Gegründet 1947 Dienstag, 17. Februar 2026, Nr. 40
Die junge Welt wird von 3063 GenossInnen herausgegeben

Mach’s gut, geliebter Jahn-Sportpark

Von Marco Bertram
imago847402678 Kopie.jpg
Gesprengt am 12. Februar 2026: Die Flutlichtmasten des Jahn-Sportparks in Berlin

Mit einem lauten Knall kippten kürzlich zwei der vier Flutlichtmasten des Jahn-Sportparks weg – und somit verschwand ein Wahrzeichen der Stadt. Ein Trauerspiel wie zuvor in Dresden, Jena und in Brandenburg an der Havel. In Rostock darf man sich glücklich schätzen. Dort wurde gemeinsam dafür gekämpft, am Ostseestadion vier neue Flutlichtmasten zu errichten.

30 Jahre lang sah ich im Jahn-Sportpark zahlreiche Spiele, von denen einige denkwürdig waren. Mein erstes und letztes Spiel war jeweils ein Heimspiel von Hertha BSC II. So besuchte ich im August 1994 die Regionalligapartie gegen den FC Berlin. Gefühlt war es ein Heimspiel der Hohenschönhausener, die damals Vereinsname und Wappen getauscht hatten. Rund 400 der 600 Zuschauer waren weinrot, und die bekamen eine 2:6-Packung zu sehen.

Fast exakt 30 Jahre später empfingen die Hertha-Bubis den FC Energie Cottbus vor 10.500 Zuschauern. Ein angemessener Rahmen, um Abschied zu nehmen. Die Lausitzer konnten mit 2:0 gewinnen und so den Aufstieg in die dritte Liga feiern. Ein letztes Mal fertigte ich im Innenraum Fotos an und musste an all die Berliner Pokalfinals und Auftritte des BFC Dynamo im DFB-Pokal denken. An den legendären Torjubel beim 2:1-Sieg gegen den BAK im Frühjahr 2011. Kaltes Mistwetter, nur knapp 800 Zuschauer, doch bei den beiden Treffern von Firat Karaduman flog das Dach weg. Episch! Die Bierbecher und Fans segelten gleichermaßen über die roten, gelben und grünen Plastiksitze, die seit 1998 ein markanter Hingucker waren.

Wenngleich die Berliner Pokalsiege des BFC, der Blocksturm gegen Kaiserslautern, das Jubiläumsspiel gegen den HSV und die DFB-Pokalspiele gegen Stuttgart und Schalke einprägsam waren, so war es wiederum ein Heimspiel der Hertha-Bubis, das in den 30 Jahren meine Nummer eins wurde. Am 9. Juni 2002 war Dynamo Dresden mit 10.000 Fans am Start und konnte beim Rückspiel der Aufstiegsrunde ein torloses Remis über die Zeit bringen. Chaos am Einlass, Bambule mit anwesenden BFC-Fans, ein spannendes Spiel und ein anschließender Platzsturm feinster Güte. Während der MDR-Reporter auf dem Rasen fröhlich in die Kamera sprach, knuffte sich die Polizei im Hintergrund mit den feiernden SGD-Fans.

Einen weiteren Aufstieg sah ich im Frühjahr 2009, als Union Berlin nach einer Saison im Jahn-Sportpark in die zweite Bundesliga aufstieg. Der Aufstieg des BFC Dynamo in die Regionalliga im Mai 2014 wurde indes im Sportforum gefeiert. Erst danach zog der BFC für sieben Jahre in den Sportpark um, wo er in den 70er und 80er Jahren große Erfolge gefeiert hatte. Zehn DDR-Meistertitel und dazu legendäre internationale Auftritte wie gegen Werder Bremen und den Aberdeen FC.

Waren es zu DDR-Zeiten bis 1971 Vorwärts Berlin und anschließend der BFC, die im Jahn-Sportpark aufliefen, so nutzten nach dem Fall der Mauer etliche weitere Vereine diese Sportstätte, die 1951/52 errichtet und 1986/87 umgebaut worden war. 1990/91 trug Blau-Weiß 90 Berlin einige Zweitligaspiele im Osten Berlins aus, zudem liefen Yeşilyurt, Türkiyemspor, SD Croatia, Hertha II, Viktoria 1889, Union Berlin und die VSG Altglienicke dort auf. Sogar die Hertha-Profis nutzten die Sportstätte, zum Beispiel beim EC-Duell gegen Brøndby. Wahnsinn, wieviel Geschichte in diesem Stadion geschrieben wurde.

links & bündig gegen rechte Bünde

Jetzt den kostenlosen jW-Newsletter abonnieren – täglich das Beste aus der Tageszeitung junge Welt, direkt in Ihr Postfach. Ihre E-Mail-Adresse wird natürlich niemals an Dritte weitergegeben.