukts – aufgestockt, kürzlich die Regeln für den Rüstungsexport stark gelockert und begonnen, auf der südlichsten Hauptinsel Kyushu Raketen mit einer Reichweite von 1.000 Kilometern zu stationieren, die China treffen können. Auch Japans weit abgelegene südwestlichste Inseln, die schon nahe bei Taiwan liegen, militarisiert die Regierung in hohem Tempo. Vor allem aber hat die ultrarechte Ministerpräsidentin Takaichi Sanae angekündigt, sofern es zu einem militärischen Konflikt um Taiwan komme, würden die japanischen Streitkräfte intervenieren – gegen Beijing.
Am Sonntag protestierten rund 36.000 Menschen in Tokio gegen Japans rasante Militarisierung. Am Montag ging eine ungleich kleinere Zahl an Menschen, gut 50, bei Manila auf die Straße, um gegen »Balikatan 2026« zu demonstrieren. In Beijing wiederum betonte Außenamtssprecher Guo Jiakun, die Asien-Pazifik-Region benötige »Frieden und Ruhe« und keine Einmischung äußerer Mächte, die »Spaltung und Konfrontation« säten. Mit ihren Manövern spielten die USA, Japan und die Philippinen »mit dem Feuer«.
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