Dialog oder Invasion
Von Philip Tassev
Seit über sechs Jahrzehnten befindet sich das sozialistische Kuba im Würgegriff des US-Imperialismus. Eine revolutionäre und menschenwürdige Alternative zur kapitalistischen Barbarei 90 Meilen vor der Küste Floridas ist für die Machthaber in Washington – ob nun von der demokratischen oder republikanischen Fraktion – nicht akzeptabel. Anfang des Jahres hatte die Regierung von US-Präsident Donald Trump den Wirtschaftskrieg gegen das kubanische Volk noch einmal verschärft und eine vollständige Blockade von Erdöllieferungen verhängt. Die Auswirkungen auf den Alltag der Menschen auf Kuba sind dramatisch: Strom- und Trinkwasserversorgung, Krankenhäuser, Bildungseinrichtungen, Regierungsbehörden sind nach wie vor auf Treibstoff angewiesen, auch wenn Kuba vermehrt auf Solarenergie setzt.
In der deutschen Presse findet der Überlebenskampf der Inselrepublik kaum statt. Wenn dort doch einmal über Kuba berichtet wird, dann immer mit antikommunistischer Schlagseite. Das sozialistische Land sei ein »Failed State«, Schuld am Lebensmittelmangel seien in erster Linie die kubanische Regierung mit ihrer »ineffektiven« Planwirtschaft. Die Rolle der US-Blockade wird dabei höchstens nebenbei erwähnt.
Um solcher Propaganda etwas entgegenzusetzen, verleiht die junge Welt am Sonnabend im Anschluss an eine Solidaritätskonferenz mit Kuba im Berliner Kino Babylon den diesjährigen Rosa-Luxemburg-Preis an Aleida Guevara – eine kubanische Kinderärztin, Internationalistin und die Tochter des unvergessenen Che.
Sie erhalte diesen erst im vergangenen Jahr gestifteten Preis stellvertretend für das widerständige kubanische Volk, wie jW-Chefredakteur Nick Brauns am Freitag bei einer Pressekonferenz in der jW-Maigalerie erläuterte. Neben Aleida Guevara waren weitere Vertreter Kubas angereist: der Chefredakteur von Kubas wichtigster Kulturzeitschrift Revolución y Cultura, Enrico Ubieta, und die Journalistin Liz Oliva Fernández, Mitarbeiterin des unabhängigen Medienportals Belly of the Beast. Außerdem der spanische Journalist Ignacio Ramonet, langjähriger Chefredakteur von Le Monde diplomatique und – gemeinsam mit Fidel Castro – Autor der maßgeblichen Biographie des legendären Revolutionsführers.
Über die Verheerungen, die der US-Wirtschaftskrieg auf Kuba anrichtet, ist in dieser Zeitung schon viel geschrieben worden. Die Solidarität mit dem sozialistischen Inselstaat ist und bleibt einer der Grundpfeiler des Selbstverständnisses der jungen Welt. Doch wie kommt es, dass die Bevölkerung der Blockade seit Jahrzehnten trotzt und nicht – dem Drehbuch aus Washington folgend – gegen Regierung und Partei rebelliert oder in Scharen das Land verlässt?
Um das zu verstehen, müsse man erst verstehen, welchen tiefgreifenden gesellschaftlichen und sozialen Wandel die Kubanische Revolution nach 1959 ausgelöst hat, erklärte Ubieta. Sein Vater sei zu diesem Zeitpunkt zwar schon 33 Jahre alt gewesen, doch sei er damals mit dem Sieg der Revolution quasi »neu geboren« worden. Dieses neue Bewusstsein und der auf der Revolution basierende kubanische Nationalstolz bilden die Grundlage der Widerstandsfähigkeit der Bevölkerung.
Doch vor allem junge Leute würden heute schnell abwinken, wenn die Staatsführung wieder einmal den Mangel an Lebensmitteln oder die regelmäßigen Stromabschaltungen mit der US-Blockade begründet, gab Fernández zu bedenken. Es gelinge der Regierung nicht immer ausreichend, auch der Jugend die Zusammenhänge zwischen den Wirtschaftssanktionen und ihren Alltagssorgen begreifbar zu machen.
Die Partei hat dieses Problem nach Ansicht von Aleida Guevara aber erkannt und entsprechende Schritte eingeleitet. In der kubanischen Presse würden jetzt beispielsweise noch viel stärker als zuvor einfache Werktätige zu Wort kommen, um über die konkreten Auswirkungen der Blockade auf ihre Lebensgestaltung zu berichten.
Ramonet, der die Insel nach eigener Aussage schon mehr als 50mal besucht hat, stellte fest: »Die Blockade ist strategisch gescheitert.« Zu einem antikommunistischen Aufstand habe sie auch nach rund 60 Jahren nicht geführt. Daher blieben dem US-Imperialismus noch zwei Optionen: Dialog oder Invasion. Sollten sich Trump und sein Außenminister Marco Rubio zu neuen militärischen Abenteuern hinreißen lassen, um die Iran-Blamage zu kompensieren, kündigte Guevara bereits bewaffneten Widerstand an. Sie schloss mit einem Ausspruch des kubanischen Freiheitskämpfers Antonio Maceo: »Wer versucht, Kuba an sich zu reißen, wird den Staub seines Bodens in Blut getränkt ernten, wenn er nicht in der Schlacht untergeht.«
Probeabo
Sie lügen wie gedruckt. wir drucken, wie Sie lügen.
Jetzt 2 Wochen gratis lesen – das Probeabo endet automatisch!
links & bündig gegen rechte Bünde
Jetzt den kostenlosen jW-Newsletter abonnieren – täglich das Beste aus der Tageszeitung junge Welt, direkt in Ihr Postfach. Ihre E-Mail-Adresse wird natürlich niemals an Dritte weitergegeben.
Regio:
Mehr aus: Inland
-
Was macht diese Atombomben für die Region so gefährlich?
vom 11.04.2026 -
Ohne Kommentar
vom 11.04.2026 -
Aus welchem Grund wurde die Anklage nicht zugelassen?
vom 11.04.2026 -
Schwerwiegende Gründe
vom 11.04.2026 -
Lufthansa am Boden
vom 11.04.2026 -
Busse stehen still
vom 11.04.2026
