-
25.03.2026
- → Antifaschismus
Die Milliardäre hinter Farage
Bericht: Labour-Politiker benennt Geldgeber für Netzwerk um Partei »Reform UK«
Mehr als 170 Millionen Pfund Sterling (rund 197 Millionen Euro) sind offenbar innerhalb der vergangenen fünf Jahre an rechte Parlamentarier, Parteien, Medienorganisationen und »Thinktanks« als Teil reaktionärer Netzwerke geflossen. Das ist das Ergebnis von Recherchen des Labour-Abgeordneten Liam Byrne, wie die Tageszeitung The Guardian am Montag online berichtete. Erstmals sei die »finanzielle Struktur der populistischen Rechten in Großbritannien« nachgezeichnet worden, zitierte das Blatt Byrne, der nach eigener Auskunft »auf einen medienpolitischen Komplex von außergewöhnlichem Ausmaß« gestoßen sei, »der innerhalb von nur fünf Jahren vor aller Augen entstanden ist«.
Für Byrnes neues Buch seien knapp 500 Transaktionen ausgewertet worden, die zwischen Januar 2020 und Februar dieses Jahres getätigt worden seien. Die Informationen stammen dem Bericht zufolge von der britischen Wahlkommission, dem Register für die finanziellen Interessen der Abgeordneten, aus beim Handelsregister eingereichten Unterlagen und aus Berichten der »Zivilgesellschaft«. Byrne behaupte, dass sich Zahlungen von mehr als 130 Millionen Pfund Sterling auf nur vier Akteure zurückführen lassen: den Milliardär Christopher Harborne, den Hedgefonds-Manager Paul Marshall, die in Dubai ansässige Investmentfirma Legatum und den Finanzier Jeremy Hosking. Bei Harborne handelt es sich um den größten Einzelspender des neuesten Politprojekts des einstigen UKIP-Gründers Nigel Farage. Dessen Partei »Reform UK« erhielt rund 22,2 Millionen Pfundvon ihm, wie das Onlineportal donation.watch mit Stand vom 8. März online berichtet. Hosking liegt demnach auf Platz zwei mit »nur« rund 1,7 Millionen Pfund.
Ein Großteil des von Byrne nachverfolgten Geldflusses ströme allerdings nicht an Parteien wie »Reform UK«, sondern zu 76 Prozent an Medienunternehmen. Laut Guardian sind das GB News, The Critic und Unherd. GB News begünstige Politiker dieser Partei und konzentriere die Berichterstattung auf sie, sagte der Labour-Abgeordnete. Parlamentarier von »Reform UK« hätten ihm zufolge mehr als 770.000 Pfund Sterling als Zahlungen für ihre Arbeit für GB News dem dafür zuständigen Register gemeldet. Farage, Richard Tice, Lee Anderson und Rupert Lowe sollen Einkünfte in Höhe von insgesamt mehr als 100.000 Pfund durch Arbeit für X, Google und Meta angegeben haben.
Der private Fernseh- und Radiosender GB News war 2021 in London gegründet worden und gehört über eine Holding dem Spekulanten Marshall und dem Finanzunternehmen Legatum. Die anderen beiden oben genannten Medienhäuser geben Byrne zufolge dagegen anderen extrem rechten und »antiwoken« – sprich: antiliberalen – Stimmen eine Plattform. Unherd behaupte von sich selbst, unparteiisch zu sein. Dem Bericht zufolge erhält The Critic seine Mittel primär von Jeremy Hosking und Unherd von Marshall.
Gegenüber dem Guardian teilte Legatum mit, dass es stolz darauf sei, GB News zu finanzieren. »Der Kanal ist erfolgreich nicht wegen mancher so wahrgenommener politischer Positionen, sondern weil er eine Lücke in der Medienlandschaft füllt, die Ansichten vieler britischer Communitys nicht berücksichtigte.« Der »Reform UK«-nahe Sender sei »auf dem besten Weg«, bis 2028 »zum größten Nachrichtensender Großbritanniens zu werden«. So sei der Umsatz in den vergangenen zwölf Monaten »um 65 Prozent« gestiegen. »Sowohl im Fernsehen als auch im Radio verzeichnete der Sender ein deutliches Zuschauer- und Hörerwachstum sowie eine Ausweitung seiner digitalen Plattformen«, teilte Legatum dem Blatt mit.
Unabhängiger Journalismus braucht deine Unterstützung.
Wie hat Ihnen dieser Artikel gefallen?
Durchschnittliche Bewertung: 3,0
Das Verwaltungsgericht Berlin hat entschieden und die Klage des Verlags 8. Mai abgewiesen. Die Bundesregierung darf die Tageszeitung junge Welt in ihren jahrlichen Verfassungsschutzberichten erwahnen und beobachten. Nun muss eine höhere Instanz entscheiden.
In unseren Augen ist das Urteil eine Einschränkung der Meinungs- und Pressefreiheit in der Bundesrepublik. Aber auch umgekehrt wird Bürgerinnen und Bürgern erschwert, sich aus verschiedenen Quellen frei zu informieren.
Genau das aber ist unser Ziel: Aufklärung mit gut gemachtem Journalismus. Sie können das unterstützen. Darum: junge Welt abonnieren für die Pressefreiheit!