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10.04.20261 Leserbrief
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Der heilige Markt
Kanzler lädt zum Spritgipfel
Einem Land, dessen Industrie maßgeblich und dessen Mobilität erheblich vom Automobil abhängt, muss ein dauerhaft überhöhter Spritpreis zu schaffen machen und dessen Politik bewegen, etwas dagegen zu tun wenigstens zu simulieren. Deshalb hat der Kanzler jetzt zum »Spritgipfel« ins Kanzleramt geladen. Es herrscht »Tankzank«, weiß man bei Bild.
Die erste Simulation von Tatkraft – die Preise an den Tankstellen dürfen nur einmal täglich erhöht werden – erwies sich als der Rohrkrepierer, als den jeder Autofahrer ohne jedwedes prognostische Talent die Maßnahme von Anfang an erkennen konnte. Dann wird halt nur einmal am Tag erhöht, dafür aber kräftig. Inzwischen hat sich Benzin in der Bundesrepublik, der Zwölf-Uhr-Regelung sei Dank, schneller verteuert als in vielen Nachbarländern, in Österreich sank er sogar infolge des Einsatzes staatlicher Mittel.
Die in gleicher oder ähnlicher Weise zur Anwendung zu bringen ist der Kern des Streits, der im Kanzleramt ausgetragen wird. Preisdeckel? Übergewinnsteuer? Die Wirtschaftsministerin, deren Nachname die Antwort auf die Fragen gibt, für wen sie eigentlich Politik macht, verbittet sich ein solch übergriffiges Verhalten. Markteingriff, das klingt Leuten ihres Schlags ähnlich verheißungsvoll wie eine Wurzelbehandlung.
Der Finanzminister hingegen wird sich als Marktanbeter innerhalb seiner Klientel keine Freunde machen und zeigt daher an, dass er die sichtbare Hand des Staates der unsichtbaren des Marktes vorzieht. Ein Preiseffekt ergäbe sich, anders als bei einer Erhöhung der Pendlerpauschale und der Mobilitätsprämie, mit einem Preisdeckel unmittelbar; die aufs Auto angewiesenen Lohnabhängigen könnten es ihm und seiner SPD danken.
Dass die Rechnung nicht aufgehen wird, geschenkt. Die diskutierten Entlastungsmaßnahmen stehen stellvertretend für den Interessenwiderspruch zwischen Kapital und Arbeit (allerdings miserabel repräsentiert von der Sozialdemokratie) innerhalb des Staatsapparats. Ergebnis des »Spritgipfels«? Keine Einigung, keine Strategie. Dafür ein lapidarer Satz des Kanzlers: »Wir können nicht vor jeder Verwerfung schützen.« Ganz sicher aber die Profite der Mineralölmonopole.
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Onlineabonnent*in Andreas E. aus S. 10. Apr. 2026 um 08:00 UhrDer Staat hat doch gar kein Interesse daran, die Spritpreise zu senken. An jedem Liter verkauften Benzin und Diesel verdient er mit. Die Mehrwertsteuer bringt Geld in die Kasse. Bei dem Preissprung um ca. 40 Cent sind das knapp 8 Cent pro verkauftem Liter. Wir, die auf Grund fehlender ÖPNV-Infrastruktur auf das Auto angewiesen sind, füllen dem Staat erzwungenermaßen die Kasse. Und was machen die Herren Merz, Klingbeil, Pistorius, Frau Reiche (nomen est omen) und andere damit? Sie stecken es vor allem in die Aufrüstung. Wir machen sozusagen das, was man denen vorwirft, die fordern endlich wieder Energieträger dort zu kaufen, wo es günstiger ist – wir füllen Deutschlands Kriegskasse. Die Lösung läge nahezu vor der Tür – wenn man endlich Diplomatie gegenüber Russland walten ließe und sich für eine diplomatische Lösung des Kriegs in der Ukraine einsetzen würde –, das wäre eine pragmatische Lösung auch im Interesse des eigenen Volkes. Aber nein, lieber kaufen wir das dreckige Frackinggas der US-Amerikaner und füllen auch noch deren Kriegskasse. Und der deutsche Michel? Ballt die Faust in der Tasche und macht einfach weiter, und damit macht er mit …
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