BBC streicht 2.000 Stellen
Von Dieter Reinisch
Die nun angekündigten Kürzungen bei der britischen BBC kommen nicht überraschend, das Ausmaß aber hat viele schockiert: Am Mittwoch wurden die Beschäftigten informiert, dass in den nächsten zwei Jahren fast 2.000 Stellen gestrichen werden, um Einsparungen in Höhe von 500 Millionen Pfund Sterling (575 Millionen Euro) zu erzielen. Zehn Prozent der Belegschaft sollen entlassen werden.
Es ist nicht die erste Kürzung beim britischen Sender, seit die Labour-Regierung im Sommer 2024 ins Amt eingezogen ist. Aber die per Telefonkonferenz angekündigten Entlassungen sind die größten seit mehr als zehn Jahren beim britischen öffentlich-rechtlichen Sender, wie Associated Press am Mittwoch berichtete. »Ich weiß, dass dies große Unsicherheit auslöst, aber wir wollten die Herausforderung offen ansprechen«, schrieb der Interimsgeneraldirektor Rhodri Talfan Davies in einer E-Mail an die Belegschaft.
Davies erklärte, die Kürzungen seien auf die Inflation, den Druck auf die Rundfunkgebühren sowie die Werbeeinnahmen und die turbulente Weltwirtschaft zurückzuführen. Die BBC hatte schon Anfang des Jahres mitgeteilt, dass sie mit »erheblichem finanziellen Druck« zu kämpfen habe und bis 2029 etwa ein Zehntel ihres Budgets einsparen wolle. Der Großteil der Kürzungen solle im nächsten Geschäftsjahr, das am 1. April 2027 beginnt, erfolgen.
Die Kürzungen fallen mit dem Amtsantritt des ehemaligen Google-Managers Matt Brittin als Generaldirektor im kommenden Monat zusammen. Die BBC hatte im Januar Davies zum Interimsgeneraldirektor ernannt, nachdem der bisherige Generaldirektor Tim Davie im Zuge einer Kontroverse um die Bearbeitung einer Rede von US-Präsident Donald Trump durch die BBC zurückgetreten war. Eine externe Produktionsfirma soll eine Trump-Rede sinnentstellend zusammengeschnitten haben.
Mitglieder der britischen Journalistengewerkschaft NUJ berichten seit langem von einem Rückgang der kommissionierten Schichten freier Mitarbeiter in den Produktionsteams sowie von fehlenden Neueinstellungen für offene Stellen. In einer Erklärung äußerte NUJ am Mittwoch Bedenken hinsichtlich der Auswirkungen dieser Änderungen auf die ohnehin schon überlasteten Journalisten. Pläne für die Stellenstreichungen seien »falsch, schädlich und würden bei den BBC-Mitarbeitern Unsicherheit und Verunsicherung auslösen«, sagte NUJ-Generalsekretärin Laura Davison. Die Kürzungen würden die Fähigkeit der BBC, »ihren Auftrag zu erfüllen, qualitativ hochwertigen Journalismus und Programme zu liefern, die informieren, bilden und unterhalten«, gefährden.
Auch die International Federation of Journalists (IFJ) beklagte die Kürzungspläne. IFJ-Generalsekretär Anthony Bellanger sagte, dass »wir in Zeiten, in denen Desinformation grassiert und die Welt ins Wanken gerät, ethische und qualitativ hochwertige Medien brauchen, um die Öffentlichkeit zu informieren«.
Bereits im Januar 2025 berichtete die BBC, dass der BBC World Service im Rahmen eines Sparplans von rund sechs Millionen Pfund Sterling (sieben Millionen Euro) 130 Stellen abbauen wird. Der Bericht stellte fest, dass trotz erhöhter staatlicher Förderung der finanzielle Druck und die zweijährige Aussetzung der BBC-Rundfunkgebühren zu einem Gesamtdefizit von 492 Millionen Pfund Sterling (565 Millionen Euro) für das Finanzjahr 2024/25 geführt hatten. Im Frühjahrsbudget 2025 kündigte die Regierung eine Kürzung der Öffentlichen Entwicklungszusammenarbeit (ODA) von 0,5 Prozent auf 0,3 Prozent des BIP bis 2027 an. Knapp 80 Prozent der staatlichen Finanzierung des World Service entfallen auf die ODA.
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